31.August: Kundgebung gegen tödlichen Polizeiübergiff


Etwa 30 Menschen fanden sich am Abend des 31.08.2011 vor dem Haus der am letzten Mittwoch bei einem Polizeieinsatz von der Polizei erschossenen Andrea H. in Berlin Renickendorf ein, um für eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls zu protestieren. Die Kundgebung wurde kritisch beäugt von den eingesetzen Beamten des Polizeiabschnits und einer Hundertschaft. AnwohnerInnen riefen teilweise ihren Unmut über den Einsatz von den Balkonen und kamen später auch vereinzelt zu Diskusionen aus den Häusern.

Fotos: 1, 2
Indymedia-Bericht


Die Berliner Polizei hat am Mittwoch, den 24. August, eine 53-jährige Frau in ihrer Wohnung erschossen. Zwei Wochen nachdem die Erschießung eines jungen Mannes durch Spezialeinheiten der Polizei in London einen Aufstand der britischen Jugend ausgelöst hat, zeigt die Berliner Polizei, dass auch ihrer Willkür, Macht und Gewalt mit einer gehörigen Portion Misstrauen zu begegnen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die genauen Umstände des tödlichen Polizeieinsatzes noch unklar. Nach Medieninformationen suchte die Polizei die Wohngemeinschaft der Frau im Märkischen Viertel in Berlin-Reinickendorf auf, um einen Vorführungsbeschluss des Amtsgerichtes Wedding zu vollstrecken. Die Frau soll sich nach Eintreffen der Polizei in der Wohnung eingeschlossen und anschließend die Beamten mit einem Messer angegriffen haben. Nachdem die Polizisten zunächst Pfefferspray einsetzten, eröffnete der Beamte das Feuer auf die Frau. An den Folgen der Schussverletzung verstarb die Frau noch in der Wohnung, eine versuchte Reanimation war vergeblich. Die Berliner Polizei hüllt sich indes im Mantel des Schweigens und verweist auf laufende Ermittlungen zur Tat. Laut aktuellen Informationen der taz soll es sich bei dem Todesschützen um den Zugführer der berüchtigten Berliner Prügelhunderschaft 23 handeln. Diese fällt seit Jahren bei linken Demonstrationen wie den Protesten gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm mit massiver Polizeibrutalität auf. Der Vorfall reiht sich in eine Serie tödlicher Polizeigewalt ein, so wurde beispielsweise im Jahr 2010 Slieman Hamade zunächst in seiner Wohnung auf Grund angeblicher Ruhestörung in Berlin-Schöneberg mit Pfefferspray attackiert, woraufhin auch er verstarb. Erinnert wollen wir auch an Dennis „Jockel“ der in der Sylvesternacht 08/09 von einem Berliner Zivilpolizisten mit 8 Schüssen ermordet wurde. Für uns bleibt die Berliner Polizei weiterhin nicht „Freund und Helfer“ sondern „Richter und Henker“. Aus Protest gegen den Mord findet am Mittwoch den 31.August eine Kundgebung vor dem Haus der Ermordeten statt. Am 10.September wird die wachsende Polizeigewalt in Berlin Thema auf dem linksradikalen Block auf der „Freiheit statt Angst-Demo 2011″ sein.

KUNDGEBUNG | Mittwoch | 31.August | 19:00 | Senftenberger Ring 66 | Märkisches Viertel

TAZ-Artikel

Informationen zu tödlicher Polizeigewalt bei „No Justice – No Peace