Juli 2007: Public Screaming against Capitalism!

Public Screaming against Capitalism

Klima, Afrika, Demonstranten, der schwarze Block, Polizisten, Zäune. Um den G-8-Gipfel in Heiligendamm herum, wurde so einiges geboten was nicht nur die Linke hat aufhorchen lassen. Es fing an mit Hausdurchsuchungen, Postkontrollen, Platzverweisen und dem Verbot einiger Demonstrationen. Der Anti-Terror-Paragraph 129a musste als Begründung dafür herhalten, das ein dutzend Aktivist_Innen frühmorgens die Tür von unausgeschlafenen, mürrischen SEK-Beamten eingetreten wurde. Für in paar Millionen Euro wurde ein gigantischer Zaun rund um das Tagungsgebäude herum gebaut um den G-8-Vertretern ein subjektives Sicherheitsgefühl zu vermitteln und ungewünschten politischen Protest fernzuhalten. In den Tagen des Gipfels folgten Prügelorgien, Tränengasschwaden, Wasserwerfer, über 1000 Festnahmen, Käfighaltung, vermummte Zivilpolizisten, Tornado-Einsätze gegen Demonstranten und die ganze Palette staatlicher Repression. Früher nannte man das Polizeistaat. Heute präventiver Rechtstaat.

Wir sind der Feind…

…weil wir gerne denken, lesen und leben. Weil wir eine besseres Leben wollen. Weil wir keine atomisiertes Rädchen in der Maschine mehr sein möchten, weil wir anfangen Widerstand leisten. Das ist nicht gern gesehen. Schlagzeilen wie „Wollt ihr Tote, ihr Chaoten?“ (Bild) und die ganze Hetze gegen angebliche „Gewalttäter“ sollen die Bevölkerung gegen den G-8-Protest aufwiegeln. Denn wir sind ja so böse. Die erneuten Hausdurchsuchungen nach dem Gipfel, die medialen Treibjagden gegen den „schwarzen Block“ von Christiansen bis Peter Wahl, das angestrebte Verbot von schwarzer Bekleidung und all die Maßnahmen zur Normalisierung des Polizeistaates zeigen, dass jeder Widerstand kriminalisiert und isoliert werden soll. Denn sie haben für die Bevölkerung noch einige so genannte „Reformen“ in Petto und wollen deshalb schon vorher für Ruhe sorgen. Damit die Verwertungsmaschinerie ungestört weiter auf Hochtouren läuft, auf Kosten der Menschen. Hier in Berlin sollen aktuell die letzten selbst verwalteten Projekte und Freiräume platt gemacht werden, um Platz zu schaffen für „Media Spree“ und andere geleckte Investorenträume aus Stahl und Beton. Happy New World…

Mein Block

Zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke, diversen Hochhäusern, Büroblocks und schicken Lofts liegen das alternative Wohn und Kulturprojekt Köpi und der Bauwagenplatz Schwarzer Kanal. Beide sollen geräumt werden um neuen Luxusimmobilien und Bürokomplexen zu weichen. Vor allem mit der Köpi soll damit auch ein Symbol für Widerspenstigkeit und Renitenz im Berliner Stadtbild zu Fall gebracht werden. Zwar sind Freiräume wie die Köpi und andere besetzte und selbstverwaltete Projekte keine wirkliche Gefahr für die herrschende Ordnung, aber wichtige Rückzugsräume in denen selbst bestimmte Handeln und kollektive Organisierungsprozesse ausprobiert werden können. Außerdem wo in Berlin kriegt Mensch eigentlich noch Konzerte und andere Kulturveranstaltungen auf Spendenbasis geboten? Ganz Berlin wurde in den letzten 17 Jahren umgewurstelt und zur großdeutschen Hauptstadt aufpoliert. Zehntausende Menschen wurden durch steigende Mieten und Modernisierungsmaßnahmen aus ihren Wohnungen vertrieben und in Randbezirke abgedrängt. Die Mitte Berlins wird immer mehr zur „No-Go-Area“ für Menschen ohne das nötige Kleingeld. Grade im Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain hat sich die Bevölkerungsstruktur in den letzten Jahren fast komplett gewandelt. Horden von Lacoste tragenden schwäbischen Lifestyle-Jungunternehmern mit parfümiertem Auftreten, maßgeschneidertem Lächeln und aufgesetztem Gang sind gekommen. Für die eigens ganze Handcreme-Industrien errichtet werden mussten. Diesem Umbruch fällt die Vielfalt Berlins zum Opfer. An Stelle von Abwechslung: Einheitsindividuen. Statt Bier: Diät-Cola. Und anstatt Chillen: Arbeitsterror. Laptop einstecken, Sonnenbrille aufsetzen, Lächeln und auf den in den Kampf um die Aufträge: jeder gegen jeden. In Weißensee, Neukölln oder Moabit hängen derweil die Wegrationalisierten rum, trinken Sternburg und warten auf den Monatsanfang.

Deine Krise

Jeder weiß inzwischen die Codes des neoliberalen Dummsprechs zu entziffern. Wenn also mal wieder jemand behauptet, dass die Gesundheitsreform die Kosten im Gesundheitswesen senkt, heißt das, dass es teurer werden wird. Wenn man die Bevölkerung vor Terrorismus schützen möchte, heißt das, dass man erstere besser überwachen möchte. Jeder passt ins Raster des Überwachungsstaates. Dahinter steckt Strategie: Nur wenn der Bürger das Gefühl hat, dass der Staat alles über ihn, er aber nichts über das Wirken des Staates weiß, ist die „innere Sicherheit“ perfekt. „1984 liegt ja schon längst hinter uns, nur hat das noch niemand bemerkt. “ (Robert Kurz) Es ist zum schwarz (Block) werden.

Continue, please!

Was tun? Und nun? Das ist insbesondere nach dem G-8 eine offene Frage. Die außerparlamentarische Linke ist ein bisschen gestärkt. Es hat sich gezeigt das noch ein paar Leute in der Lage sind ihre Ablehnung angemessen zu artikulieren, aber wie weiter? Warten bis es kracht und Marx lesen? Sich in politischen Sektenkriegen linksradikaler Kleinstgruppen begeben? Linkspartei wählen? Autos anzünden? Oder etwa sich gemeinsam mit anderen in kollektiven Strukturen in den Stadteilen und Fabriken organisieren und Anfang eine gesellschaftliche Gegenmacht aufzubauen? Gute Idee, bloß wo anfangen? Wie die permanenten Repressionen des Staates beantworten? Wie mit dem neuen Selbstbewusstsein umgehen? So genau wissen wir das auch nicht, aber um das zu diskutieren und vor allem ein rauschendes Fest des Widerstandes zu feiern laden wir am 7.7.07 in den Berliner Mauerpark.

[ARAB] Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin