Revolutionärer 1.Mai 2007

Heraus zum revolutionären 1.Mai 2007:
Das Proletariat hat nichts zu verlieren, ausser seine Ketten

Die [ARAB] beteiligte sich intensiv an den Vorbereitungen der „revolutionären 1.Mai-Demo 2007″. Zusammen mit der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB), der Jugendantifa Berlin (JAB) und der Antifa Initative Reinickendorf (AIR) organisierten wir einen „antifaschistischen & antikapitalistischen Block“ der die Spitze der Demonstration bildete, an der sich bis zu 10 000 Menschen beteiligten. Neben den 20sten Jubiläum des „Kreuzberger Aufstandes“ vom 1.Mai 1987 war der bevorstehende G-8-Gipfel ein zentrales Thema der Maidemonstration. Zu Spaltung der Berliner radikalen Linken in eine „Euromaydayparade“ und zwei „revolutionäre 1.Mai-Demos“ veröffentlichte die [ARAB] im Vorfeld des 1.Mai eine Stellungnahme.

Indymedia-Bericht

Umbruch-Bildstrecke

Aufruf:

Ghettos, billiges Bier und Langeweile…

…ist die Zukunftsperspektive die Staat, Wirtschaft und Gesellschaft aktuell für die meisten von uns eingeplant haben. Wir sollen schön in unseren Vierteln bleiben, die Klappe halten, keine Ansprüche an Staat und Gesellschaft stellen und als Zombies vor uns hin vegetieren. Schulbildung, Ausbildungsplätze und den ganzen Blödsinn von „gesellschaftlicher Integration und Teilhabe“ soll es in Zukunft nur noch für einige wenige „Auserwählte“ geben, für den Großteil von uns hat dieses System nix mehr zu bieten außer Armut, Knast und Bullenknüppel.

Das für uns kaum noch genug zum Leben bleibt, liegt nicht an der „Krise des Sozialstaats“, sondern ist die logische Folge der kapitalistischen Wirtschaft, in der Profit und nicht die menschlichen Bedürfnisse an erster Stelle stehen. Die Armen werden ärmer, weil die Reichen halt reicher werden: zur Zeit besitzen etwa 3% der Menschen in diesem Land 95% des Geldes – Und diese soziale Kluft wächst immer rasanter. Natürlich bekommen die Besitzenden dabei Angst, dass wir deswegen etwas aufmucken könnten, wie die Jugendlichen in den französischen Vorstädten es vor zwei Jahren getan haben. Deshalb heulen sie in allen Zeitungen und Fernsehkanälen rum: wegen der „Rütli-Kids“, der „neuen Unterschicht“ und „steigender Jugendgewalt“. Und deshalb rüsten sie schon mal die Bullen auf und bauen fleißig Knäste statt Jugendclubs. Doch anstatt sich zusammenzutun um die ganze Bäckerei zu holen, geben wir uns mit ein paar Krümeln zufrieden und machen uns auch noch die ganze Zeit untereinander fertig: Crew gegen Crew, Deutsche gegen Nicht-Deutsche, Weiße gegen Schwarze, Männer gegen Frauen, Schwule und Transgender.

Karl Marx und Friedrich Engels haben schon 1848 im Kommunistischen Manifest richtigerweise erkannt: „Die Proletarier haben nix zu verlieren als ihre Ketten, sie haben eine Welt zu gewinnen“. Die Ketten, die uns heute davon abhalten unser Leben nach tausenden von Jahren Herrschaft durch Stammesfürsten, Könige, Kaiser und den Kapitalismus endlich selbst zu gestalten, sind weniger die Bullenknüppel, Gewehre, Panzer und Bomben im Dienste von Staat und Kapital, als unsere eigene Dummheit und die Spaltung untereinander. Der alltägliche und tief verinnerlichte Sexismus, Rassismus und Nationalismus, das sind die Ketten die uns unten halten und dafür sorgen, dass ihr System weiter auf unsere Kosten funktioniert. Statt das „Konzept Oben und Unten“ zu bekämpfen, reproduzieren und leben wir es täglich neu. Doch die einzige Möglichkeit ein besseres Leben zu erkämpfen ist diese Ketten endlich abzuwerfen und Zusammenhalt und Solidarität zu praktizieren. Lasst uns damit am ersten Mai beginnen.

Denn der 1. Mai gilt seit über hundert Jahren als Kampftag, an dem die Menschen überall auf der Welt ihre Forderungen nach einem menschenwürdigen Leben frei von Ausbeutung und Unterdrückung auf die Strassen tragen. Oft werden sie dabei von Polizei und Militär angegriffen, verprügelt und sogar ermordet. Doch im nächsten Jahr sind wieder Tausende auf der Strasse. Weil sie noch genug Arsch in der Hose haben, die Scheiße die uns tagtäglich in Job, Schule und Arbeitsagentur vorgesetzt wird als solche zu bezeichnen und sich mit diesen gewalttätigen Verhältnissen nicht mehr abfinden wollen. In Berlin – Kreuzberg feiern wir diesen 1.Mai den 20sten Jahrestag des legendären Aufstandes von 1987. Damals verjagte ein wilder Haufen Autonomer, Punks, Atz_innen, Migrant_innen und anderer Kiezbewohner_innen in einer stundenlangen Strassenschlacht die Polizei aus X-Berg 36 und kollektivierte den Warenbestand diverser Supermärkte. Seitdem steht der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg für konfrontative Kritik an den herrschenden Verhältnissen.

Beteiligt euch am revolutionären 1.Mai 2007 – Sprengt die Ketten!
Proletarier_innen aller Länder vereinigt euch!
Heraus zum revolutionären 1.Mai 2007!

Demo | 18 Uhr | Lausitzer Platz | Kreuzberg

Kundgebung & Konzert ab 17 Uhr

weitere Termine für Widerstand und Rambazamba:

Schulstreik mit Gingsengbonbons (Ska) und Prinz Pi (HipHop) 24.4. 11 30 Rotes Rathaus

Internationale Grossdemo gegen den G8-Gipfel 2.Juni Rostock

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin [ARAB]

Stellungnahme:

Stellungnahme der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin [ARAB] zu den 1.Mai-Vorbereitungen 2007.

In den letzten Wochen begann in Berlin die Diskussion wie der 1.Mai dieses Jahr als Protest und Kampftag gestaltet werden soll. Zur Debatte steht ob es eine gemeinsame Demonstration aller Kräfte geben soll oder getrennte „Euromayday-Parade(n)“ und „revolutionäre 1.Mai-Demo(s)“. Ein Plädoyer der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin [ARAB] für eine gemeinsame Mobilisierung des Euromayday und revolutionären 1.Mai-Spektrums.

Der 1.Mai steht wieder vor der Tür. Wie kein anderer Tag manifestiert der 1.Mai in Berlin sowohl die Potentiale einer radikalen Linke wie auch deren Zerrissenheit und Schwäche. Trotz der eher kleinen Aktionen der letzten Jahre, ist die radikale Linke an diesem Tag immer noch in der Lage für ihre Verhältnisse überdurchschnittlich viele Menschen zu mobilisieren und gesellschaftlich wahrnehmbar zu sein. Zeitgleich zeigt sich die Schwäche und Zersplitterungen der Linken am 1.Mai dadurch, dass wir in der Vergangenheit eher durch interne Streitereinen und getrennte Demonstrationen von uns Reden gemacht haben, als durch unsere gemeinsamen politischen Forderungen.

Wir halten es für existenziell diese unsägliche Tradition endlich zu durchbrechen. Gerade in Hinblick auf den bevorstehenden G8-Gipfel halten wir ein solidarisch-konstruktives Miteinander der verschiedenen linken Strömungen am 1.Mai in Berlin für ein wichtiges Zeichen. Wir als [ARAB] sehen deshalb die Notwendigkeit eines gemeinsamen Demonstrationszuges aller linken und fortschrittlichen Kräfte am 1.Mai. Bezugspunkte eines solchen Demonstrationszuges sind für uns sowohl die über hundertjährige Tradition des 1.Mai als „internationaler Kampftag der Arbeiterklasse“, das 20ste Jubiläum des „Kreuzberger Aufstandes“ von ’87 und die damit verbundenen Erfahrungen der „revolutionären 1.Mai-Demonstrationen“ wie auch die neuen Ansätze europaweiter Vernetzung in Form der Euro-Mayday-Paraden.

Für uns stehen diese verschiedenen Ansätze nicht in einem Widerspruch zueinander sondern ergänzen sich vielmehr. Gerade die Erfahrungen der Antiglobalisierungsbewegung und der Anti-AKW-Bewegung haben gezeigt, dass verschiedene Widerstandsformen dadurch gestärkt werden können, dass sie sich solidarisch aufeinander beziehen. Der gemeinsame Widerstand bei verschiedenen Praxen ist unserer Ansicht nach sowohl für das Gelingen der Anti-G8-Aktionen wie auch des 1.Mai in Berlin von grundlegender Bedeutung. Auch auf den großen gemeinsamen Demonstrationsumzügen in Heiligendamm werden traditionelle Blockkonzepte (Transparente, Ketten) und offene Paradenkonzepte sich gegenseitig ergänzen müssen. Die Erfahrungen mit neuen Aktionsformen, die wir innerhalb der Antiglobalisierungsbewegung in den letzten Jahren gemacht haben (Pink-Silver, Black-Silver, Reclaim the Streets) sollten dabei berücksichtigt werden. Dies trifft unserer Meinung auch für den 1.Mai in Berlin zu.
Wir finden Diskussionen, ob es sich um eine „revolutionäre 1.Mai-Demonstration mit Mayday-Block“ oder einen „Mayday mit revolutionären Block“ handeln wird für völligen Blödsinn und rufen alle Kräfte auf nach einem vernünftigen Konsens zu suchen um eine gemeinsame Mobilisierung zustande zu bringen.

Wir appellieren in diesem Zusammenhang an die Gruppe „Für eine linke Strömung“ (felS) sich einer Öffnung und Erweiterung ihres Mayday-Konzeptes nicht grundsätzlich zu verweigern und sich auf einen gemeinsamen Diskussionsprozess einzulassen. Das dogmatische Festhalten am vorgestellten Mayday-Konzept und die grundsätzliche Ablehnung von „Blöcken“ beinhaltet zwangsläufig die Ausgrenzung anderer politischer Zusammenhänge und ein Plattmachen der Differenzen. Ein gemeinsamer Diskussionsprozess kann in unseren Augen nicht als ein „Zurückfallen hinter die Ergebnisse des letzten Jahres“ verstanden werden, sondern eröffnet die Möglichkeit ein Zeichen zu setzen, auch über den 1.Mai hinaus . Lassen wir uns die Chance nicht entgehen mit einer gemeinsamen Mobilisierung als radikale Linke eigene Akzente zu setzen und damit die Anti-G8-Mobilisierung zu stärken. Wir stellen uns eine grosse, bunte und kämpferische gemeinsame „Demo-Parade“ von mindestens 10 000 Leuten vor; eröffnet von einer Performance-Gruppe, dahinter ein großer „klassischer“ Demoblock mit Ketten, Transpis, Lauti und dem ganzen Drumherum, dem eine schier endlose Parade mit verschiedensten Sound-Systems und Themenwagen folgt. Wie diese Demonstration zu nennen sein wird sollte Teil eines gemeinsamen Diskussionsprozesses sein. Im Gegensatz zu den Gruppen im revolutionären Anti-G8-Bündnis könnten wir uns durchaus vorstellen unter dem Label „Mayday“ zu mobilisieren, für uns ist der Charakter der Demonstration ausschlaggebend. Die politischen Schwerpunkte sollten sich die Gruppen angesichts der Differenzen selbst legen, ein linker emanzipatorischer Grundkonsens ist dabei natürlich Voraussetzung. Wir wollen versuchen in unserer Mobilisierung den Zusammenhang zwischen dem G8-Gipfel und dem gerade in Berlin für Jugendliche alltäglich erfahrbaren sozialen Terror zu konkretisieren. Für uns als sozialrevolutionäre Gruppe gilt es im Rahmen einer solchen Mobilisierung für eine vollständige Überwindung kapitalistischer Verhältnisse, also ein ganz anderes Ganzes, eine revolutionäre Perspektive zu kämpfen.

Wir hoffen das wir gemeinsam einen 1.Mai gestalten werden in dem sich jede(r) wieder finden kann. Emma Goldmann hat einmal sehr richtig gesagt “ doch wenn ich nicht tanzen kann, so ist es nicht meine Revolution“. Es kann aber auch nicht die unsere sein wenn alle tanzen müssen. In diesem Sinne:

Zusammen Kämpfen!
Für einen revolutionären Mayday 2007!
Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin [ARAB]