Liebig 14 von 2500 Polizisten geräumt / Proteste im gesamten Stadtgebiet

Infoticker: twitter.com/liebig14

2500 Polizist_innen räumen gewaltsam linkes Hausprojekts „Liebig 14″ / Mehrere tausend Menschen protestieren mit vielfältigen Aktionen im gesamten Stadtgebiet / Am Abend wurde eine Demonstration von über 3000 Menschen von der Polizei brutal angegriffen / Anschließend Ausschreitungen in Friedrichshain

Ein Großaufgebot der Polizei hat am Mittwoch gewaltsam das linke Hausprojekt in der Liebigstraße 14 in Berlin-Friedrichshain geräumt. Rund 1500 Unterstützer_innen der Bewohner_innen protestierten in den umliegenden Straßen. Aus Solidarität fanden im gesamten Stadtgebiet vielfältige Aktionen statt. Es wurden Kreuzungen blockiert, Barrikaden errichtet, Häuser besetzt, mehrere Spontandemonstrationen und dutzende militante Angriffe auf verschiedene Geschäfte und Gleisanlagen der Deutschen Bahn durchgeführt.

Die Polizei setzte nach eigenen Angaben 2500 Beamt_innen ein. Das Haus war weitläufig mit ihren Einsatzfahrzeugen umstellt. Kamerateams und Journalist_innen, die sich dem Gebäude näherten, wurden von der Polizei abgewiesen. Wie es hieß, zu ihrer eigenen Sicherheit. Direkte Nachbar_innen der Liebig-14-Bewohner_innen brachten ihren Protest zum Ausdruck, indem sie mit Kochgeschirr lärmten.

Die Räumung begann um kurz nach acht Uhr und gestaltete sich nach Polizeiangaben schwierig, da die Bewohner_innen das Treppenhaus eingerissen und sich im dritten Stock verbarrikadiert hatten. Einsatzkräfte drangen folglich über das Dach ein. Erst um die Mittagszeit konnten die sechs Männer und drei Frauen, die sich im Haus aufhielten, festgenommen werden. Vorgeworfen wurde ihnen Körperverletzung. Sie sollen die Beamt_innen bei deren Eindringen in die Wohnung mit einem Spray attackiert haben.

Um 19 Uhr versammelten sich mehrere tausend Menschen zu einer Protestdemonstration, die vom Boxhagener Platz zum geräumten Haus in der Liebigstraße 14 gehen sollte. An der Ecke Revaler Str / Warschauer Str wurde die Spitze der Demonstration von Greiftrupps der Berliner Polizei angegriffen und versucht auseinanderzuknüppeln. Es gab etliche Festnahmen und Verletzte. Aufgrund der massiven Polizeiangriffe wurde die Demonstration vom Veranstalter abgebrochen. Daraufhin kam es im Gebiet der Warschauer Straße zu Ausschreitungen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die O2-Arena, eine Filiale der Sparkasse und mehrere Einsatzfahrzeuge der Berliner Polizei wurden angegriffen. Im Friedrichshainer Kiez wurden an verschiedenen Stellen Barrikaden errichtet. Es wird erwartet, dass sich die Auseinandersetzungen und militanten Angriffe in der Nacht und den folgenden Tagen fortsetzen.

In Hamburg, Dortmund, Köln, Bremen, Kopenhagen, Aue, Giessen, Iquitos, dem Harz, Kiel, Hannover, Göttingen, Rostock, Jena, Bielefeld, Hildesheim, Itzehoe, Saarbrücken, Freiburg, Düsseldorf, Osnabrück, Konstanz, Straubing, Rom, Leipzig, Naumburg, Ulm und vielen anderen Orten auf der ganzen Welt fanden Solidaritätsaktionen statt.

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Über laufende Soliaktionen für die Liebig 14 werdet ihr auf l14soli.blogsport.de informiert.

Es gibt eine Infrastruktur für die Proteste in den kommenden Tagen. Ein Infopoint ist in der Scharnweber Str. 38. Die Telefonummer des Infotelefons ist:
0157 / 872 107 77 und 0176 / 383 413 42

Ermittlungsausschuss (EA):
030 / 69 22 22 2

Aktionswochen gegen Krieg, staatliche Repression und für die Liebig14

Linksradikale Gruppen rufen vom 22.Januar bis zum 2.Februar in Berlin zu „Aktionswochen gegen Krieg, staatliche Repression und für den Erhalt des linken Hausprojektes Liebig14“ auf.

Mit vielfältigen Protestaktionen planen linke und linksradikale Gruppen in den kommenden 2 Wochen gegen den Afghanistan-Krieg, Polizeigewalt und die drohende Räumung des linken Hausprojektes „Liebig14“ mobil zu machen. Ziel sei es linke Positionen im Stadtbild stärker „spürbar“ zu machen und die Verbindung zwischen den verschiedenen Formen staatlicher Gewalt (Krieg, Polizeigewalt, Hausräumung) und der kapitalistischen Eigentumsordnung aufzuzeigen.

„In Afghanistan werden Zivilisten von der Bundeswehr bombardiert, in Berlin verprügeln Polizeibeamte regelmäßig Demonstranten und am 2.Februar planen mehrere hundert von ihnen darüber hinaus schwer bewaffnet ein Wohnhaus in Friedrichshain zu stürmen und deren Bewohner vor die Tür zu setzen. All diese Gewalt wird ausgeübt vom bürgerlichen Staat mit dem Ziel die Freiheit des Eigentums und des Profits durchzusetzen. Wir wollen in den nächsten Wochen mit vielfältigen Aktionen die praktische Kritik dieser Gewalt und der damit verbundenen Vergesellschaftungsform vorantreiben und eine Verbindung zwischen den verschiedenen Bewegungen dagegen suchen.
“ so Jonas Schiesser von der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB) zu den geplanten Aktionswochen.

Den Anfang macht am Samstag eine Demonstration gegen Krieg und Besatzung als die massivste Form staatlicher Gewalt. Unter dem Motto „ „Bundeswehr und Nato raus aus Afghanistan“ rufen verschiedene Gruppen dazu auf sich um 15 Uhr am U-BHF Rathaus Neukölln zu versammeln. Diese Demonstration steht im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages des antifaschistischen/antimilitaristischen Aktionsbündnis gegen die Verlängerung des Bundeswehr-Afghanistan-Mandates durch den Bundestag.

Samstag | 22.Januar | 15 Uhr | U-BHF Rathaus Neukölln Bericht

Um 17 Uhr findet ebenfalls am Samstag, den 22.Januar, am Besarinplatz eine Streetparade gegen die drohende Räumung des linken Hausprojektes „Liebig14″ unter dem Motto „Keine Räumung unter diesem miesen Nummer“ statt. Später lädt die Liebig14 zur „Houseparty“.

Samstag | 22.Januar | 17 Uhr | Bersarinplatz

Am Montag, den 24.1., soll der Sozialdarwinist und Rassist Thilo Sarrazin an der Technischen Universität Berlin zum Thema „Zuwanderung und Integration“ sprechen. Eingeladen hat ihn Prof.Henke für das Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht (Fakultät VII) bzw. der Fachbereich Finanzwissenschaft und Gesundheitsökonomie der TU. Schon im Oktober wurde die Veranstaltung als besonderes Bonbon im Seminar angekündigt. Das TU-Präsidium ist über die Veranstaltung informiert. Proteste werden erwartet.

Montag | 24.Januar | 14.15 – 15.45 Uhr | Raum A141 im Architekturgebäude, Straße des 17. Juni 152 (am Ernst-Reuter-Platz)
(Auftritt wegen Angst vor Protesten abgesagt)

Am Dienstag, den 25.Januar, rufen kurdische Vereine um 15 Uhr am U-BHF Hallesches Tor zu einer Demonstration gegen die Kriminalisierung der kurdischen Befreiungsbewegung in der BRD, der Türkei und dem Iran auf. Im Iran wurde am 15.Januar ein kurdischer Aktivist hingerichtet, in der Türkei führt der Staat unvermindert Krieg gegen die kurdische Bevölkerung und in Berlin werden kurdische Kulturveranstaltungen von der Polizei verboten und Demonstrationen niedergeknüppelt.

Dienstag | 25.Januar | 15 Uhr | U-BHF Hallesches Tor
Bericht

Am Freitag, den 28.Januar, findet um 19:30 am U-BHF Rosenthaler Platz eine Demonstration gegen Polizeigewalt und staatliche Repression unter dem Motto „In offener Feindschaft: still not loving police!“ statt. Mit der Aktion soll an die die Opfer tödlicher Polizeigewalt wie Oury Jalloh, Halim Dener oder Dennis J. erinnert werden und die grundlegende Funktion der Polizei zur Sicherung und Aufrechterhaltung der mörderischen kapitalistischen Eigentumsordnung thematisiert werden. Weiterhin richtet sich die Demonstration gegen die drohende polizeiliche Gewaltorgie gegen das linke Wohnprojekt „Liebig14“ und den 14. Europäischen Polizeikongress der Anfang Februar in Berlin stattfinden soll.

Freitag | 28.Januar | 19:30 Uhr | U-BHF Rosenthaler Platz
Bericht

Gegen die drohende Räumung des linken Wohnprojektes „Liebig14“ am 2.Februar und die immer unerträglich werdende Zurrichtung der Berliner Innenstadt durch die heiligen Kräfte des Marktes findet am Samstag den 29.Januar am U-BHF Kottbusser Tor eine überregionale Demonstration statt. Wütend und Entschlossen soll von Kreuzberg nach Friedrichshain gezogen werden um Eigentümern und Polizei zu zeigen das wir unsere Häuser nicht kampflos hergeben werden und wir gewillt sind den politischen Preis für die Räumung in die Höhe zu treiben.

Samstag | 29.Januar | 15 Uhr | U-BHF Kottbusser Tor Bericht

Am Samstag den 29.Januar und Sonntag den 30.Januar findet in den Räumen der Schule für Erwachsenenbildung im Mehringhof der „entsichern“ Kongress des europaweiten linksradikalen Netzwerkes „Out of Control“ statt. An zwei Tagen wird sich mit staatlicher Repression auf europäischer Ebene und den den Möglichkeiten von Widerstand theoretisch auseinandergesetzt.

Samstag, 29.Januar & Sonntag 30.Januar | Ab 10 Uhr | SFE – Mehringhof | Gneisenau Str.2a