Liberation Weeks 2007

Zusammen mit anderen antifaschistischen Kräften organisierte die [ARAB] Aktionstage um der Befreiung des Berliner Nordosten durch die Rote Armee zu Gedenken. Im Rahmen der „Liberation Weeks“ erschien eine Broschüre, es gab eine Gedenkkundgebung, ein antifaschistisches Hip-Hop-Konzert und eine mit 400 TeilnehmerInnen gut besuchte Antifa-Demo gegen Nazikneipen in Berlin-Pankow.

Internetseite

Aufruf:

Erinnern heißt kämpfen!

22. April 1945 – Tag der Befreiung des Berliner Nordostens

Am 22. April 1945 wurden die Bezirke Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee durch die Rote Armee vom Nationalsozialismus befreit. Die Einname der Außenbezirke Berlins war im Kampf um die damalige „Reichshauptstadt“ der erste Schritt zur bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands. Mit der Initiative „Liberationweeks“ wollen wir in diesem aber auch in den kommenden Jahren die Möglichkeit schaffen antifaschistische Gedenken und den konkreten Kampf gegen Nazis zusammenzuführen. Wir möchten somit aktiv gegen das Vergessen vorgehen und in Nordostberlin wieder längerfristig antifaschistische Handlungsmöglichkeiten schaffen.

Befreiung des Berliner Nordostens

Am Abend des 21. April standen die sowjetischen Panzer am Stadtrand von Berlin. Weißensee,Pankow, Lichtenberg/Hohenschönhausen und Reinickendorf bildeten jetzt die Front. Massiv tobten die Kämpfe schließlich auf Höhe der Greifswalder Straße, wo die Nazis den S-Bahn Ring zu einem starken Bollwerk ausgebaut hatten. In der heutigen Bizetstraße, der Rennbahnstraße und auf dem Antonplatz waren sowjetische Raketengeschütze stationiert, die Richtung Innenstadt feuerten. Die Deutsche Artelerie suchte ihre Ziele in Pankow, so wie in Weißensee und fand vorwiegend Zivilbevölkerung. Am Sonntag, dem 22. April war der Krieg an Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg vorbei gezogen, wenn auch nur einige Meter. Versprengte Trupps von Volkssturm und Wehrmacht hatten sich aus dem Berliner Nordosten zurück gezogen wo sie sich Gefechte mit den weiter rückenden Sowjets leisteten. Einen Tag später, am 23. April wurde in den Bezirken der „Befehl Nr. 1“ der lokalen Stadtkomandanten ausgehangen, der zur sofortigen Suche nach Mitgliedern der Gestapo, der SS und der Führung der Volkssturm-Einheiten aufrief. In Weißensee geschah dies durch General Oberst Bersarin, nach dem auch heute noch der Bersarin Platz benannt ist. Die durch Weimarer Republik und Nationalsozialismus lange in Isolation lebenden Komunist_Innen und Sozialdemokrat_Innen schlossen sich in jener Zeit zusammen um der Verfolgung der Nazis nachzukommen und die Verwaltung im Nachkriegs-Berlin zu koordinieren. Im Zuge dessen wurden Anfang Mai eine Vielzahl von NSDAP-Funktionären in den Berliner Verwaltungen entlassen.

Die Unterzeichnung der Kapitulation 8.Mai besiegelte endgültig die Niederlage der Nazis und das Ende des 2. Weltkrieges. Hiermit hatte das Leiden von hunderttausend Menschen in den Konzentrationslagern und als Zwangsarbeiter_Innen ein Ende ebenso wie das Morden an allen europäischen Fronten.

Nichts aus der Geschichte gelernt?

Auch heute, 62 Jahre später sind Nazis immer noch präsent. Sie ergehen sich in sozialer Demagogie um mit Themen wie Krieg, Sozialabbau oder Umweltschutz Menschen für ihre größenwahnsinnigen Ideen zu gewinnen. Der Einzug der NPD in die Landesparlamente von Mecklenburg Vorpommern und Sachsen belegt die gesellschaftliche Mehrheitsfähigkeit neofaschistischen Gedankengutes. Auch hier im Großbezirk Pankow schafften es die rechtspopulistischen „Republikaner“ mit ihrem Abgeordneten Michael Rauschenbach, in die Bezirksverordnetenversammlung des Großbezirks Pankow einzuziehen. Hierbei profitierten sie, genau wie die NPD, massiv von den rassistischen Anti-Moschee-Protesten in Pankow-Heinersdorf. Der ortsansässige Bezirksverband der NPD, einer der aktivsten in Berlin, pflegt beste Kontakte zur lokalen Kameradschaftsszene, mit denen auch schon mal zusammen auf Jagd gegangen wird. Vor allem in Alt-Pankow kommt es regelmäßig zu übergriffen auf alles was nicht so „wirklich deutsch“ aussieht. Personen zusammenhänge, die wahlweise unter Namen wie „Autonome Nationalisten Pankow“, „Freien Nationalisten Pankow“ oder „Nationalen Aktivisten Prenzlauer Berg“ auftreten prägen auch das Bild der örtlichen Kneipenlandschaft. So sind in der Pankower Kneipe „Wohlklang“

(Wollankstr.) regelmäßig Mitlieder aus dem NPD und Ka!meradschaftsspektrum anzutreffen. Gleiches gilt für die Pankower Kneipe „Spaßeck“ (Dietzgenstr.). Eine unangenehme Mischung aus rechter „Subkultur“, Nazi-Hools und rechtem Trinkermilieu ist eher in Kneipen wie dem Weißenseer „Countrysallon“ (Langhansstr.), dem „Bienenkorb“ (Prenzlauer Allee) und dem „Sparstrumpf“ (Greifswalderstraße) in Prenzlauer Berg anzutreffen. Auch im Umfeld dieser Lokalitäten kommt es regelmäßig zu Übergriffen. Was sich hier auf lokaler Ebene abspielt ist lediglich die bundesdeutsche Realität, wie sie vielerorts anzutreffen ist. Rückenwind erhalten Neonazis hier durch die gesellschaftliche Mitte, die stetig darum bemüht ist „die Deutschen“ als eigentliche Opfer des 2. Weltkrieges bzw. gleichberechtigte Opfer mit denen des NS darzustellen. Was in unseren Augen anzustehen hat, ist die sofortige Entschädigung aller Opfer des Nationalsozialismus und keine weinerlichen deutschen Opfer-Debatten! Wenn der Staat schon unfähig ist wirkungsvoll gegen Nazis vorzugehen, diese auch noch mit Verfassungsschutzgeldern finanzier, dann soll er nicht auch noch die jenigen kriminalisieren, die sich gegen Rechts engagieren. Eins der aktuellen Beispiele ist der bis vor kurzem noch in inhaftierte Antifaschist „Matti“, der angeblich zwei Lichtenberger Nazi-Kader verprügelt haben soll, oder die AntifaschistInnen Christian und Leila. Beide stehen zur Zeit vor Gericht da ihnen Vorgeworfen wird während eines Naziaufmassches in Dresden am 13.Februar 2005 eine Flasche geworfen zu haben. Wer gegen Nazis aktiv wird verdient unsere Solidarität. Sie sind es, die immer wieder aufs neue, ganz praktisch, das Gedenken an die wahren, die sich den Nazis widersetzen. Damals wie heute!

Die eigentliche Befreiung steht noch aus

Die Beendigung des Jahrelangen Mordens durch den Nationalsozialismus gilt es zu würdigen. Allerdings genügt es nicht dabei stehen zu bleiben, wenn unser Ziel eine Welt ohne Unterdrückung und Ausbeutung ist. Selbst wenn es gelingen würde alle Formen der Ausgrenzung wie z.B. Rassismus, Sexismus, Homo- und Transphobie etc. abzuschaffen, so würde sich grundsätzlich nichts ändern. Der Kapitalismus macht alles und jeden für sich nutzbar. Solange jede_r fähig ist zu arbeiten, die Schulbank zu drücken oder aber sich für den militärischen „Auslandstourismus“ der Bundeswehr bereit zu stellen würde für die Kapitalistische Verwertung auch die Hautfarbe etc. keine Rolle spielen. Der Kampf gegen Nazis und andere Sympthome des Kapitalismus scheint uns darum nicht ausreichend.

Der Kapitalismus hat keine Antworten auf die Fragen und Wünsche der Menschen und ist darum für uns keine Perspektive.Der Kampf gegen Faschismus, somit auch die Leberationweeks 2007, sind für uns darum untrennbar verbunden mit der klaren Ablehnung der uns tagtäglich umgebenden Ausbeute. Befreiung ist für uns darum mehr als nur „gegen Nazis“! Wir fordern daher eine Gesellschaft in der Jede_r wirklich gleichberechtigt leben kann.

Heraus zu den Liberationweeks 2007!
Long live antifascist Liberation!

junge Welt:

Liberation Weeks gegen Vergessen

Antifaschistische Aktionswochen im Berliner Nordosten erinnern an die Befreiung

Von Viktoria Svoboda

Ab 21. April 1945 drangen die Truppen der Roten Armee in der Schlacht um Berlin auch in den Nordosten der Reichshauptstadt vor. Nach und nach wurden dabei die Stadtbezirke Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee befreit. Wenige Tage später, am 8. Mai, war die endgültige Niederlage des faschistischen Deutschland besiegelt.

Um an das Ende der mehr als zwölfjährigen Naziherrschaft zu erinnern, organisieren die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) und ein Bündnis antifaschistischer Gruppen vom 13. April bis zum 8. Mai die »Liberation Weeks 2007«. Infoveranstaltungen, Konzerte und eine antifaschistische Demonstration durch Pankow stehen auf dem Programm.

Auch im Berliner Norden waren es Menschen jüdischen Glaubens, Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten, die auf den Mordlisten der Nazis standen und den Faschisten zum Opfer fielen. Mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 erreichte die Zahl der antisemitischen und nazistischen Übergriffe auch hier bis dahin nicht gekannte Ausmaße. Jüdische Einrichtungen wurden geplündert und beschädigt, die Synagoge in der Schönhauser Allee wurde niedergebrannt.

Über ein halbes Jahrhundert später gibt es erneut Übergriffe und Propagandaaktionen von Neofaschisten im Berliner Nordosten. Fast täglich werden in einigen Kiezen Aufkleber der neofaschistischen NPD und von sogenannten Kameradschaften verklebt. Pankow zählt zu den Berliner Bezirken, die die Statistik rassistischer und antisemitischer Straßengewalt anführen.

Statt nach Lösungen des Problems mit den neuen Nazis zu suchen, werde staatlicherseits geschwiegen und relativiert, so Lara Weinbaum, Pressesprecherin der ARAB, gegenüber junge Welt. »Parallel dazu wird antifaschistisches Engagement zunehmend kriminalisiert«. Die »Liberation Weeks 2007« sollen die Erinnerung an das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte wachhalten. »Die Aktionswochen stehen im Zeichen der Befreiung vom Faschismus, das möchten wir am 22. April mit einer Kundgebung am Widerstandsmahnmal Diesterweg Ecke Danziger Straße feiern.« Zugleich soll über die Präsenz von Neofaschisten im Bezirk informiert werden.

Veranstaltungen im Rahmen der Liberation Weeks:

13. April, 19.30 Uhr, Cafe Bohne, S-Bahnhof Wollankstraße, Berlin: »Widerstand gegen den Faschismus in Prenzlauer Berg«, Infoveranstaltung

14. April, Lichtblickkino, Kastanienallee 77, U-Bahnhof Eberswalder Straße, Berlin: »Der gewöhnliche Faschismus«, Filmvorführung

16. April, 22 Uhr, Cafe Morgenrot, Kastanienallee 85, U-Bahnhof Eberswalder Straße, Berlin: »8.-Mai-Plakate und Streetart«, Ausstellungseröffnung

Weitere Termine: liberationweeks.de.vu