9.Oktober: Der Kurdische Befreiungskampf zwischen IS-Terror und ausländischer Intervention


Der kurdische Befreiungskampf zwischen IS-Terror und ausländischer Intervention

Veranstaltung mit Ulla Jelpke (MdB) und Michael Knapp (Kurdistan Solidaritätskomitee Berlin)
9.Oktober | 19 Uhr | Mosaik | Oranienstrasse 34 | Hinterhof 1.Etage

Der Massenmord an den Yeziden im irakischen Shengal-Gebirge hat den Terror des „Islamischen Staates“ (IS) zum Gegenstand der internationalen Debatte gemacht. Die USA reagierten mit Luftangriffen auf IS-Stützpunkte, Deutschland und andere imperialistische Staaten liefern nun Waffen an die Pershmerga-Kräfte des konservativen nordirakischen Kurdenpräsidenten Barzani.
Währenddessen werden die linken Kräfte der kurdischen Befreiungsbewegung weiterhin als „terroristische Vereinigungen“ von Deutschland, der EU und der USA verfolgt, obwohl selbst bürgerliche Beobachter_innen feststellen mussten, dass vor allem die Guerillakräfte der PKK und der syrischen YPG den Völkermord an den Yeziden verhinderten. Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit kämpfen die kurdischen Selbstverteidigungskräfte der YPG seit Jahren einen blutigen Abwehrkampf gegen die zahlenmäßig überlegenen „Gotteskrieger“ des „Islamischen Staates“ und der „Al Nursa Front“, um die „Rojava“ genannten kurdischen Gebiete in Syrien zu verteidigen.

Dort wird seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges versucht, eine emanzipatorische Alternative zum religiösen Terror des Islamischen Staates und der Unterdrückung durch das Assad-Regime aufzubauen. Basisdemokratie, Selbstorganisation, Konföderalismus und die Überwindung ethnischer und konfessioneller Spaltungen sind die Grundlagen dieses gesellschaftlichen Experimentes.
Michael Knapp (Kurdistan Solidaritätskomitee) war mehrere Monate in Rojava und wird vom Aufbau einer gesellschaftlichen Alternative berichten. Ulla Jelpke (MdB/Linkspartei) ist als erste deutsche Politikerin in den Nordirak geflogen, nachdem sie von den Massakern an den Yeziden hörte, und hat sich dort in Flüchtlingslagern einen eigenen Eindruck gemacht. Sie wird außerdem zur Debatte um deutsche Waffenlieferungen und das PKK-Verbot Stellung nehmen.

Unterstützt die Flüchtlingsproteste!


Nachdem die letzten Flüchtlinge am Sonntag von Dach der Gürtelstrasse gekommen sind und nun erstmal in der Kreuzberger Heilig Kreuz Kirche untergekommen sind, fand am Montag eine Spontandemonstration gegen das Verhalten des Berliner Senats gegenüber den Flüchtlingsprotesten statt. Die Demonstration spaltete sich in 2 Teile und die Berliner Polizei versuchte recht planlos im Kiez für „Recht und Ordnung“ zu sorgen. War zur Abwechslung mal ne echt coole Demo. Hier der Bericht von unserem Atzen Staiger:

Staigers Bericht zur Spontan-Demonstration nach dem Ende der Gürtelstrassenbesetzung (mehr…)

4.September: Gegen den NATO-Gipfel in Wales


Grade jährte sich der Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen und den damit verbundenen Beginn des 2.Weltkrieges zum 75sten Mal, was unseren Bundespräsident Joachim Gauck dazu veranlasste im polnischen Danzig eine üble Hetzrede gegen Russland zu halten. Allgemein scheint mit den Niederlagen der ukrainischen Streitkräfte im Kampf gegen die sogenannten „prorussischen Seperatisten“ das mediale Dauerfeuer gegen Russland wieder an Fahrt zu gewinnen. Zeitgleich trifft sich die NATO in Wales um sich schonmal militärisch auf den nächsten Russlandfeldzug vorzubereiten. Gegen die NATO und ihre Kriegsvorbereitungen in Osteuropa findet am Donnerstag um 18 Uhr eine Demonstration am Oranienplatz in Kreuzberg statt. Kommt zahlreich!

Demo | Donnerstag | 18 Uhr | Oranienplatz

Hier die notwendigen Anmerkungen zu Gaucks Rede von der Gruppe gegen Kapital und Nation Hamburg:
https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=288793677970438&id=122991261217348

Support Brother Adel


31.August: 1500 demonstrieren für Flüchtlinge

Über 1000 Menschen demonstrierten heute im Friedrichshainer Kiez ihr Solidarität mit den Flüchtlingen auf dem Dach der Gürtelstrasse und protestierten gegen Rassismus in Politik und Gesellschaft. Sie zogen vom S-BHF Warschauer Strasse zur Gürtelstrasse 39, wo seit Dienstag mehrere Flüchtlinge aus Protest gegen die Verarschungspolitik des Berliner Senats das Dach besetzt halten. Die Polizei versucht die Flüchtlinge auszuhungern und verhindert seit Tagen das Essen und Wasser auf das Dach gebracht werden können. Die Strukturen vor Ort brauchen weiterhin dringend solidarische Unterstützung. Kommt vorbei!

Fotos

30.August: Von Ferguson bis Berlin: No Justice – No Peace!


Tausend Menschen protestierten heute in Berlin gegen staatliche Überwachung und den Abbau von Bürger_innenrechten. Ein breites Bündnis aus Bürgerrechtsorganisationen und bürgerlichen Parteien hatten unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ zu einem Protestzug durch das Berliner Regierungsviertel aufgerufen.

Mehrere Hunderte beteiligten sich am antikapitalistischen Block zu dem die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) und die Neuen antikapitalistische Organisation (NaO) unter dem Motto „Von Ferguson bis Berlin: No Justice – No Peace! Gemeinsam gegen staatliche Repression und rassistische Polizeigewalt!“ aufgerufen hatten. Neben der Solidarität mit der den Protesten in der us-amerikanischen Kleinstadt Ferguson gegen rassistische Polizeigewalt – heute findet in Ferguson eine Grossdemonstration gegen den Mord an Michael Brown durch die Polizei statt – war natürlich die Situation der Flüchtlinge auf dem Dach der Gürtelstrasse 39 ein zentrales Thema des Blocks. Immer wieder wurde dazu aufgerufen direkt nach der Demo zur Gürtelstrasse zu fahren und die Flüchtlinge in ihrem Kampf gegen die rassistische deutsche Flüchtlngspolitik und die Verarschung durch den Berliner Senat nicht alleine zu lassen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Unterstützung linker Aktivist_innen die von staatlicher Repression betroffen sind. Am 9.September beginnt der Prozess gegen den Antifaschisten Adel, dem vorgeworfen wird u.a. dem NPD-Vorsitzenden von Neukölln mit einer Plastikflasche beworfen zu haben und 2 stadtbekannte Berliner Zivilpolizisten durch das Zeigen eines ausgetreckten Mittelfingers „in ihrer Ehre beeinträchtigt“ zu haben. Deswegen drohen ihm nun mehrere Jahre Haft. Es wurde dazu aufgerufen zum Prozess zu kommen und Solidarität zu zeigen.

Am diesen Montag beginnt der Prozess gegen David, der bei der Spontandemontration gegen die Räumung des Oranienplatzes brutal verhafete wurde. Er berichtete von seinem Fall, kündigte eine politische Prozessführung an und würde sich freuen wenn Menschen am Montag zu seiner Verhandlung kommen würde. Desweiteren wurde die „DNA-Entnahme“ in sog. Kotti-Verfahren und die Repression gegen Genoss_innen in Burg und Leipzig thematisiert sowie eine Aufhebung des PKK-Verbotes gefordert.

Für Verwirrung in unseren Reihen sorgte der Schulterschluss der FDP-Jugendorganisation „junge liberale“ mit dem antikapitalistischen Block. Eigentlich sollte nach dem Demo-Absprachen hinter uns die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ laufen und die Parteien und deren Jugendorganisation erst im hinteren Teil der Demonstration. Die freien Radikalen der Julis waren von unserer revolutionären Agitation jedoch dermassen begeistert, das sie sich spontan in den antikapitalistischen Blocks einreihten. Einige Teilnehmer_innen des Blocks ging diese neue Querfront von Marktradikalen und Antikapitalist_innen jedoch zu weit und reagierten mit hämischen Kommentaren und Sprechchören wie „Staat. Kapital. FDP – Scheisse“.

In unserer Reihen positiver aufgenommen wurde derweil eine Initiative von Sexarbeiter_innen die vor dem antikap-Block liefen und gegen die geplante Verschärfung des Prostitutiongesetztes protestierten. Nach (diesmal) gegenseitigen Solidarisierungen schlossen auch sie sich gegen Ende der Demo dem antikapitalistischen Block an.

Nach einem lautstarken Marsch durch die Abschlusskundgebung löste sich der antikapitalistische Block schnell auf und die ehemaligen Teilnehmer_innen machten sich auf schnell zur Gürtelstrasse zu gelangen, was bei der Berliner Polizei hektisches Hin und Her-Gerenne auslöste.

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28.August: SUPPORT GÜRTELSTRASSE – KEIN MENSCH IST ILLEGAL!


Flüchtlinge lehnen Polizeiangebot ab! Hunderte demonstrieren im Kiez! Kommt zur Gürtelstrasse und zeigt Solidarität!

Die Flüchtlinge haben das Angebot der Polizei – Straffreiheit und 1 Woche Unterbringung für Refugees, anschließend keinerlei Zusicherungen – abgelehnt. Die Gefahr das die Polizei eine „militärische Lösung“ wählt und das Dach in der Nacht stürmt steigt dadurch. Kommt jetzt zur Gürtelstrasse und zeigt Solidarität, es sind zur Zeit ca 150 Unterstützer_innen vor Ort. Grade in der Nacht werden dringend Leute gesucht, die Verantwortung übernehmen und den Flüchtlingen zeigen das sie mit ihrem Kampf nicht alleine sind. Auch Schlafplätze für die durch die Politik des Senats obdachlos gewordenen Flüchtlinge werden dringend gebracht. Zuvor waren hunderte in Solidarität mit den Flüchtlingen und aus Protest gegen die Verarschungs-Taktik des Berliner Senats durch den Friedrichshainer Kiez gezogen. An der Niederbarnim/Boxehagenstrasse wurde die Demonstration vorzeitig abgebrochen und dazu aufgerufen sofort zur Gürtelstrasse zu gehen, da die Nachricht die Runde machte das die Polizei das Dach zu stürmen droht. Bei der Auflösung kam es zu Angriffen der Polizei auf die abziehender Teilnehmer_innen und mehreren Festnahmen.

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Unterstützt die Flüchtlinge in der Gürtelstrasse


An der Gürtelstrasse wird weiterhin dringend Support gebraucht. Die Flüchtlinge sind weiterhin auf dem Dach, die Polizei scheint sie aushungern zu wollen und hat ihnen Strom und Wasser abgestellt. Die Presse wird wie bei der Ohlauer Strasse nicht durch die Absprerrungen gelassen. Auch Anwälte und Essen werden nicht durchgelassen. Eine der Personen auf dem Dach ist sehr krank und brauch ärztliche Unterstützung. Vor Ort werden mehr Leute gebraucht, die Aufgaben übernehmen. Während die Situation an der Gürtelstrasse heute den ganzen Tag über angespannt war, gab es auch am Oranienplatz wieder unschöne Schikanen der Berliner Polizei. Dort haben die Beamten Personenkontrollen durchgeführt und gezielt Refugees rausgegriffen. Angeblich kam es zu 6 Festnahmen.

Twitter:

Lower Class Magazine

Fotos von der Demo gestern Abend
Fotos von der Demo gestern Nachmittag

Erklärung:

Die Flüchtlinge, die sich auf dem Dach der Gürtelstr.39 aufhalten sind ehemalige Bewohner des Oranienplatzes. Sie sind Teil des Agreements, welches im April mit dem Senat Berlin, nach persönlichen Verhandlungen geschlossen wurden. Die Flüchtlinge selbst wurden zum Großteil erst am Montag lediglich mündlich informiert. Am Dienstag sind einige mittellos obdachlos ausgesetzt worden. Der Senat hat hier in äußerster Willkür, menschenverachtend und rechtswidrig gehandelt.

Die aufenthaltsrechtlichen Verfahren wurden nicht umfassend im Rahmen aller rechtlichen Möglichkeiten geprüft.

Die Menschen auf dem Dach:

Aus unserer Sicht sind die Verfahren nicht auseichend geprüft.

Wir fordern aktuell den Zugang zu Essen und Trinken und den Zugang zu Medikamenten.

Wir fordern Vertreter der Sozialverwaltung, der Integrationsbeauftragten, der Ausländerbehörde, und die Senatorin Kolat zu Verhandlungen auf. Dazu benötigten wir gesicherten Zugang zu unseren Anwälten.

Wir fordern grundsätzliche die erneute Prüfung der Verfahren. Wir fordern die Überstellung der Verfahren aus anderen Bundesländern nach Berlin, wie im Agreement zugesagt.

Wir fordern während der Prüfung, wie gesetzlich vorgesehen eine Grundversorgung, einschließlich Unterbringung und der schon bisher rechtswidrig komplett verweigerten Krankenversorgung sicherzustellen. Wir fordern alle Medien auf nicht wegzusehen und zu berichten.

Wir sind verzweifelt und wütend!“

Flüchtlinge Gürtelstrasse.39
Berlin, 27.August 2014

+Strom und Wasser wurden abgestellt. Wir fordern Strom und Wasser!+

25.August: 1000 protestieren gegen Polizeiübergriffe auf Flüchtlinge am Oranienplatz

Über 1000 Menschen haben sich gestern Abend am Oranienplatz in Kreuzberg zu einer spontanen Demontration versammelt und zogen kurz nach 22 Uhr von dort aus durch den Kreuzberger Kiez. Am Heinrichplatz wurden die ersten Reihen der Demonstration von der Polizei mit Pfefferspray und Faustschlägen angegriffen. Dabei gab es mehrere Verletze, von Festnahmen ist zur Zeit noch nichts bekannt. Anlass für den spontanen Protest war das Verhalten des Berliner Senats gegenüber den protestierenden Refugees und der brutale Polizeieinsatz auf dem Oranienplatz am Nachmittag. Dort hatten eine Gruppe von Flüchtlingen versucht ein Zelt zu errichten, wonach der Senat ihnen für heute die Unterkünfte und Sozialleistungen gekündigt hatte und ca 100 in andere Bundesländer zurückschicken will, wo ihnen eine schnelle Abschiebung droht. Es handelt sich dabei um die Gruppe die sich mitte April mit dem Senat nach monatelangen Verhandlungen „geeinigt“ hatten und für die Zusicherung einer Einzelfallprüfung und 6 Monate Unterkunft das Camp am Oranienplatz abgebaut hatte. Eine andere Gruppe von Flüchtlingen ahnte schon damals die Verarsche des Senats und beschloss für ihre politischen Forderungen weiterzukämpfen.

Die Polizei ging am Nachmittag mit massiver Gewalt gegen die Refugees vor und riss das Zelt wieder ab. Dabei wurden mehrere Refugees verletzt und verhaftet. Deshalb wurde am Abend in Kreuzberg zu einer spontanen Demonstration aus Solidarität mit den Flüchtlingen und aus Protest gegen die Polizeigewalt und das Verhalten des Senats aufgerufen. Nachdem die Demonstration kurz nach halb Zwölf wieder am Oranienplatz angekommen war kündigte eine Gruppe an auf dem Oranienplatz zu übernachten. Unterstützt sie! Und angeblich wird heute um 7 Uhr Früh die Flüchtlingsunterkunft in Marienfelde geräumt. Kommt vorbei und zeigt Protest.Heute und in den kommenden Tagen sind weitere Proteste geplant, die Termine werden wir in kürze bekanntgeben. Zudem gibt es am Samstag einen antikapitalistischen Block auf der „Freiheit statt Angst-Demo“ gegen rassistische Polizeigewalt und staatliche Repression um 14 Uhr am Brandenburger Tor.

Twitter:
https://twitter.com/search?q=%23oplatz&src=hash

Fotos vom Nachmittag:
https://www.facebook.com/SunsurferPhotographie/photos/a.839802989387768.1073741978.144280198940054/839803642721036/?type=1&theater

Fotos vom Abend:
https://www.flickr.com/photos/pm_cheung/sets/72157646453011330/

http://www.vice.com/de/read/die-fluechtlinge-vom-oranienplatz-sind-zurueck-und-verzweifelter-denn-je-592

Biji Azadi – Stoppt das Morden im Südkurdistan


Gemeinsame Stellungnahme von ARAB und NaO-Berlin zur Situation im Südkurdistan/Nordirak

Biji Azadi – Stoppt das Morden – Solidarität mit den Yeziden, Assyrern und anderen bedrohten Mindernheiten im Irak!

Die kurdisch besiedelten Regionen des Nordirak sind seit Tagen Schauplatz eines unglaublichen Massakers. Einige Beobachter_innen sprechen vom „ersten Genozid“ im 21. Jahrhunderts, auf jeden Fall ist die Lage für ca. 50 000 Angehörige der yezidischen Religionsgemeinschaft katastrophal. Ohne Lebensmittel befinden sie sich im felsigen Wüstengebirge von Sengal auf der Flucht vor den selbsternannten „Gotteskriegern“ des Islamischen Staates. Diese hardcore-islamistische Miliz hat es sich zum Ziel gemacht eine brutale religiöse Diktatur auf den Trümmern der westlichen Nahost-Politik im Irak und Syrien zu errichten. Dabei gehören Massaker und systematische Vertreibung in ihren Augen „ungläubiger“ Bevölkerungsschichten zum Kernprogramm der reaktionär-klerikalen Bande. Ihren Erfolg verdanken die Steinzeit-Islamisten nicht zu unwesentlichem Anteil der Nah-Ost-Politik von USA, Europa und Israel. Im Bürgerkrieg gegen das Assad-Regime in Syrien wurde die Truppe, die sich Ende vergangenen Jahres vom internationalen al qaida-Netzwerk abgespalten hatte, allen voran von dem NATO-Staat Türkei, den Golfstaaten aber auch westlichen Geheimdiensten logistisch und finanziell unterstützt. Ziel war es, Syrien zu destabilisieren um deren Verbündete, die Regionalmacht Iran, weiter zu schwächen und die eher US-freundlich gesonnenen Golfstaaten in der Region und die Türkei zu stärken. Wie zuvor in Libyen verbündeten sich die USA hierfür mit ihren angeblichen „Erzfeinden“ des politischen Islam.

Der politische Islam und der Imperialismus: Eine verhängnisvolle Affäre

Nun ist es keinesfalls so, dass die einen von den anderen „gesteuert“, „gelenkt“ oder „unterwandert“ wären. Beide Parteien haben in dieser Situation ein rationelles Interesse an dem Pakt, das nicht auf ideologischen Gemeinsamkeiten sondern auf dem Kampf gegen einen gemeinsamen Feind basiert. Ähnlich gingen die Vereinigten Staaten schon in den 1980er Jahren vor, damals unterstützten sie ein Projekt saudischer Islamisten um Osama bin Laden in Afghanistan so etwas wie „internationale Brigaden“ aufzubauen, um der Roten Armee mal so richtig in den Arsch zu treten.

Das Unternehmen war zwar vollends erfolgreich und das Afghanistan-Debakel beschleunigte den Zerfall der Sowjetunion und ließ die USA als Sieger auf dem Parkett der Weltgeschichte erscheinen, die Nummer rächte sich doch später in der Gestalt, dass die Waffenbrüder von einst später mit zwei Flugzeugen ins World Trade Center flogen und sich auch sonst eher respektlos benahmen. Es liegt im Wesen des Kapitalismus und auch seiner politischen und militärischen Verwaltungen, dass er, getrieben von den Zwängen der Kapitalakkumulation, nicht in der Lage ist über den Tag hinaus zu denken und stets die Option wählt, die im Moment die größtmöglichen Nutzen bringt, auf längere Sicht jedoch selbst für die Interessen des Kapitals verheerende Folgen haben kann. Insofern sind die IS und Al-Kaida auch nicht der Masterplan der Imperialisten um den Nahen Osten zu unterwerfen, wie es einige linke Fans der Assad-Familie gern behaupten, sondern lediglich die Folge einer von Verwertungsdruck und Wirtschaftskrisen getriebenen, ziemlich kurzsichtigen Geopolitik der Global Player.

Dass jetzt, wonach das Unternehmen „Islamischer Staat“ etwas aus dem Ruder gelaufen und auf den benachbarten Irak übergeschwappt ist, die USA mit Luftschlägen antworten, zeigt umso mehr die Verlogenheit, aber auch die Kopf- und Hilflosigkeit imperialistischer Politik in der Krise. Obama und Konsorten erscheinen heutzutage wirklich nur noch als „Papiertiger“, wie ein berühmtes chinesisches Pop-Up-Model mal zu sagen pflegte.

Wenn die Völker selber reden werden sie schnell einig sein (B.Brecht)

Was den „Islamischen Staat“, die Türkei, den Iran, das Assad-Regime, die NATO und die Golfstaaten auf dem Schlachtfeld der nationalen, staatlichen und wirtschaftlichen Konkurrenz verbindet, ist ihre Abscheu gegenüber der Idee, dass die Menschen aufhören könnten Figuren auf dem Schachbrett nationalistischer und konfessioneller Spaltung zu sein und beginnen sich gemeinsam in ihrem Interesse selbst zu organisieren und sich dafür Strukturen aneignen. Weil sie eben einen solchen emanzipatorischen Ansatz vertreten und sich nicht zum Spielball geopolitischer Interessen machen lassen, hat die links-sozialistisch geprägte kurdische Befreiungsbewegung in der Region wenig Freunde.

Wenn überhaupt werden die Pershmerga der konservativen kurdischen KDP unterstützt, die mit ihrem kampflosen Rückzug aus Sengal die aktuelle Tragödie erst ermöglicht haben. Ziel der von feudalen Clanstrukturen und Korruption geprägten KDP, die seit Ende der 1980er Jahre ein enges Verhältnis zur USA und Israel pflegen, ist es die aktuelle Katastrophe zu nutzen um sich von den USA ihre Waffenlager mal wieder auffüllen zu lassen. Diese sollen dann jedoch weniger dazu genutzt werden um bedrohte Minderheiten zu schützen als vielmehr die Pläne einer kurdischen Abtrennungen von der Zentralregierung im Irak militärisch abzusichern und vor allem um die Öl-Quellen von Kirkuk zu schützen. Nicht auszuschliessen ist jedoch das die autoritäre KDP diese Waffen auch gegen Kritiker und vor allem gegen die um die Gunst der kurdischen Bevölkerung konkurierende kurdische Linke unter Führung der PKK einsetzt. Diese linken kurdischen Kräfte wie die PKK oder deren Schwesterorganisationen in Syrien, dem Iran und dem Irak werden hingegen als „terroristische Vereinigungen“ brutal verfolgt und gelten als international geächtet.

Während die Guerillas der PKK (HPG) gemeinsam mit den Volksverteidigungskräften der syrischen Kurden (YPG) einen Fluchtkorridor gegen die IS-Miliz erkämpften und damit zehntausenden Yeziden das Leben retteten, griffen die Streitkräfte des NATO-Staates Türkei und des NATO-Erzfeindes Iran gemeinsam auf türkischen Gebiet Guerillaeinheiten der PKK an. Über alle imperialistische, nationalistische und kapitalistische Konkurrenz hinweg, eint beide Seiten die Angst vor starken revolutionären Bewegungen im Nahen Osten und einem gemeinsamen Kampf aller Ausgebeuteten und Unterdrückten. Die kurdische Befreiungsbewegung und ihr Projekt einer basisdemokratischen und kommunalen Selbstverwaltung vor allem in den „Rojava“ genannten befreiten Gebieten Nordsyriens sind ein Beispiel dafür, dass es selbst inmitten des syrischen Bürgerkrieges möglich ist, konfessionelle und nationalistische Spaltungen zu überwinden und gemeinsam ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Wenn wir am Samstag in Neukölln und Kreuzberg auf die Straße gehen um unsere Solidarität mit den bedrohten und ermordeten Yeziden in Südkurdistan (Nordirak) zu zeigen, so demonstrieren wir auch unsere Unterstützung für die kurdische Befreiungsbewegung als stärkste emanzipatorische Kraft im Nahen Osten. Statt US-Bomben fordern wir Waffen für die Guerilla und eine Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland!

Biji YPG! Biji HPG! Biji Azadi!
Solidarität mit den Yeziden, Assyrern und den bedrohten Minderheiten im Irak!
Gegen den Terror des „Islamischen Staat“!
Waffen für die Guerilla statt US-Bomben!

Termine:
Kundgebung | Donnerstag | 14.8. | 14 – 18 Uhr | Brandenburger Tor
Kundgebung | Freitag | 15.8. | 14 – 18 Uhr | Brandenburger Tor
Demo | Samstag | 16.8. | 12 Uhr | Hannover | Herrenhäuser Gärten
Kundgebung | Sonntag | 17.8. | 14 Uhr | Bebelplatz



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