Von Berlin bis Amed: Hoch die internationale Solidarität!

Vom 26.September bis 2.Oktober fand in Amed/Kurdistan das erste Mesopotamische Sozialforum und das internationale Amed-Camp statt. Über 1000 Aktivist_Innen aus Kurdistan, der Westtürkei, Europa und dem Nahen Osten tauschten sich dort aus und debattierten mehrere Tage über die Perspektiven antikapitalistischen Widerstands. Neben der kurdischen Jugendbewegung lernten wir dort auch linksradikale Jugendliche aus dem Baskenland, der Türkei, Marburg, Jordanien und anderen Ländern kennen und diskutierten mit ihnen die Weltrevolution und ein Leben ohne kapitalistische und feudale Zumutungen. Zusammen mit diesen Kräften wollen wir 2010/2011 in Amed ein „internationales Jugendcamp“ durchführen, auf dem linke und linksradikale Jugendliche aus der gesamten Welt zusammenkommen, um sich zu vernetzten und die Utopie einer menschenwürdigen Zukunft für alle Menschen auf diesem Planeten weiterzuspinnen. Wir laden alle sozialistischen, kommunistischen, anarchistischen Jugendgruppen in der BRD herzlich dazu ein, sich bei der Vorbereitung des „Internationalen Jugendcampes“ einzubringen. Denn im nationalen Rahmen können wir nur verlieren, aber zusammen gehört uns die Zukunft!


Termine zum weiteren internationalen Austausch revolutionärer Jugendlicher (Stand Februar 2010):
1. – 4. April 2010: Jugendfestival, Baskenland
Juni/Juli 2010: Europäisches Sozialforum, Istanbul
Juli/August 2010: Jugendfestival, Kurdistan
2011: Internationales revolutionäres Jugendcamp, Amed/Kurdistan
Erklärung der revolutionären Jugend auf dem 1. Mesopotamischen Sozialforum:

In Bezug auf die Weltbevölkerung spielt die Jugend eine wichtige Rolle. Wir haben eine gemeinsame Identität und in Folge dessen eine gemeinsame Verantwortung, die uns verbindet. In allen kapitalistischen Ländern sind wir mit Repression konfrontiert, sobald wir politisch aktiv sind und versuchen uns daran zu beteiligen, die Gesellschaft in der wir leben zu verändern. Zudem zielen kapitalistische Systeme in erster Linie darauf ab, uns davon abzuhalten ein politisches Bewusstsein zu entwickeln. Sie versuchen uns auf unterschiedliche Arten zu assimilieren, die auch von den regionalen Systemen abhängig sind. Besonders in institutionalisierten Kontexten, wie Schulen, Universitäten, Familien usw. werden Jugendliche zum Objekt gemacht.

Das herrschende System versucht uns politisch und sozial zu hörigen Staatsbürgern zu
formen, die den Status quo akzeptieren. Auf unserem Treffen auf dem Amed Camp und MSF ist uns erneut bewusst geworden, dass linksradikale Jugendgruppen in ihren unterschiedlichen Kontexten mit ihrer speziellen Situation eher isoliert sind. Im Anschluss an die 68er-Bewegung, die schlagkräftig und in der Lage war, den Kapitalismus zu überwinden, möchten wir diskutieren und uns vernetzen , um heraus zu finden, wie wir wieder erstarken können. Wir möchten evaluieren, warum diese Bewegungen einen solchen Kraftverlust erlitten haben und zahlreiche internationale Initiativen eingeschlafen sind. Die Jugend, die auf dem MSF und dem Amed Camp zusammen gekommen ist, möchte neu beginnen und wieder miteinander in Kontakt treten. Wir wissen, dass die Kämpfe der Jugend in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich sind. Uns ist auch bewusst, dass die Repression gegen Jugendliche mit unterdrückten Identitäten, wie die KurdInnen und die BaskInnen, grundsätzlich verschiedene Arten von Unterdrückungserfahrungen machen. Diese beinhalten mehr Gewalt als die Repression gegen Jugendliche in den westlichen industrialisierten Ländern.

Wir möchten miteinander in Kontakt bleiben, um von den jeweiligen Kämpfen der anderen zu erfahren. Wir möchten uns in die Lage versetzen uns gegenseitig zu unterstützen, wenn es darauf ankommt solidarisch zu sein. Unsere ersten Schritte bestehen zunächst darin, Kontakte auszutauschen und uns für Veranstaltungen zu verabreden auf denen wir wieder zusammenkommen können. Um eine sozialistische Welt zu verwirklichen, muss die Jugend gemeinsame Organisationsformen schaffen, wie den demokratischen Konföderalismus.

Im April 2010 findet im Baskenland ein Camp statt und anschließend ein weiteres Jugendcamp in Amed. Auf diese Art und Weise hoffen wir einen effizienten und andauernden Austausch mit regelmäßigen Treffen zu verwirklichen. Unser Ziel ist es eine globale Vernetzung antikapitalistischer Jugendbewegungen herzustellen, die gemeinsam kapitalistische, imperialistische und kolonialistische Systeme sowie postkoloniale Strukturen bekämpfen können. Wir möchten in der Lage sein auf aktuelle Themen jeder unserer Gruppen zu reagieren und solidarisch zu handeln.

Lang lebe die revolutionäre internationale Jugend!

YGDM – Yurtsever Demokratik Gençlik Meclisi`nin(kurdischer Jugendverband)
YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan (Europa)
SEGI – baskische Jugendbewegung
ARAB – Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin

Presseerklärung zu den Ergebnissen vom Internationalen Amed Camp:

Das internationale Amed Camp, dass im Rahmen vom Mesopotamischen Sozialforum stattgefunden hat, ist nun nach 6 Tagen zu Ende gegangen. Unter dem Slogan ‚Internationalismus bedeutet gemeinsamer Widerstand – Freies Leben bedeutet demokratischer Kommunalismus‘ sind ungefähr 150 Teilnehmer_innen aus Kurdistan, Deutschland, Italien, Baskenland, Palästina, Frankreich, Österreich, Holland und der Türkei zusammengekommen. Während dieser Tage ist es zu einem kulturellen Austausch und zu intensiven Diskussionen über die Situation in den verschiedenen Ländern und über die kurdische Frage gekommen. Darüber hinaus hat insbesondere der Campalltag die Möglichkeit zu einer intensiven Auseinandersetzung gegeben. Auch wurden mehr als 100 Postkarten mit solidarischen Grüssen an politische Gefangene verschickt. In den Diskussionen gab es insbesondere an Kurdistan und das Modell des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ grosses Interesse. Hinsichtlich Jugend und Frauen wurden unterschiedliche Projekte angestossen. Perpektiven unterschiedlicher Aktivist_innen wie Antikapitalist_innen, Antifaschist_innen, Feminist_innen, Antimilitarist_innen, LGBTTI’s und anderer kamen zusammen. Es wurden hinsichtlich verschiedener Punkte gemeinsame Entscheidungen getroffen:

Ausgehend von den Diskussionen über die kurdische Frage wurde vorgeschlagen, dass die Teilnehmer_innen in ihrem jeweiligen Land und somit auf internationalistischer Ebene unterstützend in Richtung einer demokratischen und friedlichen Lösung mitwirken sollen. Ein weiterer Punkt war, das Modell vom demokratischen Konföderalismus insbesondere in Regionen wie z.B. Palästina und Kurdistan als Idee und mögliche Lösungsperspektive weiter bekannt zu machen. In Bezug auf Frauen wurde versucht folgender Vorschlag zu konkretisieren: den kommenden internationalen Weltfrauentag am 8. März, durch eine
länderübergreifende Organisierung auch in Europa, vielfältiger und bedeutsamer zu machen.

In Bezug auf die Jugend kam es zu folgender Entscheidung: Eine antifaschistische Jugendgruppe aus Deutschland, eine Jugendgruppe aus dem Baskenland und die kurdische Jugendbewegung YDG-M haben beschlossen 2010 ein Jugendcamp zu veranstalten mit Teilnehmer_innen aus der Türkei, Europa, dem Mittleren Osten, Lateinamerika und vielen anderen Ländern. Desweiteren wurden beschlossen ein Weltsozialforum zu organisieren für
ein demokratisch-sozialistische Welt.

Abschliessend versprechen wir, dass wir unabhängig von unseren Herkunfstländern in unseren sozialen Kämpfen zusammen arbeiten werden. Wir benden heute das Camp mit einer sozialistischen Perspektive und dem Glauben an eine enge Zusammenarbeit. Wir werden die heutige Freude und Motivation weitertragen und versprechen wieder zusammenzukommen.

Amed Camp Presse Gruppe
Amed, 30.9.09