G8 Gipfel 2007: Show an dead System how to die!

Bild Zehntausende Menschen protestierten Anfang Juni 2007 in Rostock und Heiligendamm gegen den G8-Gipfel. Auch die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) beteiligte sich an den Protesten.

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Aufruf der [arab] zum Protest gegen den G8-Gipfel:

Show an dead System how to die!

Herzlichen Glückwunsch. Wenn du diese Zeilen liest, hat alles geklappt, militante Gruppen sind erfolgreich in die Sicherheitszone gelangt und der 33. G-8-Gipfel wurde erfolgreich verhindert. Du hast in den letzten Tagen gefeiert, dich vielleicht mit Bullen auseinandergesetzt, bist viel gerannt, hast griechischen Anarchisten beim Flaschen auftanken geholfen und deinen Beitrag dazu geleistet, die Welt vom G-8-Übel zu befreien. Jetzt stehen wir kurz vor der Weltrevolution. Oder aber: Beileid. Dir tun alle Knochen weh, du musstest dir Bob Geldofs flammende Appelle und andere Gutmenschen anhören, überall Asperrungen, versiegelte Gullydeckel und Scharfschützen auf den Dächern, die G-8-Regierungschefs konnten erfolgreich tagen. Es gab enorme Bullenrepression und du bist frustriert und ohnmächtig. Sicherlich fühlst du jetzt eine Wut im Bauch und wahrscheinlich kommt dir von nun an bei „What a wonderful World“ das kalte Kotzen.

What a wonderful world

Hinter Zäunen, Stacheldraht und tausenden Polizisten und Soldaten verschanzen sich die Regierungschefs der G-8-Staaten, um ungestört die Zurichtung der Welt nach ökonomischen Massstäben feiern zu können. Die Öffentlichkeit wird über die genauen Inhalte der Sitzungen nicht informiert, auch ein Protokoll gelangt nicht an die Öffentlichkeit. Von den Staats- und Regierungschefs wird am Ende eines jeden Gipfels nur eine kurze Abschlusserklärung in die Meute der wartenden Journalisten geworfen. Afrika steht angeblich in Heiligendamm auf der Agenda. Ein dramatisches Beispiel dafür, wie rücksichtslos WTO, Konzerne und Banken inzwischen mit ganzen Kontinenten umspringen. Sie zerstören nationale Märkte und ruinieren die Agrarwirtschaft. So genannte Entwicklungshilfe und Kredite der Weltbank sind an Waffenkäufe und politisches Wohlverhalten gebunden. Die Privatisierung der nationalen Ressourcen bis hin zum Wasser geht unvermindert weiter. Milliarden Menschen leiden unter den Folgen dieser Maßnahmen. Auf dem vorletzten G-8 Gipfel in Schottland hatten G-8 und EU versprochen, afrikanischen Staaten bis 2010 50 Mrd. US-Dollar Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen und den ärmsten Ländern Schulden im Gegenwert von 40 Millarden Dollar zu erlassen. Daraus wurde bis heute nichts. Schöne Worte, keine Taten. Es ist eine alte Bauernweisheit, dass G-8-Staatsvertreter nur Charaktermasken ihrer jeweiligen nationalen Ökonomien sind, die jeweils ihre eigenen Interessen vertreten. Der G-8-Gipfel ist zwar Symbol wirtschaftlich konzentrierter Macht, das gilt aber nicht für das kapitalistische System an sich. Anders gesagt: Würden alle Staatsvertreter plötzlich eines natürlichen Todes sterben, würde sich nix ändern. Nicht die Merkels’, Bush’s, Blair’s, Sarkozy’s und wie sie alle heissen sind unser Problem, sondern das System das sie repräsentieren: die Diktatur der Ökonomie über die menschlichen Bedürfnisse, den Kapitalismus.

Bono, U2 slave!

Woran erkennt man dummschwätzende Gutmenschen? Sie tragen meist Designersonnenbrillen und reden mit G-8-Vertreten als wären sie gute Freunde und machen dazu Musik. Oder sie fordern die Einhaltung der Milleniumziele, z.B. günstere Preisangebote von AIDS-Medikamenten, während sie sich gleichzeitig gegen Verhütungsmittel aussprechen. Manchmal heißen sie auch einfach nur NGO und brauchen Geld. Eigentlich spricht nichts dagegen Forderungen an „die da oben“ zu stellen – es spricht ja auch nix dagegen sich mit Nacktschnecken über dialektischen Materialismus zu unterhalten. Es ist nur zu bezweifeln ob dabei sonderlich viel Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Denn da es im Kapitalismus keine Führer gibt, ist da folglich auch niemand den man auffordern könnte mit der Scheiße aufzuhören.
Es ist ein Teufelskreislauf aus abstrakter Unfreiwilligkeit, bei dem jeder das tut, was er gerade tut, weil er es machen muss. Der Kapitalist ist ebenso Sklave seiner Stellung wie Bono Büttel des G-8. Wenn die G-8-Vertreter tagen, dann besprechen sie nicht, wie sie die Armut der so genannten Dritten Welt vergrößern können, sondern wie sie den Reichtum ihrer Welt erhalten und vermehren können. Das hat Armut in anderen Leben eben zufolge. Shit happens. Nur ein radikaler gesellschaftlicher Bruch durch die Menschen selber kann den unfreiwilligen Lauf beenden und die Welt vom Kopf auf die Füsse zu stellen.

What’s next?

Du bist beim Anti-G-8-Protest, das bedeutet dass du den ersten Schritt schon gegangen bist, dass du nicht mehr bei rot hältst und grün gehst, sondern Widerstand leistest. Wir leben in Zeiten großer Veränderungen, in denen der Kapitalismus immer mehr Widersprüche erzeugt und die Gesellschaft weltweit durch Verelendung und Kriege in verzweifelte Zustände stürzt. Es sind aber auch Zeiten, in denen der Widerstand wächst, wie z.B. in Lateinamerika, aber auch hier in Europa. Die großen Razzien und das Plattmachen von Freiräumen wie der Köpi spiegeln die Unsicherheit und die Ängste der herrschenden Klassen vor kommenden gesellschaftlichen Veränderungen wieder. Der G-8 ist scheiße, aber er ist nur ein Teil des verfaulenden kapitalistischen Systems. Es ist ein totes System und unsere Aufgabe ist es jetzt endlich Sterbehilfe zu leisten, statt Arzt am Krankenbett des Kapitalismus zu spielen.

Keine Gnade – Für die Revolution!

ARAB – Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin, Juni 2007