19. Juni: Aktionen zum Tag des revolutionären Gefangenen


Anlässlich des 19.6., dem Tag der revolutionären Gefangenen, und der internationalen Repression gegen Strukturen der Roten Hilfe International (RHI) fand in Berlin eine Kundgebung und eine Infoveranstaltung statt. Auf der Kundgebung, die vor der belgischen Botschaft abgehalten wurde, wurden verschiedene Beiträge hinsichtlich der Repressionsmaßnahmen gegen internationale Strukturen der Roten Hilfe International verlesen. Die Aktion begann mit lauten Parolen, in welcher die Freiheit der politischen Gefangenen gefordert wurde und mit einem kurzen Beitrag die Bedeutung des 19.6. erklärt wurde.

In weiteren Beiträgen wurde die gemeinsame Erklärung des Netzwerks Freiheit für alle politischen Gefangenen und des Zusammen Kämpfen [Berlin] verlesen, in der eine Übersicht über die repressiven Maßnahmen gegen Mitglieder der Roten Hilfe Belgien, der SRI (Rote Hilfe International Spanien) und der Roten Hilfe des Revolutionären Aufbaus Schweiz gegeben wurde. Zudem wurde eine aktuelle Erklärung der Roten Hilfe des Revolutionären Aufbaus Schweiz verlesen, in der die Repression in der Schweiz gegen Strukturen der Roten Hilfe näher geschildert wurden.

Die Kundgebung, die vom Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen und dem Zusammen Kämpfen [Berlin] organisiert und von rund 40 Personen begleitet wurde, endete mit den Parolen „Ich war, ich bin, ich werde sein! Die Revolution wird die Menschheit befreien!“, „Gegen das Konstrukt von Volk und Rasse! Für uns gibt’s nur eins: Klasse gegen Klasse!“ und einer Einladung zur Veranstaltung „Nulla E Finito! Revolutionäre Geschichte aneignen und verteidigen!“ am 18. Juni.

Die Veranstaltung, die am 18. Juni im Kreuzberger Cafe Honigstein stattfand, begann mit einem Dokumentarfilm über die „Kämpfenden Kommunistischen Zellen“ (CCC). Der Film, der vor rund 10 Jahren für den ersten privaten Fernsehsender Belgiens gedreht wurde, befasste sich anhand der ehemaligen Gefangenen aus der CCC mit der Geschichte und den Aktionen der belgischen Stadtguerilla. Der Film, bei denen insbesondere die ehemaligen Gefangenen Bertrand Sassoye und Pierre Carette zu Worte kamen, leitete die Veranstaltung ein und gab den BesucherInnen einen relativ guten Überblick über die CCC und die ehemaligen Gefangenen. Der Film wurde anschließend von dem Referenten Bertrand Sassoye dokumentiert und Fragen aus dem Publikum wurden beantwortet.

Nach einer kurzen Pause wurde eine Grußbotschaft von der Roten Hilfe des Revolutionären Aufbaus Schweiz abgespielt, in der die Kriminalisierung der Strukturen der Roten Hilfe International erläutert und speziell auf die anstehenden Verfahren in der Schweiz eingegangen wurde. Im Anschluss daran referierte Bertrand Sassoye über die Kriminalisierung der Mitglieder der Roten Hilfe Belgiens, bei der er auf die einzelnen Betroffenen einging und sie vorstellte. Zudem berichtete er über die juristische Ebene der Repression, da bei diesem Fall das belgische Anti-Terror-Gesetz angewendet werden solle. Er erklärte dazu, dass es insgesamt das dritte Verfahren sei, bei dem in Belgien dieses Gesetz zum Einsatz kommen soll. Die Veranstaltung, an der sich rund 50 Personen beteiligten, endete mit der Beantwortung der Fragen aus dem Publikum.

Die Gruppe „Zusammen Kämpfen“ und das „Netzwerk Freiheit für alle politische Gefangenen“ laden am 18.Juni zu einer Veranstaltung mit Bertrand Sassoye, einem ehemaligen Militanten der belgischen Stadtguerilla „Kämpfende Kommunistische Zellen“ (CCC). Die Veranstaltung findet im Rahmen des 19.Juni, dem Tag des revolutionären Gefangenen, statt. Am Freitag gibt es eine Protestkundgebung vor der belgischen Botschaft wegen der Repression gegen die Rote Hilfe International in Belgien.

Freitag | 17.Juni | 16 Uhr | Kundgebung vor der belgischen Botschaft
Samstag | 18. Juni 2011 | 18 Uhr | Honigstein | Reichenberger Str. 157

Video: Bertrand Sassoye spricht auf einer Veranstaltung zum MG-Prozess über Repression
Interview mit Bertrand Sassoye

Der 19.06 – als Tag der revolutionären Gefangenen – wird bis heute über die europäischen Grenzen hinaus jährlich begangen und ist für uns in diesem Jahr Anlass mit einer Veranstaltung zur belgischen Stadtguerilla CCC, den Kontext zwischen revolutionärem Kampf und politischer Gefangenschaft herzustellen und der Notwendigkeit der Verteidigung revolutionärer Geschichte vor dem anhaltenden Geschichtsrevisionismus zu versuchen gerecht zu werden.

Sowohl die anhaltenden Prozesse und Zeugenvorladungen gegen die RAF und ihrer ehemaligen Militanten hier in der BRD, als auch die kommenden Prozesse gegen die Militanten der RHI in der Schweiz wegen Brandanschlägen, in Italien wegen dem Rufen der Parole: „Die Fabrik tötet uns, der Staat steckt uns in den Knast, Biagi und D´Antona sind uns scheissegal“, in Spanien wegen dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der auf der Terrorliste stehenden SRI und gegen ehemalige CCC Militante wie Bertrand Sassoye in Belgien weil sie in Kontakt mit der PC P-M stehen sollen sind die aktuellen Beispiele für die Praxis der Herrschenden einerseits die Geschichte in ihrem Sinne umzudeuten und andererseits aufkeimende revolutionäre Bewegungen präventiv zu verfolgen.

Dieser konterrevolutionären Praxis gilt es durch unsere Solidarität mit den Militanten und durch die Verteidigung des revolutionären Kampfes durch die Aneignung und Verteidigung seiner Inhalte den Riegel vorzuschieben.

Mit einer Veranstaltung mit Bertrand Sassoye über die Geschichte der CCC möchten wir die mit diesem Anspruch begonnene Nulla È Finito Reihe fortsetzen.

Der Angriff findet im Rahmen der CCC-Kampagne „Pierre Akkerman“ statt, die sich gegen imperialistischen Kriege richtete. Im Rahmen der Kampagne fanden von Oktober bis Dezember 1985 5 Angriffe statt.

„Der Grund, für den wir kämpfen, und für den wir auf einiges verzichten, ist der schönste aller Gründe: Die Sache der Völker. Für mich wird ein Aufhören nie in Frage kommen.“
(ein ehemaliger CCC-Militanter)

Die CCC traten in einer Zeit in Aktion, in welcher der bewaffnete Kampf in Europa bereits sehr viele politische und militärische Erfahrungen gemacht hatte. Dabei schöpften sie aus 15 Jahren Erfahrung der Metropolenguerilla sowohl der Action Directe, der Roten Armee Fraktion als auch wenn erst später der Brigate Rosse. Vor allen Dingen war es der Kampf der RAF der in den Anfängen die Herangehensweise an den bewaffneten antiimperialistischen Widerstand in Belgien prägte. In den 80er Jahren durchzogen die Diskussionen über die Herangehensweise und vorallem Perspektive des bewaffneten Kampfes alle in den Metropolen kämpfenden Gruppen und trennten sich in sich immer klarer voneinander unterscheidenden Linien. Auf der einen Seite in die Ausrichtung hin zu einer Partei und auf der anderen Seite die Gruppen die den Frontprozess vorantrieben.

Für die CCC führte dies in ihrer Klärung zu einem starken Bezug zur aus dieser Spaltung der Brigade Rosse hervorgegangenen BR/PCC und waren das ideologische Fundament auf dem sich die CCC als klar marxistisch-leninistische Organisation formierte.

Damit verkörpert sie in ihrer organisatorischen und politischen Ausrichtung ein praktisches Ergebnis einer international geführten Debatte über die Herangehensweisen und Perspektiven des bewaffneten Kampfes in den Metropolen und des Spagats zwischen diesem und der Verankerung und Massenorganisierung der Klasse.

Eine Veranstaltung über die Geschichte der CCC und ihrer Praxis ist für uns heute in der BRD, in der die Kontinuitätslinien der damaligen Erfahrungen zu heute fast komplett zusammengebrochen sind, also die Möglichkeit die damaligen zwischen und in allen revolutionären Organisationen geführten Diskussionen und den daraus resultierenden praktischen, organisatorischen wie politischen Konsequenzen ins Heute zu transportieren und ihre Erfahrungen zu verbreitern.

Kommt zur Veranstaltung!
Nulla È Finito! – Nichts ist vorbei!
Revolutionäre Geschichte aneignen und verteidigen!

weitere Infos unter:
www.political-prisoners.net
www.nullaefinito.jimdo.com

Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen – and friends
Zusammen Kämpfen [Berlin]
Zusammen Kämpfen [Magdeburg]