9.Juni:Tausende streiken gegen Bildungsabbau

Tausende Schüler_innen, Lehrer_innen, Eltern und Beschäftigte im Bildungsbereich versammelten sich heute Mittag am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin um gegen die Bildungspolitik des Berliner Senats zu protestieren. Aufgerufen zu der Demonstration, die unter dem Motto „Für eine bessere Schule in Berlin“ stand, hatte ein Bündnis aus der Bildungsgewerkschaft GEW, dem Landeselternausschuss, dem Landesschülerausschuss und der linken Schüler_inneninitiative „Bildungsblockaden einreißen“. Kernforderungen waren eine bessere Finanzierung der Berliner Schulen und mehr Lehrer_innen. Die Schüler_inneninitiative „Bildungsblockaden einreißen“, die mit einem großen Schüler_innenblock und eigenem Lautsprecherwagen auf der Demonstration vertreten war, schlug derweil deutlich systemkritischere Töne an und nutzte die Protestaktion um ein „Zeichen der Solidarität an die revoltierenden Jugendlichen in Griechenland, Spanien, Nordafrika und dem Nahen Osten“ zu senden und ein Bildungs- und Gesellschaftssystem zu fordern, indem nicht der Profit sondern die Menschen im Mittelpunkt stehen. Desweiteren wurde in Redebeiträgen eine militärfreie Schule gefordert, die Razzien gegen die Internetplattform „kino.to“ verurteilt und eine grundlegende Kritik an der Funktion von Schule in einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft artikuliert. Im Vorfeld hatte der Schulsenator mit Drohbriefen und Einschüchterungen versucht den Protest innerhalb der Unterrichtszeit zu verhindern. Im Gegensatz zu dem GEW-Warnstreik im April haben sich dieses mal auch deutlich weniger Lehrer_innen beteiligt. Dafür aber umso mehr Schüler_innen. Im Gegensatz zu den Protesten im April waren diesmal auch viele linke und linksradikale Gruppen wahrnehmbar. Die antikapitalistische Jugendplattform „Kinder des Zorns“ grüßte die Jugendrevolten in Spanien und Griechenland mit einem Transparent auf dem „Generation Krise – Für eine europaweite Rebellion der Jugend!“ stand. Die Anarchosyndikalistische Jugend Berlin machte sich für „selbstbestimmtes leben und lernen“ stark und die trotzkistische Gruppe RIO forderte „Gemeinsam Streiken!“. Der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB) reichte das wohl nicht aus, sie forderte deshalb gleich :„Gute Laune. Für die Menschen. Kommunismus“. Auch die kommunistische Jugendorganisation „Revolution“ und die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) waren stark vertreten. Dominiert wurde die Demonstration jedoch von Fahnen der GEW und Luftballons der „Grünen“, die ärgerlicherweise versucht haben in schmieriger Wahlkampfmanier die Proteste für sich zu Vereinnahmen. Diese Anbiederungsversuche wurden von einem Großteil der Demonstrierenden jedoch entschieden abgelehnt, was sich immer wieder in Parolen gegen Parteien wie die Grünen, die Linkspartei, die SPD und die CDU äußerte. Die FPD wurde vor ihrer Bundeszentrale von den Demonstrant_innen als „Partei der Privat-Schule“ bezeichnet und mit lautstarken „Buh“-Rufen bedacht. Auch vor dem Bundestag äußerten die jungen Demonstranten lautstarke Kritik an der Verlogenheit des parlamentarischen Systems und forderten in Anlehnung an die Proteste in Spanien: „Alle müssen gehen!“. Die Demonstration endete nach einer ziemlich langen Route durchs Berliner Regierungsviertel mit einer Kundgebung am Brandenburger Tor. Insgesamt 5000 Menschen sollen sich an der Demo beteiligt haben. Für den 10.September hat das Bündnis weitere Proteste angekündigt.

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Die Bildungsgewerkschaft GEW, die SchülerInneninitiative „Bildungsblockaden einreißen“, der Landesschülerausschuss, die Landeselternvertretung und linke Gruppen rufen am Donnerstag, den 9.Juni, zu einem gemeinsamen Streik der Schüler_innen und Lehrer_innen gegen Bildungsabbau auf. Wir dokumentieren den Aufruf von „Bildungsblockaden einreißen!

Schulstreik & Demo | 9.Juni | Donnerstag | 12:30 | U-BHF Rosa Luxemburg Platz

Zusammen kämpfen! Gemeinsam streiken!
SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und Beschäftigte gemeinsam gegen Bildungsabbau!

Wie man kämpft haben viele von uns SchülerInnen schon lange verinnerlicht. Viele haben mit ihren Noten zu kämpfen. Andere wiederum müssen mit der schlechten finanziellen Lage ihrer Eltern kämpfen, die es ihnen erschwert, am schulischen Leben teilzunehmen. Egal wie es sich letzten Endes äußert – wir alle haben auf die eine oder andere Art mit diesem Bildungssystem zu kämpfen!

Ob LehrerIn, SchülerIn oder Eltern wir alle sind von der Misere des Bildungssystems betroffen. Wir müssen unter den repressiven Methoden leiden, mit denen unterrichtet werden soll. Die vielen Reformen, die vom rot-roten Senat durchgeführt wurden, um unsere Bildung weiter an die Interessen der Wirtschaft und die verschuldeten Staatskassen anzupassen, betreffen uns alle. Deshalb sind wir der Meinung, dass wir weiter gemeinsam dagegen kämpfen müssen.

Lange genug haben sich SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen und andere Beschäftigte gegeneinander ausspielen lassen. Der Senat versuchte gemeinsam mit willigen DirektorInnen, SchülerInnen vom protestieren abzuhalten. Immer wenn LehrerInnen und SchülerInnen streikten, wurde es so dargestellt, als ob sie ihre Pflichten vernachlässigen würden. Auch die Kriminalisierung der Bildungsbewegung und verschiedener anderer Proteste sollte vor allem eines bewirken – Die Spaltung unseres Widerstandes! Befördert wurde das von der allbekannten Hetze seitens der Medien.

Lasst uns dem ein Ende bereiten. Wir lassen diesen Mist nicht länger mit uns machen. Weil wir uns nicht in maroden Unterrichtsräumen und überfüllten Klassen stressen lassen wollen, gehen wir auf die Straße, um zusammen gegen diese Umstände zu protestieren. Die Demonstration am 9. Juni, für bessere Bildung in Berlin, soll dabei nur der Anfang sein. Die GEW erwägt weitere, ganztägige Proteste. Spätestens nach den Sommerferien müssen wir Ernst machen und an unseren Schulen und Bildungseinrichtungen Demonstrationen und unbefristete Streiks gemeinsam mit Beschäftigten und Eltern organisieren.

Nur wenn wir uns gegenseitig unterstützen, können wir uns Gehör verschaffen. Kommt deshalb am 9. Juni zum Streik/ zur Demonstration am Rosa Luxemburg Platz, zu der die Lehrergewerkschaft GEW, die Landeselternvertretung, der Landesschülerausschuss und Initiativen wie BE, sowie linke Gruppen aufrufen!

Bildungsblockaden einreißen! Gemeinsam für bessere Bildung kämpfen!


- Bildung für alle und zwar umsonst!
- Für gut ausgestattete Schulen und kostenlose Angebote wie Mittagessen!
- Entlastung aller Lehrkräfte, für mehr Personal und bessere Bezahlung!
- Bundeswehr und Unternehmen raus aus den Schulen!
- Für selbstbestimmtes Lernen und hierarchiefreies Bildung!
- Mehr Geld für Bildung, Kultur und Soziales!