Silvio-Meier-Demo 2008

Vor 16 Jahren wurden vier junge Menschen von Neonazis am U-Bhf-Samariterstraße angegriffen und einer von ihnen in Folge der Auseinandersetzung ermordet. Der Hausbesetzer und Antifaschist Silvio Meier starb durch mehrere Messerstiche in die Brust. Was mittlerweile vielen als eine schon längst vergangene Zeit erscheint, ist nach wie vor Alltag in Deutschland: Neonazis morden, foltern und jagen weiterhin ihre Opfer. Berlin-Lichtenberg ist nach wie vor Hochburg der rechten Schläger. Doch wir werden die Straße nicht rechten Schlägern und ihren Unterstützern überlassen!

DEMO Samstag | 22. November | 15 Uhr | U-BHF. Samariter Straße
MAHNWACHE Freitag | 21. November | 16 Uhr | U-Bhf. Samariter Straße
SOLI-PARTY Samstag | 22. November | 21 Uhr | K9 (U-Samariter Straße)


Aufruf zur SILVIO-MEIER-DEMONSTRATION 2008 Alle Jahre wieder…

heißt es heraus auf die Straße, zur Silvio-Meier-Demonstration. Gemeinsam wollen wir der unzähligen Opfer faschistischer Übergriffe gedenken und ein Zeichen für eine starke linke Jugendbewegung setzen, die solidarisch den bestehenden Zuständen den Kampf ansagt. Auch heutzutage kommt es immer wieder zu rechter Gewalt, die sich gegen Menschen richtet, die nicht ins rassistische, antisemitische und homophobe Weltbild der Neonazis passen. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Meldung über erneute Angriffe auf Migrantinnen und Migranten und linke Jugendliche. Auch 16 Jahre nach dem Tod des Friedrichshainer Hausbesetzers und Antifas Silvio Meier morden Neonazis. Seit 1990 kamen in Deutschland an die 200 Menschen durch neonazistische Gewalt ums Leben. In den immer stärker nach rechts abdriftenden gesellschaftlichen Kontext eingebettet, entstehen immer wieder Orte wo Neonazis in einigen Bereichen eine dominierende Rolle einzunehmen versuchen.

…gegen die gleiche Scheiße

Es liegt an uns, diesem Treiben entgegenzutreten. Wo rechte Ideologien immer mehr Zulauf finden und Thor Steinar-Klamotten zur Massenmode werden, ist es an uns eine Alternative aufzuzeigen. Linke und autonome Freiräume bieten die Möglichkeit zur Etablierung gesellschaftskritischer Ideen und ermöglichen ein solidarisches Miteinander. Aus diesem Grund gilt es Selbstorganisierte Projekte gegen Staat und Nazis zu verteidigen und neue zu schaffen. Immer wieder zeigt sich, dass vor allem die Schaffung linker Strukturen probate Mittel sind, um ein Vordringen rechter Dominanz zu verhindern. So sind vor allem die Wohngebiete im Berliner Osten, in denen linke Freiräume Seltenheitswert haben, ein beliebter Rückzugsort für aktionistische Jungnazis, Kameradschaftler und Parteikader. Doch auch dort gibt es Strömungen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus zur Wehr setzen. Diese gilt es zu unterstützen und auszubauen. Mit ausdauernder antifaschistischer Arbeit auf allen Ebenen, der Rückeroberung des öffentlichen Raumes, dem Schaffen linker Freiräume und dem Veranstalten von Kulturangeboten mit linkem Backround wird den Nazis erfolgreich Gegenwehr geboten.

Begleitmusik zu Mord und Totschlag

Eine beliebte Strategie zur Politisierung und Radikalisierung von rechten Jugendlichen ist das massenhafte Angebot und Verbreiten von neonazistischer Musik. Rechtsrock, in seinen vielen Facetten, ist oftmals der erste Berührungspunkt für Jugendliche mit der rechten Szene. Aus Akten und Presseberichten ist bekannt, dass neonazistische Täter und Täterinnen nicht selten vor ihren Übergriffen Neonazismusik hörten. Auch in Lichtenberg ist eine wichtige Zweigstelle für die Herstellung und den Konsum von Rechtsrock zu finden. Unweit des Bahnhofs Lichtenberg betreibt die Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Spreewacht“ (KSW) ein Clubhaus. Eng verwoben ist die KSW mit der erfolgreichen Neonaziband Legion of Thor, aber ebenso besitzen sie Kontakte zu örtlichen Kameradschaftlern, zu DVU-Biedermännern und NPD-Kadern. Mehrmals in der Woche öffnet die KSW ihr Clubhaus für Kneipenabende an denen Neonazis verschiedenster Prägung zu Rechtsrockabenden zusammenkommen. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine Kneipe, die Neonazis den Eintritt erlaubt. Vielmehr betreiben hier Neonazis für Neonazis einen Clubraum, in dem sie ungestört ihre menschenverachtende Musik konsumieren und weitere Aktivitäten planen können. Gerade aufgrund der Gefahr die von der, nach Außen abgeschotteter, Rechtsrockszene ausgeht, ist es für uns als Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht hinnehmbar, dass es so etwas unwidersprochen in Lichtenberg gibt. Wir werden nicht zusehen wie die Rechtsrockszene hier ein Domizil aufbaut und sich ungehindert treffen kann.

Den Tätern und Täterinnen auf die Pelle rücken

Gerade jugendliche Neonazis aus Lichtenberg wagen immer wieder den Blick über den rechten Tellerrand und versuchen auch im vermeintlich linken Friedrichshain aktionistisch zu werden. So kam es im Laufe des Jahres 2008 immer wieder dazu, dass Neonazis aus dem Umfeld des „Nationalen Widerstands Berlin“ und aus den ehemaligen Strukturen der mittlerweile verbotenen „Kameradschaft Tor“ in Friedrichshain Migrantinnen und Migranten, linke Hausprojekte und alternative Jugendliche angegriffen haben oder es versuchten. Natürlich ist es wichtig den Neonazis direkt auf der Straße unmissverständlich zu verstehen zu geben, dass sie in Friedrichshain und anderswo nicht erwünscht sind. Die Mittel dazu sind vielfältig. Eine Möglichkeit ist auch, die Täter und Täterinnen in ihrem Wohnumfeld aufzusuchen und ihre Nachbarschaft direkt zu informieren um wen es sich bei dem Jugendlichen im schlecht-kopierten Autonomenlook nebenan handelt. Deswegen ist es nur natürlich, immer wieder im Weitlingkiez zu demonstrieren und den Neonazis zu zeigen, dass sie auch dort weder anonym noch sicher vor antifaschistischem Widerstand sind.

Wir bleiben Alle!

Das sich rechte Strukturen nicht in allen Bezirken in gleicher Vehemenz ausbreiten liegt vor allem am Bestehen linker Strukturen und Freiräume. Immer wieder stellt sich heraus, dass sie das beste Mittel gegen neonazistische Strukturen und kapitalistisches Alltagsgrau sind. Aber auch diese Strukturen sind in Berlin massiv bedroht, seien es anstehende Versteigungen, das Fortschreiten der Gentrifizierung, Räumungen, die Aufbesserung der Kieze durch Firmen oder durch staatliche Planungsbüros. Die Solidarität der Silvio-Meier-Demo gilt auch immer wieder den Hausprojekten in Berlin, anderswo und weltweit. Aus wichtigem Grund: seit Jahren bedingen sich das Zurückdrängen neonazistischer Gewalt und die Schaffung alternativer, linker und autonomer Strukturen

He Ho lets go!

Gründe gibt es genug am 22. November 2008 ab 15 Uhr zusammen auf die 16. Silvio-Meier-Demo unter dem Motto: Aus Trauer wird Wut! Gegen Rechtsrock, Naziparteien und Autonome Nationalisten auf die Straße zu gehen. Wir werden nicht zusehen, wie sich rechte Strukturen ausbreiten, wie schmierige Rechtsrocker ihre CDs produzieren und ihr Bier trinken, wie Möchtegern-Autonome Nationalisten menschenverachtende Gewalt auf die Straße tragen und wie es dem erfolgreichsten Mittel gegen Neonazis, den linken und autonomen Strukturen, in Berlin immer schwieriger gemacht wird zu existieren.
Deswegen zusammen am 22. November 2008 ab 15 Uhr U-Bhf. Samariterstraße auf die Straße!

Bericht bei Indymedia
Fotos