Redebeitrag zu Islamophobie und Rassismus

Redebeitrag der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin [arab] zu den rassistischen Umtrieben in Heinersdorf.

Heinersdorf

Seit März 2006 ist der geplante Bau einer Moschee im idyllischen Heinersdorf bekannt und treibt seit dem in regelmäßigen Abständen den rassistischen Mob auf die Straße. Als erste Moschee in Ostberlin erregt dies nun nicht nur den Zorn organisierter Neonazis, sondern auch den der dortigen Bevölkerung.

Hier in der ostzonalen Provinz, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wird mensch daran erinnert das die Spezies der Urdeutschen noch nicht ausgestorben ist. Hier, wo die örtliche Bushaltestelle und der Parkplatz vorm Extra-Markt als Jugendclubersatz fungiert, wird deutlich, das der Hitlergruß, die vollgepisste Jogginghose und das Deutschlandtrikot in manchen Gegenden einfach immer noch zum guten Ton gehören.

Islamophobie der akzeptierte Rassismus unserer Zeit

Was ist es, was den Heinersdorfern den Angstschweiß auf die Stirn treibt?
Ist es die Angst , dass die Heinersdorfer Frauen in Zukunft Kopftuch tragen müssen oder die Angst vor einem islamistischen Terrorangriff auf den Heinersdorfer Wasserturm?
Es ist eine grundlegende Ablehnung von allem Fremden. Diese wird gespeist durch Medien und Politik. Wir denken, dass der Nährboden der Rassistischen Panikmache gegen die Moschee eine gesamtgesellschaftliche Diskussion um den Islam bildet. Ein Diskurs, der den Islam als einen einheitlichen Block darstellt. Es wird ein Bild des Moslems gezeichnet, der bis an die Zähne bewaffnet ist und dazu bereit ist alle nicht Muslims aufs Brutalste zu lynchen.

Islamophobie, sprich die generelle Ablehnung aller islamisch gläubigen Menschen, ist keine verkappte Religionskritik, sondern der massenhaft gesellschaftsfähige Rassismus unserer Zeit.

Er unterteilt nicht biologisch in rassistische Kategorien, sondern schreibt Menschen auf Grund ihres „Kulturraums“ und ihrer Religion Wesensarten zu und pauschalisiert sie damit.

Hier werden geschlossene Gemeinschaften konstruiert, die es so nicht gibt. Atheist_Innen und Christen werden zur Post-Volksgemeinschft der Westlichen Welt erklärt und Muslime werden zum kompletten Gegenpol stigmatisiert. Die Formel für die rassistisch-islamophoben Ausfälle in Heinersdorf oder in den Medien ist einfach. Westliche Welt: zivilisiert und fortschrittlich, Islam: unzivilisiert, barbarisch reaktionär. Für uns sind das rassistische Zuschreibungen. Dabei ist es nicht relevant, ob Konvertiten in einer Gemeinde sind oder nicht. Wer als Deutscher zum Islam wechselt könne nur ein Verräter an der Deutschen Volksgemeinschft sein und gehöre demzufolge bestraft.

Integrationszwang in Deutschland

Der daraus resultierende Abschottung von Muslima und Muslims führt zu einem Ausschluss dieser aus der Gesellschaft. In Anbetracht dessen ist es für uns auch verständlich, dass manch einer gar keinen Bock auf die rassistische deutsche Mehrheitsgesellschaft hat und sich lieber für das entschiedet, was die Politik als „Parallelgesellschaft“ bezeichnet.

Die Debatte um Integration trägt in diesem Zusammenhang bisweilen seltsame Früchte.
Die Vorschläge von Sonderklassen für sogenannte „schwerintegrierbare“ stellen nicht die Chance auf Teilhabe am Gesellschaftlichen Leben dar, sondern deren Ausschluss. Wie soll Mensch sich „integrieren“ wenn er_sie nicht in einer Klasse mit verschiedenen Herkunftshintergründen sein kann?

Damit auch für diese Menschen die Frage beantwortet werden kann, wird ihnen, wie in Hessen, die Möglichkeit gegeben anhand eines umfangreichen Deutschtests ihre Integrität und die geglückte Arisierung durch die Politik nachzuweisen. Hierbei müssen sie neben Kenntnissen zur deutschen Geschichte, Politik und deutsch-christlichen Wertevorstellungen unter anderem auch Zeugnis darüber ablegen, wie gut sie die deutsche Sprache beherrschen. Der hier angelegte Maßstab würde mit Sicherheit noch nicht einmal von einem Großteil der Deutschen erfüllt werden können. Spätestens seit der Pisa-Studie und natürlich auch schon davor wissen wir es: die Deutschen sind einfach ein bisschen blöd! Das Allgemeinwissen vieler Deutscher, die den Test absolvierten wies riesige Wissenslücken auf. Von deren Abschiebung war bislang allerdings noch nichts zu vernehmen. Und wie steht es mit Sachsen und Bayern? Gelten auch hier die Ansprüche eines fließenden Hochdeutschs? Mit Sicherheit nicht. Gerade Personen wie Edmund Stoiber zeigen deutlich wie, dass Gewaltbereitschaft und mangelnde Hochdeutschkenntnisse kein Merkmal von Migrant_Innen und Muslima sind. Der ehemalige Deutschen Bank-Chef Joseph Ackermann und der ehemalige VW-Vorstand Peter Hartz sind der fleischgewordene Beweiß für die immer weiter ausufernde Bandenkriminalität der deutschen Elite. Koks, Prostitution und Geld sind die Wesensmerkmale ihres Handelns.

Wenn der deutsche Staat seine rassistischen Gesetzgebungen nicht zurückzieht bleibt auch für uns nur noch die Forderung nach der sofortigen Abschiebung aller Sachsen, Bayern und der herrschenden Klasse Deutschlands.

Krieg gegen den Terror

Die Hetzte gegen die Moschee reiht sich ein in eine globale Anti-Islam-Hetzkampagne. Diese ist eingebettet in den Kreuzzug gegen den Terror, der sich weltweit um Durchsetzung der Kapital-Interessen des Westens bemüht. Auch wenn die meisten Heinersdorfer_Innen Amerika mit Sicherheit nicht leiden können, da es ihre Volkstümliche Kultur bedroht, so stehen sie doch in einer Reihe mit George Bush, Condoleezza Rice, Colin Powell und Tony Blair. Auch die Deutsche Regierung, die sich 2003 zur selbsternannten „Friedensmacht“ erklärte ist mit von der Partie. Die menschenrechtswidrige Gefangenname von Murat Kurnaz aus Bremen belegt dies nur zu deutlich. Dieser wurde im November 2001 wegen Terrorverdacht in Pakistan festgenommen. 4 1/2 Jahre saß er in dem US-Amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo Bay. Selbst als bewiesen war, das er über keine
Terror-Verbindungen verfügte wurde er weitere 3 Jahre festgehalten. Fest in diesen Fall involviert und davon in Kenntnis: der Bundesnachrichtendienst. Die Heinersdorfer_Innen sind darum als das zu sehen was sie sind. Die Bauern auf dem Schachbrett der Kapitalistischen Neugestaltung der Welt.

Islam – unzivilisiert?

Es ist egal ob es sich hier um eine Moschee handelt oder um ein Asylbewerberheim. Für die Rassisten in Heinersdorf gibt es diesbezüglich keinen Unterschied. Das Objekt Moschee ist an die Stelle getreten, wo Anfang der 90er die Asylbewerberheime standen. Hier darf noch gepöbelt und geschrieen werden. Es sei schließlich kein Kulturrassismus, nein es geht um Frauenrechte, Homophobie, Antisemitismus, etc.
Die westliche Welt schiebt die eigenen Missstände auf den Islam ab um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Ganz nach dem Motto: „Schaut wie fortschrittlich wir sind“ Wir sind keine Befürworter von Religion, Zwangsheirat oder der Ermordung von Homosexuellen. Wir lehnen dies zu tiefst ab. Was wir aber auch ablehnen ist jener Deutsche Abwehr Reflex! Er ist schlicht weg zum Kotzen. Leben die Menschen hier wirklich Frei? Wir denken nein. Mag mensch von der Diskussion um das Kopftuch halten was er_sie will, ein Kopftuchverbot z.B. im Lehramt bedeutet für Musilma die Ausgrenzung aus der Arbeitswelt und die Beschränkung auf einen Platz in der Küche, am Herd. Emanzipatorisch ist das auch nicht.

Heinersdorf – ein rassistisches Feuchtbiotop
In Heinersdorf agiert ein rassistischer Mob, der von der Mehrheit vor Ort unterstützt wird. Ein Blick in die Strukturen der rassistischen Initiative Pankow Heinersdorfer Bürger (IPAHB) genügt um zu sehen wer dort mitmischt: Lehrer, Gewerbetreibende, Rentner usw. Keine Spinner, sondern Menschen die im Leben stehen und aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Getragen wird die Bürgerinitiative maßgeblich durch die CDU. Interessant ist, dass die MigrantInnenbeauftragte der CDU Pankow Frau Werner, seit 2001 in dieser Funktion aktiv, Mitglied der IPAHB ist.

Kurz um, in Heinersdorf ist ein rassistisches Feuchtbiotop. Gewächshausbedingungen für Pogrome, wie wir sie beispielsweise 1992 gegen das Sonnenblumenhaus in
Rostock-Lichtenhagen erlebten.

Wenn diesen Zuständen nicht Einhalt geboten wird, sprich die Linke, aber auch die vielbeschworene Zivilgesellschaft nicht endlich wahrnehmbar agiert, werden wir nur noch fassungslos vor den abgebrannten Grundmauern der Moschee stehen bleiben.
Wenn sich Linke damit rausreden, sie gehen nicht für eine Religion auf die Straße, überlassen sie die Ahmadiyya-Gemeinde dem rassistischen Mob.

Auch wenn wir nicht religiös sind und dafür auch nicht auf die Straße gehen, so ist es doch unsere Pflicht gegen den Deutsche Mob aktiv zu werden, wenn er die angreift, die nicht seinen rassistischen Vorstellungen entsprechen. Wenn die Heinersdorfer Volksseele rülpst müssen wir ihr das Maul stopfen!

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin [ARAB]