17.Juni: Schulstreik!

Das Bildungssystem hat Schieflage. Wer nicht die finanziellen Mittel hat, für den gibt es in aller Regel nur nur die Wahl zwischen Hartz 4, miesen Jobs und doppelt und dreifache Anstrengung um in der allgegenwärtigen Konkurrenz mithalten zu können. Nachdem nun eine bundesweite Initiative von Schülerbündnissen im Herbst 2008 gezeigt hat, dass sie in der Lage ist die allgemeine Unzufriedenheit über diese Zustände in Großdemonstrationen mit bundesweit insgesamt über 100000 Beteiligten auf die Straße zu bringen, läuft nun eine Kampagne an, die nochmal ein gutes Stück größer werden soll. Angespornt durch den Erfolg vom letzten Herbst mobilisieren nun Studierenden- und Schülerbündnisse gemeinsam um im Juni 2009 mit Aktionswochen und erneuten Großdemonstrationen am 17.Juni für ordentlich Wirbel zu sorgen. Dabei richten sie sich unter anderem gegen Studiengebühren, Leistungsdruck, Lehrmittelmangel und das mehrgliedrige Bildungssystem. Haltet die Ohren offen! Informiert und engagiert euch!

Antikapitalistischer Block auf der Schüler_innen- und Student_Innengroßdemo in Berlin:

17.06.09 | 11:00 Uhr | Rotes Rathaus

Aufruf der ARAB zum Schulstreik:

Fürs Leben lernen wir

„Du lernst doch nicht für die Lehrer oder deine Eltern, sondern für dein Leben!“ Diesen Satz haben viele bestimmt schon einmal gehört, wenn die Zensuren und die Motivation zum Lernen nicht so in Ordnung waren, wie es andere von einem erwartet haben. Mit diesem Text soll darauf eingegangen werden, was an diesem Satz dran ist. Für die Bildung der Menschen richtet der Staat Schulen und Universitäten ein, in denen Lehrer und Professoren zumeist jungen Leuten die Inhalte verschiedenster Fächer beibringen sollen. Ab und an entschließen sich dann auch die Wirtschaft oder gar die katholische und evangelische Kirche dazu für die Bildung der Menschen zu sorgen und richten Bildungsstätten ein, die nocheinmal in einzelnen Themengebieten etwas spezielleres Wissen vermitteln, insgesamt aber doch der Kontrolle durch den Staat unterliegen. Man sollte sich also an dieser Stelle fragen, was diese sich davon erhoffen, denn nur aus Nächstenliebe machen die das sicher nicht.

Dem Staat geht’s gut, wenn’s der Wirtschaft gut geht

Ein wesentlicher Grund, weshalb die Bildung vom Staat in die Hand genommen wird und nicht uns selbst oder den Eltern überlassen bleibt, ist der, dass wir im Erwachsenenleben später arbeiten gehen und unseren Alltag ohne Hilfe bewältigen können sollen und müssen. Das theoretische Handwerkszeug dafür bringt uns die Bildung. Damit soll einerseits sicher gestellt werden, dass es immer genug Leute gibt, die ordentlich ausgebildet sind um die Aufgaben in den Firmen und Betrieben erfüllen zu können oder zumindest soviel Grundwissen haben, dass sie dann mit einer Weiterbildung fit für den Job sind. Andererseits sollen die Menschen aber auch in der Lage sein, dass sie ihr Leben außerhalb des Berufs selbst regeln können. Wer nämlich weder lesen kann was er da für einen Vertrag unterschreibt, noch vernünftig zusammenrechnet ob das bisschen Geld, das er besitzt, auch für alle Bedürfnisse des Lebens reicht, der steuert nicht nur geradewegs in den privaten Ruin, sondern hinterlässt mit den Schulden auch einen Schaden bei anderen. Wenn der Staat für Bildung sorgt, sorgt er also vor allem auch erstmal dafür, dass seine Wirtschaft am funktionieren gehalten wird. Wir sollen also nützliche Arbeitskräfte sein, die sich für den Profit des Arbeitgebers auspressen lassen. Nicht zuletzt soll schließlich noch durch Zensuren sortiert werden, wer die besserbezahlten Berufe abkriegt und wer sich besser auf ein Leben in permanenter Abhängigkeit zur Lohnarbeit einzustellen hat.

Vater Staat und Mutter Natur

Hinter der Bereitstellung von Bildung steht nun allerdings noch ein wenig mehr als die Zurichtung für die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Leute, denn dann würden die sich das sicher nicht allzu lange gefallen lassen. Eine wesentliche Funktion nimmt die Schule und die Universität auch dann ein, wenn es gilt die Grundregeln der Gesellschaft von Staat und Kapital zu vermitteln. Hier nämlich lernen wir, dass wir unser Leben den gesellschaftlichen Autoritäten unter zu ordnen haben. Wenn der Lehrer es sagt, dann müssen wir fleißig und diszipliniert für den nächsten Test lernen und immer unsere Hausaufgaben machen, sonst gibt es schlechte Zensuren, die sich erst bei der nächsten Leistungskontrolle wieder ausgleichen lassen. Bei Klausuren und Abschlussarbeiten kommt es dann bei nicht ausreichender Leistung sogar ganz dicke und die Zensuren bereiten uns geradewegs ein Leben, dass nur noch mit einer Menge Alkohol und einer gehörigen Portion Zynismus rosig aussieht. Mit der Verpflichtung schließlich, dass wir immer pünktlich zum Unterricht erscheinen müssen und bei Fehlens wegen Krankheit oder anderen Dingen immer eine Entschuldung vorzulegen haben, zeigt das Bildungsunwesen seine tatsächliche Gestalt. Was wir mit der Zeit machen, die wir 24 Stunden und 7 Tage in der Woche haben, obliegt nämlich nicht unserer Entscheidung, sondern in der Schule oder Universität der Aufsicht durch Lehrer und Professoren und später der des Arbeitgebers. Das Recht auf Bildung ist also doch viel weniger ein Gefallen, der uns von staatlicher Seite entgegengebracht wird, als viel mehr die Pflicht, dass wir uns fürs spätere Leben verbrauchbar machen und den Dauerzustand der angeblich von der Natur gegebenen Konkurrenz akzeptieren sollen. Und weil manch einer auch dahinter kommt, dass es sich hier um eine ziemliche Ungeheuerlichkeit handelt, wird auch gleich noch das politische EinMalEins mitgeliefert. Dem Staat ist nämlich sehr wohl bewusst, dass solche Zustände auch schnell mal dazuführen können, dass die Leute anfangen sich entweder über die Verhältnisse in denen sie leben zu beschweren oder eben diese soweit treiben, dass sie sich wegen Leistungsdruck und Geltungssucht gegenseitig an die Gurgel gehen. Aus diesem Grund lässt der Staat die minder- und volljährigen Bürger allesamt Fächer wie Politikwissenschaft, Geschichte, Ethik und Sozialkunde durchlaufen um den von Früh an zu vermitteln, dass Probleme, die sich hier ergeben im Rahmen und mit den geltenden Gesetzen zu regeln sind und andernfalls geahndet werden.
Zum Abschluss steht also fest, dass wir in der kapitalistischen Gesellschaft sehr wohl für unser Leben lernen, aber auch nur um dem Prinzip der Konkurrenz und den Interessen von Wirtschaft und Staat zu folgen. Ein schönes Leben ist das nicht!