22.Mai 2008: Schulstreik!

Bambule in ‚na Schule! – Gründe gibt es genug!

Aufruf der [ARAB]:

Es ist 6 uhr morgens, der Wecker klingelt. Eher unentspannt wird gefrühstückt oder es gleich sein gelassen und sich fertig gemacht. Fertig für den allmorgentlichen, alltäglichen Ablauf, die immer gleiche Langeweile aus Aufstehn, Schule, sogenannter Freizeit und Regeneration. Jener Ablauf, der uns unser ganzes Leben begleitet, ob in der Schule oder am Arbeitsplatz.

Um einen Job zu bekommen, mit dem es sich einigermaßen gut und bequem leben lässt, müssen wir möglichst gut in der Schule abschneiden. Wollen wir also einen solchen Beruf, der uns unter Umständen sogar Spaß macht, dann müssen wir auch die Sachen lernen, die uns für ihn qualifizieren. Und genau hier haben wir spätestens das erste Problem: Uns wird unter hohen Leistungsanforderungen Druck gemacht möglichst viel von Sachen zu lernen, die uns überhaupt nicht interessieren und auf die wir auch noch Zensuren bekommen. Womit wir bereits das zweite Problem haben: Unsere Leistung sollen wir exemplarisch für unser anscheinend erlerntes Wissen mit Tests, Klausuren und anderen Schikanen, die die Lehrer uns aufdrücken, beweisen. Die damit eigentlich vorhandene Freizeit nach der Schule wird uns also genommen, damit wir weiter „Schule machen“ und uns Zeug reinpauken sollen, das uns garnicht interessiert.

In der 6.Klasse wird dann sortiert und zwar in „die Klugen“ und „die Dummen“ und der Lebensweg von Kindern schon früh vorgezeichnet. Wenn du jetzt verloren hast, dann bleibt es höchstwahrscheinlich auch so. Interessanterweise haben es Kinder von Migrant_innen und Arbeiter_innen besonders schwer, eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen. Freundeskreise und soziale Zusammenhänge werden durch die Spaltung in Gymnasiast_innen, Real- und Hauptschüler_innen zerrissen. Während die einen sich nun theoretisch auf eine Zukunft als Manager_in, Ärzt_in oder Anwält_in freuen können, sollen die anderen sich darauf einstellen, dass sie ihr Leben nach der Schule am Fließband, auf der Straße oder auch auf dem Bau verbringen dürfen, wo sie für harte und eintönige Arbeit einen geringen Lohn erhalten werden. Wenn wir uns dann gegen die alltägliche Scheiße von fiesen, schlechtgelaunten und auch willkürlichen Lehrern wehren, ist der Aufschrei groß.

Dann werden wir mit Schulstrafen versehen und Debatten logetreten, die derartige Probleme lösen sollen. Doch es sind eigentlich nur Maßnahmen, die dazu dienen uns für unmündig zu erklären, die uns durch Strafen und Androhungen wieder in den vorgegebenen Rahmen ihrer Ordnung zurückdrängen sollen und damit wir die Schikanen und Willkür weiter hinnehmen und als normal betrachten. Mit einer solchen Scheiße wollen wir uns allerdings nicht zufrieden geben.

Unserer Meinung nach sollte Schule mehr sein – selbstbestimmt, frei und solidarisch. Dem Schulsystem der Langeweile, Fremdbestimmung und Spaltung setzen wir unsere Vorstellungen entgegen und fordern ein Lernen, welches durch Lehrer_innen und Schüler_innen gleichermaßen bestimmt und organisiert wird. Das bemühnt ist, allen Wissen zu vermitteln ohne dem Druck ausgeliefert zu sein, gute Zensuren zu bekommen, um zu zeigen, was mensch kann. Wir fordern ein gemeinsames, solidarisches Miteinander, bei dem jede_r vom anderen lernt und sich gegenseitig geholfen wird – also die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Zwei Sachen wollen wir nochmal deutlich klarstellen: Erstens: In der kapitalistischen Gesellschaft wird kein Beruf ausgeübt, weil er Spaß macht oder sinnvolll ist.

Einzig und allein die Produktion von Profiten steht im Vordergrund (bzw. die Erlangung eines Gehaltes, dass einem ermöglicht zu überleben, aber das hängt immer davon ab, ob sich die Einstellung von Arbeiter_innen auch rechnet). Eine schlecht eingerichtete Gesellschaft, wie wir finden. Zweitens: Im kapitalistischen Schulbetrieb wird niemandem Bildung vermittelt, die hilft, sich in der Welt zurechtzufinden und mit sich und seiner Rolle in der Gesellschaft klarzukommen (oder auch nicht!), sondern Fachwissen, unnützes zumeist. Es werden keine mündigen Menschen gebraucht, sondern qualifizierte Arbeiter_innen. Einen kleinen Vorgeschmack auf die erbarmungslose Konkurrenz aller gegen alle in der jetzigen Gesellschaft bietet die Schule auch.

Es bringt nichts, allein die Institution Schule, die übrigens auch nur einen Abschnitt in unserem von Sortierung, Erziehung und Bestrafung geprägtem Leben darstellt, zu kritisieren, weil sie hier in Deutschland so abläuft, dass sie den Schüler_innen wenig Spaß macht. Wir kritisieren den Zweck der Schule, nämlich die Reproduktion von Arbeiter_innen für die kapitalistische Wirtschaft!

Weg mit der Lohnarbeit! Den Kapitalismus abschaffen!
her mit der befreiten gesellschaft – alles andere gab’s schon!

Weitere Infos gibts bei schulaction.org

Video vom Schulstreik 2008 -1
Video vom Schulstreik 2008 – 2

Video vom Schulstreik 2006