Siempre Antifascista! 2010

Vom 11. bis 20. November 2010 findet zum dritten Mal das „Siempre Antifascista“ statt. Kern der antifaschistischen Aktionstage stellt die internationale Konferenz vom 12. – 14. November in Berlin dar. Die Konferenz mit antifaschistischen Gruppen und Referent_innen möchte anhand von Workshops aktuelle Probleme und Aktionsfelder einer globalen Antifa-Bewegung analysieren und eine Plattform für eine internationalen Vernetzung bieten.

Remembering means fighting!

Übergriffe, Morde und Pogrome- Ausdruck der als offiziell besiegt geglaubten rechten Einstellungsmuster haben Hochkonjunktur. Antiziganismus, Antisemitismus, Rassismus, Homophobie- von der Gesellschaft getragen, vom Staat legitimiert und gemeinschaftlich praktiziert. Nationalistische und rechtspopulistische Ideologien und Tendenzen rücken gerade im europäischen Rahmen die Gesellschaften weit nach rechts- und äußern sich in Gefahren für die physische Existenz jener, die bspw. aufgrund ihrer sozialen, geographischen Herkunft sowie der sexuellen oder politischen Orientierung nicht dem Rechtsruck folgen (dürfen). Die rechtsradikalen Bewegungen in Europa und global prophezeien den „Rassen- bzw. Kulturkrieg“ und vernetzen sich verstärkt. Grenzüberschreitende Kooperationen unter dem Banner des sogenannten Ethnopluralismus, für „ein Europa der Vaterländer“ (NPD), sorgen für erstarkende Neonazistrukturen bei Kameradschaften und Parteien.

Versuche der rechten Parteienlandschaften im Europa-Parlament eine Fraktion zu gründen zeugen von realen Gefahren der Vernetzung und Zusammenarbeit rechtsradikaler Parteien von der Front National (Frankreich) über die Fiamma Tricolore (Italien) bis zur Partidul Romania Mare (Rumänien).

By any beat necessary!

Rechte Musiknetzwerke, von „Blood and Honour“ bis hin zu der legalen Ersatzstruktur „Honour and Pride” mitsamt der weltweit agierenden „Hammerskin Nation“ im Hintergrund, organisieren Rechtsrock-Konzerte, die vor allem der Politisierung und Mobilisierung für den „weißen Widerstand“ dienen. Konzerte zum Beispiel in den Grenzregionen Deutschland/ Tschechien/ Polen oder Belgien/ Frankreich bieten Erlebnisräume und Keimzellen des militanten Neonazismus. Dadurch verbreiten sich nazistische Politik-Konzepte, „Autonome Nationalisten“ existieren nun als globales Phänomen. In Tschechien perfektionieren derzeit lokale Neonazi-Kader die Infiltrierung alternativer Jugendkulturen mit rassistischer und nationalistischer Propaganda. Angeboten wird eine rechtsradikale „Alternative“ zu allen Lebenswelten: ob Reggae/ Ska, Elektro, Hip-Hop oder dem klassisch-rechten RAC (Rock against Communism).

Im Rahmen europaweiter Events wie dem alljährlichen „Fest der Völker“ (Thüringen), dem Gedenkaufmarsch in Dresden am 13. Februar oder beim „Day of Honour“ in Budapest, manifestiert sich eine erstarkende europaweite Naziszene- höchst mobil und zunehmend militant.
Die Teilnahme deutscher Neonazis an den antiziganistischen Pogromen im tschechischen Litvinov im November 2008 ist daher Ausdruck praktizierter „nationaler Solidarität“. Europaweit solidarisieren sich Nazis mit dem Mörder des 16-Jährigen Carlos Palomino, welcher am 11.11.2007 in Madrid von einem rechten Militärangehörigen erstochen wurde- im Namen eines „weißen Europas“.

Dass diese Gewalt sich zunehmend gegenüber politische oder ethnisierte Gegner_innen tödlich äußert, zeigte sich vor allem in den letzten Jahren. Die sytematische Gewalt gegenüber antifaschistische, migrantische und religiöse Feindgruppen erreicht im globalen Kontext jedes Jahr ein erneutes Rekordhoch.

Allein in Russland wurden mindestens 71 Personen im Jahr 2009 durch Neonazis ermordet. In zahlreichen osteuropäischen Staaten organisiert sich eine radikale Rechte, die nicht mehr Randgruppe, sondern schon tief verwurzelt im Bewusstsein und politischen Handeln der Mehrheitsgesellschaft ist. Die „ungarische Garde“, eine landesweit agierende Bürgerwehr der nationalsozialistischen Jobbik-Partei soll vermeintliche „Zigeuner-Kriminalität“ bekämpfen, bewaffnete rechte Milizen trainieren in der Ukraine und in Russland für die Machtübernahme. Nazis verüben Anschläge gegen Migrant_innen aus dem Kaukasus, Mobs aus Bürger, Staatsmacht greifen gemeinsam Gay-Pride-Paraden wie z.B. in Warschau, Budapest oder Moskau an. Die permanente Krise des Kapitalismus ruft, wie immer in Zeiten der Angst vor sozialer Deklassierung, Identitätskrisen hervor. Eine (radikale) Rechte, die sich verstärkt den sozialen Fragen widmet, trifft bei der von Armut bedrohten oder schon betroffenen Mehrheitsbevölkerung mit ihren simplen Erklärungsmustern und Lösungsansätzen auf fruchtbaren Boden. Solange diese permanente Krisensituation nicht abgeschafft wird, nimmt das Grauen kein Ende. Eine starke antifaschistische Bewegung hat die Pflicht und Verantwortung, den Wurzeln der Probleme entgegenzutreten!

Action – Reaction!

Wir, in Form einer radikalen, antifaschistischen Linken, sehen diesen Entwicklungen nicht passiv zu! Austausch, Vernetzung und Kooperation- lokal, regional und über allen Grenzen hinweg.
Eine antifaschistische Bewegung muss Sprachbarrieren und Ländergrenzen überwinden.

Darum wird es vom 12. — 14. November eine internationale Antifa-Konferenz unter dem Motto „Siempre Antifascista – Remembering means fighting“ in Berlin geben, bei der Probleme und Lösungsansätze gegen Nazis und rechte Strömungen gemeinsam mit Referent_innen aus verschiedenen Teilen Europas diskutiert werden sollen.

Am darauf folgenden Wochenende werden wir uns mit euch gemeinsam den Subkulturen widmen. Wir freuen uns, antifaschistische Praxis im Rahmen des Festivals „Siempre Antifascista 2010“ zu begehen und zu feiern.

Im Laufe des Tages wird die Silvio-Meier-Demonstration in Berlin stattfinden. Eine starke Jugendbewegung braucht Feuer- nachmittags in Gedenken an Silvio Meier und im Kampf gegen Nazistrukturen vor Ort, abends das internationale Antifa-Festival. Kommt nach Berlin, vernetzt euch für eine starke, handlungsfähige Antifa-Bewegung- überall!

Am 11. November 2010 wird es darüber hinaus einen internationalen Gedenktag geben. Gedenkt den Opfern und Betroffenen rechter Gewalt- kein Mensch ist vergessen! Denn: remembering means fighting, Erinnern heißt Kämpfen!
Nazistrukturen zerschlagen- weltweit!

Siempre Antifascista!