Redebeitrag der ARAB zum Schulstreik 2007

Redebeitrag der [ARAB] zum Schüler_innenstreik 2007

Liebe Schüler_Innen, Demonstrant_Innen, Lehrer_Innen, Passant_Innen,
Liebe Studienvertreter_Innen, Asta-Sprecher_Innen und Studierende.

Wozu lernen wir eigentlich? Für uns? Für den Chef? Für den Lehrer? Lernen sollten wir für uns um uns weiter zu entwickeln in die Richtung die wir für richtig halten.

Doch das ist gar nicht Sinn des Schulsystems. Wir stehen an der Schwelle eines neuen, groß angelegten Raubzuges, der die Bildungsmaßnahmen ausschlachten soll. Ende Mai will die Regeierung das BAföG-Gesetz ändern, diese Änderung schließt ein Drittel der Kolegiaten_Innen im Zweiten Bildungsweg aus und zwingt sie die Kollegs zu verlassen. Das bedeutet weiterhin Entlassungen von Lehrern, Schulzusammenlegungen und so weiter. Das jetzige Schulsystem wird von uns abgelehnt, denn es ist Teil des Kapitalismus und damit Teil der globalen Ausbeutungsmaschinerie. Es ist weder fortschrittlich noch befreiend noch dient es der Weiterbildung von Geist und Kunst. Es ist knechtender Natur und soll uns gefangen halten und vor allem uns an ein Leben in kapitalistisch-imperialistischen Herrschaftsverhältnissen gewöhnen.

Als freie Menschen werden wir geboren, dann aber im Kindergarten lernen wie das die Älteren immer Recht haben. In der Schule lernen wir nur zu Antworten wenn wir gefragt werden, nur das zu Antworten was von uns erwartet wird und nach Leistung zu streben weil sie so verlangt wird, nicht weil sie uns von Nutzen ist. Schließlich werden wir in den Militärdienst entlassen um endgültig für die Gesellschaft geschliffen zu werden, stramm stehen und „Ja Sir“ sagen lehrt man uns dort. Die Frauen, Verweigerer und Widerständigen werden in der Ausbildung endgültig gebrochen wo es heißt „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ und „der Chef hat immer Recht“. Als freie Menschen wurden wir in diese Welt geboren doch in die Gesellschaft treten wir als gebrochene unterwürfige Schatten unserer Selbst ein. Es gibt keine Befreiung in diesem System, sondern nur außerhalb der Herrschaftsverhältnisse. Lernen muss einen Zweck haben, es muss dem Lernenden dienen seine Fähigkeiten zu erweitern, seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Der Kapitalismus ist eine Gesellschaft der Ungleichheit, das heißt er spielt die in ihm lebenden Menschen gegeneinander aus. So ist auch das dreigliedrige Schulsystem zu betrachten welches die Lernenden in Begabte und Unbegabte einteilen soll um so einen tiefen Spalt zu erzeugen. Tatsächlich ist der Gesellschaftliche Werdegang oft schon durch die Schulbildung bestimmt. Gerade in den letzten Jahren haben die Sozialkürzungen der Regierung zu einer Verschärfung der Lernsituation an den Schulen beigetragen. Dass Hauptschüler_Innen oft gar keine gesellschaftliche Relevanz mehr spielen und sowieso Hatz 4 empfangen werden ist keine hohle Fiktion der Schüler_Innen sondern entspricht den nüchternen Tatsachen, gerade in den Brennpunktkiezen. Bei den anderen sieht es nicht besser aus: Nur für jeden dritten Realschüler gibt es einen Ausbildungsplatz und mancher Gymnasiast fragt sich warum er drei Jahre Abi gemacht hat um nun bei Lidl an der Kasse zu sitzen. Engels sagte richtig:“Die produktive Arbeit muss, statt Mittel der Knechtung, Mittel der Befreiung der Menschen werden, indem sie jedem Einzelnen die Gelegenheit bietet, seine sämtlichen Fähigkeiten, körperliche wie geistige, nach allen Richtungen hin auszubilden und zu betätigen.“

Realpolitische sieht es da anders aus. Wer erstmal in einer Gesellschaftlichen Schublade gelandet ist, dem wird es schwer gemacht dort wieder heraus zu kommen. Studiengebühren sorgen dafür dass bald nur noch Kinder von Akademikern studieren können. Änderungen am BAföG-Gesetz schließen viele Kollegiaten_Innen im Zweiten Bildungsweg von der Schulbildung und einer zweiten Chance auf ein Abitur aus, genauso wie sie Mitbürger_Innen mit migrantischem Hintergrund von den Bildungseinrichtungen ausschließen, Schulgeld und Ausgaben für Lehrmittel knechten die Eltern. Mancher macht in Zukunft vielleicht nur deshalb kein Abitur weil die Eltern nicht das Geld besitzen um 3 weitere Jahre Schule und Lehrmittel zu finanzieren. Für den jungen Menschen hat das oft fatale Folgen.

Was wir fordern ist eine befreite Gesellschaft in der der Lernende für sich lernt und selbstbestimmt seine Fähigkeiten erweitert.

Wir wollen ein Lernen das sich nach den Fähigkeiten und Zielen der einzelnen Lernenden richtet.

Wir fordern die Rücknahme der finanziellen Ausbeutung der Eltern, das heißt keine Finanzierung der Lernmittel, des Schulessens oder des Schulbesuches an sich durch die Eltern.

Wir verurteilen die geplanten Änderungen am BAföG Gesetz die es einem Großteil der Schüler im ZBW unmöglich macht weiter zur Schule zu gehen und sie zwingt ihre begonnene schulische Bildung abzubrechen. Der ZBW (zweiter Bildungsweg) soll für alle Menschen frei zugänglich sein und elternunabhängiges BAföG ohne jegliche Vorbedingungen ausgezahlt werden.

Wir fordern eine freie und finanzierte Bildung für alle – Bildung ist für alle Menschen da und sollte ungeachtet ihrer finanziellen Mittel auch an sie weitergegeben und von ihnen genutzt werden.

[ARAB], April 2007

mehr infos: schulstreik-berlin.de