Beitrag zum GDL-Streik 2007

Alle Räder stehen still!
Solidarität mit dem Streik der LoführerInnen!
Verteidigt das Streikrecht!
Stoppt die Hetze von Deutscher Bahn, Medien und Politik!

Deutscher Herbst 2007. „Eine kleine radikale Minderheit terrorisiert tausende Deutsche“ hieß es Anfang Oktober in einer Sendung des öffentlichen-rechtlichen Fernsehens. Es war allerdings keine Dokumentation über die Entführung des Arbeitergeberpräsidenten Hans Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) im Herbst 1977, sondern eine aktuelle Nachrichtensendung über den Arbeitskampf der kleinen Spartengewerkschaft GDL (Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer) gegen die Deutsche Bahn AG. Brauchte es vor 30 Jahren noch eine kommunistische Metropolenguerilla mit dem erklärten Ziel den kapitalistischen Staat zu zerschlagen um hysterische Hasstiraden der Presse auszulösen und das Arbeitgeberlager zumindest partiell in Angst und Schrecken zu versetzen, reicht dafür heute eine kleine kämpferische Gewerkschaft die lediglich ihr Streikrecht wahrnimmt. Der hasserfüllte Duktus mit denen Medien und Politik versuchen die Lokführergewerkschaft in den Augen der Bevölkerung als eine handvoll amoklaufender gewerkschaftspolitischer Wirrköpfe, mit völlig überzogenen Lohnforderungen, darzustellen ähnelt dem Sprachbild mit denen Boulevardzeitungen in den späten 70er Jahren gegen die Stadtguerilla und den „linken Sympathisantensumpf“ mobilisiert haben. Die Mittel sind Desinformation, Manipulation und Diffamierung. Die Hetzte gegen den Streik der LokführerInnen sagt dabei weniger über die bescheidenen Parallelen zwischen der Roten Armee Fraktion (RAF) und Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) aus, als über die Dreistigkeit und Selbstsicherheit der kapitalistischen Eliten, die Schwäche der ArbeiterInnenbewegung und den allgemeinen Zustand der Klassengesellschaft. Aus allen Rohren wird auf die GDL geschossen, weil sie gewagt hat aufzumucken. In Zeitungen und Fernsehnachrichten werden die streikenden LokführerInnen mit kübelweise Scheisse beworfen, die Anwälte der Deutschen Bahn AG überziehen die Gewerkschaft mit absurden Klagen, Gerichte setzen das im Grundgesetzt verankerte Streikrecht faktisch außer Kraft und streikende LokführerInnen werden von Polizei und Streikbrechern aus den Bahnhöfe geworfen.

Die Angriffe und Hetze der Kapitalfraktionen verfehlen leider nicht ihre Wirkung. Waren zu Beginn der Tarifauseinandersetzungen im Sommer noch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung auf Seiten der LokführerInnen, nimmt die Unterstützung in den letzten Wochen merklich ab. Dabei brauchen die KollegInnen der GDL im Moment nichts dringender als das. Also statt sich darüber zu ärgern das wir einmal nicht pünktlich zur Büro, Schule oder Arbeitsagentur kommen, sollten wir Solidarität zeigen und uns Gedanken darüber machen wie wir die Bahnangestellten im Kampf für ihre berechtigten Lohnforderungen unterstützen können. Denn niemand kann ein Interesse an übermüdeten, schlecht gelaunten und unterbezahlten Lok-Führern haben, die aus lauter Sorgen darum wie die Studiengebühren der Tochter zu bezahlen sind grüne und rote Signalblinker verwechseln und den ICE mit 200 Sachen in einen voll besetzten Regionalzug fahren. Außer Bahnchef Mehdorn und seine Manager natürlich, die fahren ja im Regel Auto und interessieren sich für die Sicherheit der Fahrgäste nicht sonderlich. Ihr einziges Thema ist wie sie aus dem Bahnnetz den maximalen Profit rausholen können. Ein probaten Mittel zur dafür ist natürlich den Mitarbeitern nur einen Hungerlohn zu bezahlen, wie die Deutsche Bahn es seit Jahren macht. Das dadurch die Sicherheit und Qualität leidet scheint den Herren in Wirtschaft und Politik egal zu sein. Ein anderer Weg um die Gewinnstatistik der Bahn ordentlich zu pushen ist die vollständige Privatisierung der Bahn und ihrer Infrastruktur. Nachdem die Bahn über 100 Jahre aus öffentlichen Geldern aufgebaut worden ist soll sie nun für ein Appel und Ei verkauft werden, inklusive des gesamten Schienennetzes und aller Bahnhöfe. Das ist ungefähr so als ob die Bundesregierung das gesamte deutsche Straßennetz für einen symbolischen Euro an Daimler-Benz verhökern würde. Was die Privatisierung für Folgen haben wird ist jetzt schon klar. Die Preise werden rasant steigen, der Service noch schlechter und jegliche Sicherheitsstandards werden aus „Kostengründen“ über Bord geworfen. Wohin das führt können wir in Großbritannien sehen. Da hat die Privatisierung der Bahn Ende der 80er Jahre katastrophale Folgen gehabt. Die Bahn wurde für den Normalbürger praktisch unbezahlbar und viele Menschen starben in spektakulären Unfälle, deren Ursache nachgewiesener Maßen Sicherheitsmängel als Folge der Privatisierung waren. Vor ein paar Jahren erkannte selbst der Britische Staat was für eine Scheiße er da angestellt hatte und kaufte die komplett heruntergewirtschaftete Bahn für ein Heidengeld zurück. Deshalb ist nicht nur der Lohnkampf der Lokomotivführer zu unterstützen, sonder vor allem auch die quasi beschlossene Privatisierung zu verhindern.

Doch die Bahn ist nicht der einzige Bereich wo auf unsere Kosten gespart werden soll. Alle Bereiche des Lebens werden mehr und mehr dem Diktat der Verwertungslogik unterworfen, von der Altenpfelge bis hin zur Erziehungen der Kinder. Alles neue „zu erschließende Märkte“, nur der Mensch geht dabei vor die Hunde. Hinter solchen Entwicklungen steht der Verwertungsdrang des Kapitals. Profitmaximierung ist nunmal das heilige Grundprinzip des kapitalistischen Wirtschaftssystem in dem wir Leben und das macht auch vor der Bahn, Krankenhäusern, Schulen und anderen Bereichen staatlicher Infrastruktur nicht mehr halt. In dieser Logik kommen menschliche Bedürfnisse nur als „Störfaktoren“ und „unerwünschte Kosten“ vor. Und wir sind alle Betroffen von dieser Logik: Lohnkürzungen, HartzIV, Studiengebühren, Schulgeld, Mieterhöhung, Rentenkürzungen und all die anderen sozialen Schweinereien die wir in den letzten 20 Jahren über uns ergehen haben lassen. Wir müssen das neoliberale Gesabbel der Wirtschaftsweisen und Politiker von wegen „Gürtel enger schnallen“ für das „Allgemeinwohl“ des „Standort Deutschlands“ endlich ignorieren und anfangen uns unser Leben zurückzuerobern. Die beste Möglichkeit den Unternehmern und Politikern zu zeigen das wir keine Bock mehr auf ihre Zumutungen haben, wäre wenn wir und alle an den Lof-FührerInnen ein Beispiel nehmen würden und einfach mal einen Tag lang nicht mehr arbeiten und funktionieren würden. Ein landesweiter Generalstreik. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Wir müssen lernen gemeinsam Wiederstand zu leisten und uns nicht länger einzeln abkassieren und gegeneinander auspielen lassen.Deshalb solidarisieren wir uns mit den streikende LokführerInnen und fordern frei nach Karl Marx: Lokführer aller Bundesländer verspätet euch!


UNTERSTÜTZT DEN STREIK DER GDL // ORGANISIERT SOLIDARITÄT!
ALLE ZUSAMMEN GEGEN SOZIALABBAU // FÜR EINEN GENERALSTREIK!

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB)