Archiv für September 2011

20.-25. September: 2000 Menschen beim 2.Mesopotanischen Sozialforum in Amed


2000 Menschen versammelten sich vom 21 – 25. September in der kurdischen Metropole Diyarbakir/Amed zum 2. Mesopotamisches Sozialforum. In Zeiten der eskalierenden türkischen Militäroperationen versammelten sich die Aktivist_innen im Sümerpark um über gesellschaftliche Alternativen zu Kapitalismus, Krieg und Patriarchat zu diskutieren. Ein besondere Schwerpunkt war neben der aktuellen Situation in Kurdistan vor allem die Aufstände im Mittleren Osten und Nordafrika die als „arabischer Frühling“ bekannt wurden. Aktivist_innen aus Ägypten, Tunesien und Marokko berichteten über die Rolle der Gewerkschaften und der Arbeiter_innenbewegung bei den Aufständen. Desweiteren waren auch die Selbstorganisationsprozesse der kurdischen Frauenbewegung, die Ökologie und die Situation der palästinensischen Bevölkerung wichtige Themen. Aufgrund der aktuellen militärischen Angriffe und der laufenden Verhaftungswellen gegen kurdische Aktivist_innen (4015 Festnahmen in den letzten 6 Monaten) war die Stimmung diesmal deutlich angespannter als beim letzten Forum im Jahr 2009. Über den Köpfen der Aktivist_innen düsten türkische Militärflugzeuge hınweg, die Bombenangriffe auf angebliche Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK flogen. Demonstrationen und Protestaktionen wurden von der Polizeı massiv behindert. Eine Demonstration gegen Frauenunterdrückung am Samstag wurde von Panzerfahrzeugen und Wasserwerfern der türkischen Polizei gestoppt. (mehr…)

22.September: 15 000 Menschen gegen Ratze


Rund 15.000 Menschen haben am 22.09.2011 in Berlin-Mitte gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche und dessen Menschen- und Gesellschaftsbild demonstriert. Der Papst hatte am Donnerstag in Berlin seine viertägige Deutschlandreise begonnen. Die Berliner Polizei begleitet den Block des linksradikalen „Not Welcome“-Bündnis, an dem sich über 1500 Menschen beteiligten mit einem martialischen Aufgebot und versuchte mehrfach den Block zu stürmen und einzelne Menschen rauszugreifen.

Während des Papst-Besuches in Berlin haben am 22.09.2011 rund 15.000 Menschen im Zentrum der Hauptstadt gegen die Politik der katholischen Kirche protestiert. Zu dem Protest unter dem Motto „Keine Macht den Dogmen!“ hatte ein Bündnis von knapp 70 Organisationen aufgerufen, initiiert vom Schwulen- und Lesbenverband. Kritisiert wurde vor allem die „menschenverachtende Geschlechter- und Sexualmoral des Papstes“. Am Abend zogen die Demonstranten friedlich vom Potsdamer Platz zur Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz, der Hauptkirche der Berliner Katholiken. Die Berliner Polizei begleitet jedoch den Block des linksradikalen „Not Welcome“-Bündnis mit einem martialischen Aufgebot und versuchte mehrfach den Block zu stürmen und einzelne Menschen rauszugreifen. Parallel zu den Protesten, sprach Benedikt der XVI. im Berliner Olympiastadion vor zehntausende von Menschen. Insgesamt pilgerten 61.000 Gläubige zur Messe ins Olympiastadion.

Am 22.September glich die Berliner Innenstadt einer Hochsicherheitszone. Im Regierungsviertel wurden Gullydeckel verschweißt, Absperrgitter errichtet und weiträumige Parkverbote verhängt. Die Polizei forderte Anwohner an den Strecken auf, Fenster zu schließen und Balkone zu meiden. Insgesamt waren heute über 6.000 Polizeibeamte im Einsatz, darunter zahlreiche Beamte aus anderen Bundesländern sowie von der Bundespolizei. Bereits am frühen Morgen und am Abend zuvor haben über 150 Menschen an der CDU-Zentale, am Flughafen Tegel und in Mitte gegen den Papstbesuch protestiert.

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Wandbild für Andrea „Ronahi“ Wolf


Am 23. Oktober 1998 wurde Andrea Wolf von türkischen Soldaten nahe Çatak in Nordwestkurdistan ermordet. Sie wurde während eines Gefechtes zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Guerilla lebend gefangengenommen, nachdem sie eine Kooperation mit dem Militär abgelehnt hatte, brutal ermordet und ihre Leiche anschließend geschändet. Andrea politisierte sich Anfang der 1980er Jahre in der radikalen Linken der BRD und schloss sich anfangs autonomen Zusammenhängen und der Hausbesetzer_innenbewegung an. Später engagierte sie sich in antiimperialistischen Zusammenhängen und war Gründungsmitglied der Initiative „Libertad!“. Der Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung durch die herrschende kapitalistische Ordnung brachte sie dazu, sich als militante Internationalistin dem bewaffneten Arm der kurdischen Befreiungsbewegung anzuschließen. Sie war Mitglied der Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) und einer Fraueneinheit des freien Frauenverbands Kurdistans (YAJK).

Die imperialistische Kumpanei zwischen der Türkei und der BRD, die auf eine lange Kontinuität zurückblicken kann und ihren Höhepunkt im gemeinsamen Kampf gegen die kurdische Befreiungsbewegung hat, führt zu einer Verschleppung der Aufkärung. Die aktuelle Arbeit türkischer und deutscher Menschenrechtsgruppen bringt indes neue Einzelheiten hervor. So hat sich jetzt erstmals ein ehemaliger Dorfschützer, der bei dem Massaker an Andrea und ihren Genoss_innen beteiligt war, zu Wort gemeldet und neben grauenhaften Einzelheiten des Massakers auch den Ort sowie den Namen des Mörders benannt.

Eine Delegation von Angehörigen, Menschenrechtsaktivist_innen und Politiker_innen ist daraufhin nach Kurdistan gereist, um das Massengrab zu besuchen, in dem Andreas Gebeine vermutet werden und Strafanzeige gegen den Mörder zu stellen. Während die Delegation vom türkischen Militär und Geheimdienst auf dem Weg zum Massengrab aufgehalten wurde (Info), haben in Berlin einige künstlerisch interessierte Internationalist_innen auf dem Hof des Georg-von-Rauch-Hauses ein Wandbild in Gedenken an Andrea „Ronahi“ Wolf gesprüht. Außerdem verklebten sie mehrere Plakate mit Informationen über das Leben von Andrea und die Kriegsverbrechen der türkischen Armee und benannten den Innenhof des „Georg-von-Rauch-Hauses“ auf dem Kreuzberger Mariannenplatz symbolisch in „Ronahi-Platz“ um. Wir wollten damit unseren Beitrag leisten um die Erinnerung an Andreas Leben und ihren Kampf wachzuhalten und um ein Zeichen gegen den auch mit deutscher Unterstützung geführten Krieg der Türkei gegen die kurdische Befreiungsbewegung zu setzen. Andrea hatte den internationalen Charakter von Herrschaft und Ausbeutung erkannt und daraus ihre Konsequenzen gezogen. Sie wusste, dass eine Befreiung von Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg nur im internationalen Kontext denkbar ist und hat danach ihr Handeln ausgerichtet. Für uns, die wir heute versuchen für eine Überwindung des globalen Kapitalismus zu kämpfen, ist Andreas Leben ein Beispiel für praktische Solidarität und kollektiv geführten Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Andrea presente!
Sehit namirin!

Zum Ort:
Das Georg-von-Rauch-Haus wurde nach einem von der Polizei erschossenen Militanten der Stadtguerilla „Bewegung 2.Juni“ benannt und ist eines der ältesten Besetzten Häuser der BRD. Die linksradikale Band „Ton, Steine, Scherben“ widmete dem Haus den „Rauch-Haus-Song“, eine der Hymmnen der Hausbesetzer_innenbewegung. Wir haben das Rauch-Haus für unser Bild ausgewählt, weil es einer der Orte ist, der für die Geschichte der revolutionären Linken in der BRD seit 1968 steht. Wir finden es wichtig und richtig sich diese Geschichte anzueignen und die verschütteten Kontinuitäten des Widerstandes aufzuzeigen.

Andrea Wolf – Crew

Fotos

19.September: Proteste gegen Besuch des türk. Staatspräsidenten an der HU


Ungefähr 150 Menschen versammelten sich am Montag den 19.September vor der Humboldt-Universität in Berlin um gegen den Auftritt des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül zu protestieren. Aufgerufen hatten kurdische Vereine und linke Gruppen wie die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB). Sie und forderten ein Ende der türkischen Kriegspolitik gegen die kurdische Bevölkerung und warfen der islamischen AKP-Partei von Gül vor eine „neue Diktatur“ errichten zu wollen. „Während Gül in Deutschland von Demokratie und Völkerfreundschaft spricht, bombardieren türkische Militäreinheiten mit amerikanischer und deutscher Unterstützung kurdische Siedlungsgebiete im Nordirak. Abdullah Gül und seine Regierung stehen für Militarismus, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Fortsetzung des blutigen Staatsterrorismus gegenüber der kurdische Befreiungsbewegung“ betonte ein Sprecher des Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin. Ein Vertreter der ARAB erinnerte an den Fall der am 23.Oktober 1998 vom türkischem Militär ermordeten Münchner Internationalistin Andrea Wolf und warf der Türkei vor Kriegsverbrechen systematisch zu vertuschen. Erst am vergangenen Freitag war eine internationale Menschenrechtsdelegation die nach Kurdistan gereisst war um neuen Hinweisen im Fall Wolf nachzugehen und ihr Grab zu besuchen von Militär und Geheimdienst aufgehalten worden. Der Sprecher der ARAB forderte Gerechtigkeit für Andrea und die zehntausende Menschen die seit Beginn des bewaffneten Kampfes der kurdischer Arbeiterpartei PKK vom türkischen Militär ermordet. Mit Blick auf den Besuch des Papstes am kommenden Donnerstag kritisierte er auch das reaktionäre und fundamentalistische Menschenbild von Gül, der als Anhänger des in den USA lebenden konservativen islamischen Ordensführers und Medienmoguls Fethullah Gülen gilt. „In dieser Woche werden zwei religiöse Fundamentalisten in dieser Stadt erwartet. Beiden sind engagierte Abtreibunggegner, Kreationisten und stehen für ein frauenfeindliches Gesellschaftskonzept. Einer spricht im Bundestag, der andere heute hier in der Humboldt-Uni. Beide sind NOT WELCOME!“ so der Vertreter der ARAB weiter. Ein Sprecher des kurdischen Studierendenverbandes YXK ging auf die tausenden Verhaftungen von Oppositionellen, Gewerkschaftern und Sozialisten seit dem Amtsantritt der AKP ein und wies daraufhin das die Türkei aktuell eine umfassende Bodenoffensive gegen die kurdische Guerilla plant.

Die Berliner Polizei war mit einem Großaufgebot aufgefahren und hatte zur Unterstützung noch Kräfte aus Hamburg und Bremen rangezogen. 4 Reihen Hamburger Gitter, mehrere Wannen und dutzende Beamte trennten die Protest-Kundgebung von der Humboldt-Universität. Diese war weiträumig abgesperrt worden, jedoch war es für motivierte Protestierende recht einfach diese zu umgehen. So gelang es einem Aktivisten auch kurz vor dem geplanten Beginn der Rede im Vorraum des Audimax zu gelangen und vor den verdutzten Besucher_innen (unter anderem vom türkischem Militär) ein Transparent mit dem Konterfei von Andrea Wolf auszubreiten, bevor er von Sicherheitsleuten und Polizeibeamten überwältigt wurde. Einige Minuten später wurde das Audimax wegen einer Bombendrohung geräumt, die Rede von Gül kurzfristig abgesagt. Die Berliner Polizei evakuierte die Gäste durch den Vordereingang der HU und über die Strasse „Unter den Linden“ so das die versammelten deutschen und türkischen Ehrengäste an der Kundgebung gegen den Gül-Besuch vorbei geführt werden mussten. Die versammelten Kurd_innen und Antifas nutzten die Gelegenheit natürlich um lautstark ihren Protest gegenüber der türksichen Kriegspolitik zu artikulieren. Nachdem die Humboldt-Universität von der Polizei nach Bomben durchsucht worden ist, konnte die Gül-Rede vor einigen geladenen und ausgewählten Gästen dann noch in einem kleineren Raum der HU stattfanden. Später wagten sich Wullf und Gül noch nach Kreuzbegr und besuchten das Döner Restaurant „Hasir“, einen bekannten Imbiss rechter türkischer Gruppen. Um Gül (und Wullf) zu zeigen das sie auch in Kreuzberg nicht willkommen sind fand gegen 21 Uhr noch eine Spontandemonstration kurdischer Jugendlicher mit Öcalan-Fahnen und Parolen gegen den Besuch des türkischen Kriegstreibers statt.

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18.September: 150 gegen NPD in Berlin-Köpenick


Am Wahlabend protestierten in Berlin-Köpenick rund 150 Antifaschist_innen gegen die NPD, ihrem rassistischen Wahlkampf und ihren Widereinzug in mehrere Berliner Bezirksparlamente.Die Demonstration zog trotz des schlechten Wetters lautstark und kraftvoll durch den Kiez und endete vor der NPD-Zentrale in der Seelenbinderstraße 42, in der die NPD ihre Wahlparty durchführte. In Redebeiträgen wurden die Anwohner_innen über den rassistischen Wahlkampf der neonazistischen Partei aufgeklärt und aktuelle Zahlen der Auszählung bekannt gegeben.Ein unverhältnismäßig großes Aufgebot der Polizei begleitete den Protest und nahm trotz des friedlichen Verlaufs zwei Teilnehmer_innen fest.

Fotos

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16.September: Andrea Wolf – Delegation vom türkischen Militär aufgehalten


Eine Delegation aus der BRD und El Salvador ist in den letzten Tagen in die Türkei gereist um neuen Hinweisen im Fall der am 23.Oktober 1998 vom türkischen Militär ermordeten Internationalistin Andrea Wolf nachzugehen (Info). Sie wollten ein Massengrab besuchen an dem die Überreste der nach Zeugenaussagen vom Militär lebend Gefangenengenommenen, gefolterten und anschließend hingerichteten linksradikalen Aktivistin aus München vermutete werden. In letzter Sekunde haben die Zuständigen türkischen Stellen ihre voher schon erteilte Erlaubnis zurückgezogen und haben die Delegation, an der sich neben Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Abgeordneten der Linkspartei auch Angehörige der Ermordeten beteiligen, an einer Militärsprerre aufgehalten.

Bericht der Delegation:
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Solidarität mit Sonja und Christian


Am Mittwoch, den 14. September 2011 wurden Sonja Suder und Christian Gauger von Frankreich an den deutschen Staat ausgeliefert. Ihnen wird die Mitgliedschaft in den Revolutionären Zellen (RZ) und die Beteiligung an mehreren Aktionen, die in deren Namen verübt wurden, vorgeworfen. Momentan befindet sich Sonja im Knast in Frankfurt, Christian im Haftkrankenhaus in Kassel.

Im Jahr 1978 bemerkten die beiden, dass sie observiert wurden, daraufhin entschieden sie sich dazu unterzutauchen. Seitdem lebten sie mit einer anderen Identität in Frankreich. Aufgeflogen sind sie im Jahr 2000, wurden festgenommen und saßen für mehrere Monate in französischen Knästen, aber die Gerichte entschieden, dass die ihnen vorgeworfenen Aktionen verjährt sind. Seitdem lebten sie geduldet in Paris. 2008 stellt die Staatsanwaltschaft Frankfurt einen europäischen Haftbefehl gegen die beiden aus, 2009 entscheidet ein französischen Gericht, dass die beiden ausgeliefert werden.

Vorgeworfen wird ihnen die Beteiligung an zwei Anschlägen im August 1977 auf MAN in Nürnberg und Klein, Schanzlin & Becker AG in Frankenthal. Beide Konzerne sind verstrickt im „imperialistischen Atomgeschäft“, die einen in der „Herstellung südafrikanischer Atombomben“, die anderen spielen „eine wesentliche Rolle des Zulieferns für Kernkraftwerke in aller Welt“. Außerdem sollen sie an einen Brandanschlag auf das Heidelberger Schloss am 18. Mai 1978 beteiligt gewesen sein. Sonja wird außerdem die Beteiligung an den Vorbereitungen für den Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien im Dezember 1975 vorgeworfen, durch eine Aussage des Kronzeugen und RZ-Aussteigers Hans-Joachim Klein. Die Vorwürfe der Beteiligung an den anderen Aktionen rührt von unter Folter erpressten Aussagen her. 1978 explodierte im Schoss von Hermann Feiling eine Bombe, die für das argentinische Konsulat in München bestimmt war. Hermann verlor seine Beine und das Augenlicht, im Krankenhaus wurde er wochenlang unter dem Einfluss von Schmerzmitteln und Psychopharmaka von den gewissenlosen Bütteln des Staates ausgesaugt.

Eine immer wiederkehrende Geschichte, die deutschen Strafverfolgungsbehörden versuchen selbst nach über 30 Jahren Schuldige für notwendige direkte, militante Interventionen zu finden. Dazu lehnten Sonja und Christian das Angebot eines Deals mit der Staatsanwaltschaft ab und zeigten damit, dass für sie eine Kooperation mit dem Staat und seinen willigen HelferInnen nicht zur Debatte steht. Bewusst haben sie sich dazu entschieden sich nicht dem deutschen Staat zu stellen und über ihre Geschichte und die Vergangenheit auszupacken, lieber haben sie das unsichere und unruhige Leben mit einer anderen Identität gewählt.

Text kopiert von unseren Genoss_innen von Anarchist Black Cross (Berlin)

Ein Artikel aus der ak vom 17.04.2009 mit weiteren Hintergründen. Zur Geschichte der Revolutionären Zellen: www.freilassung.de

10 Jahre 9/11: Wir warens nicht!

… nun beginnen einige von uns zu rufen:
Gehen wir in diesen Sumpf! Will man ihnen ins Gewissen reden,
so erwidern sie: Was seid ihr doch für rückständige Leute!
und ihr schämt euch nicht, uns das freie Recht abzusprechen,
euch auf einen besseren Weg zu rufen! – O ja, meine Herren,
ihr habt die Freiheit, nicht nur zu rufen, sondern auch zu gehen,
wohin ihr wollt, selbst in den Sumpf; wir sind sogar der Meinung,
daß euer wahrer Platz gerade im Sumpf ist, und wir sind bereit,
euch nach Kräften bei eurer Übersiedlung dorthin zu helfen.
Aber laßt unsere Hände los, klammert euch nicht an uns
und besudelt nicht das große Wort Freiheit,
denn wir haben ja ebenfalls die „Freiheit“, zu gehen, wohin wir wollen,
die Freiheit, nicht nur gegen den Sumpf zu kämpfen,
sondern auch gegen diejenigen, die sich dem Sumpfe zuwenden
!“
(Lenin, Was tun?)

Wir warens nicht!

In diesen Tagen jährt sich zum zehnten Mal der Tag, an dem in den USA einige Flugzeuge in verschiedene Gebäude flogen. Einige tausend Menschen starben, das Pentagon hatte ein Boeing-großes Loch und die Skyline von New York war nicht mehr die alte. Gleichzeitig war es auch das Datum des großen Coming-Out des „internationalen Terrorismus“.

Heute, zehn Jahre später, zieht dieses Ereignis viele Leute auf die Straße, die sich bemüßigt sehen, in aller Öffentlichkeit „9/11 – Inside Job!“ zu schreien. Sie sind die peinliche Version von Dog, dem Bountyhunter. Ihr Ziel sind „anständige“ US-amerikanische PolitikerInnen, die nur ihren Job gemacht haben. Doch die VerteidigerInnen der amerikanischen Demokratie wissen, dass sie VerschwörerInnen sind, bezahlt vom militärisch-industriellen Komplex. Darum brauche es unbedingt eine unabhängige Untersuchungskomission mit Leuten, die wissen, wann Stahl schmilzt und was Nanothermit ist.

Ob InfokriegerInnen, Zeitgeister, Wahrheits-Bewegte oder sonst was, sie wirken lächerlich, aber wir haben ein ernsthaftes Problem mit diesen Leuten. Warum, wollen wir hier kurz erläutern. (mehr…)

11.September: 300 gegen „NW Berlin“-Stützpunkt


Am 11.09.2011 demonstrierten in Berlin-Lichtenberg rund 300 Menschen gegen den Nazitreffpunkt des „NW Berlin“ in der Lückstraße 58. Die Demonstration, die im Rahmen der antifaschistischen Kampagne „Nazis auf die Pelle rücken“ stattfand, wurde von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Die Demonstration zog nach einer Auftaktkundgebung am S-BHF Ostkreuz in Berlin-Friedrichshain durch den von den Nazis als „Homezone“ bezeichneten Lichtenberger Kiez. Die meist Jugendlichen Demonstranten wurden von Anwohner_innen vereinzelt mit Applaus und Parolen empfangen. Neben dem Nazitreffpunkt des „NW-Berlins“ in der Lückstraße 58, der vor einigen Tagen Ziel einer antifaschistischen Verschönerungsaktion wurde, zog die Demonstration auch an der ehemaligen Nazinkneipe „Kiste“ in der Weitlingstrasse und an verschiedenen Nazi-WGs vorbei und artikulierte dort lautstark ihre fundermentale Ablehnung gegenüber Nazis und ihrer Ideologie.Begleitet wurde die Demonstration von einem völlig überzogenen Polizeiaufgebot. Nach einem durchweg friedlichen Verlauf der Demonstration nahm die Polizei die Fahrerin und den Beifahrer des Lautsprecherwagens in Gewahrsam, und stellten eine Anzeige, weil aus dem Lautsprecherwagen ein Verstoß gegen das Telekommunikationsgesetz begangen worden sein soll. Auslöser für die Polizeiaktion war das Abspielen des Liedes „Halte aus“ der Punkband „V-Mann Joe“ aus dem Jahr 1995. Dieses ist frei im Handel verfügbar und weder indiziert noch verboten.

Fotos: 1
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10.September: 5000 gegen Überwachungsstaat


5000 Menschen gingen am Samstag den 10.September im Rahmen der 4. „Freiheit statt Angst“-Demonstration gegen den Ausbau des Überwachungsstaat, für freien Datenverkehr und den Abbau von Bürgerrechten im Rahmen des „Krieges gegen den Terror“ auf die Strasse. Ungefähr 800 davon schlossen sich einem explizit linksradikalen und antikapitalistischen Block an der unter dem Motto „Uns wird’s zu bunt! Überwachunsstaaten wegputzen“ auf den Zusammenhang zwischen Überwachung und den herrschenden kapitalistischen Zuständen aufmerksam machen wollte. Das Netzwerk „Out of Control“ machte in einem Redebeitrag auf den Ausbau (digitaler) Überwachungs- und Kontrollstrukturen im Rahmen einer präventiven Aufstandsbekämpfungspolitik der Herrschenden aufmerksam. Die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) grüßte die wegen angeblichen Aktionen der „militanten Gruppe“ gegen Bundeswehrfahrzeuge verurteilten Antimilitaristen Axel, Oliver und Florian die zur Zeit ihre Haftstrafe in Berliner Knästen absitzen müssen. Die ARAB wies in diesem Zusammenhang auf das Kundus-Massaker der Bundeswehr vor 2 Jahren hin und erklärte: „ Die Bomben, die die Zivilsten verbrannten waren legal. Die Brandsätze die Krieggerät unbrauchbar machten waren illegal. Uns ist das Egal. Für uns war das praktische und mutige Friedens- und Abrüstungspolitik.“. Ausserdem wurden die Polizeimorde an Psychatrisierten Menschen in Mannheim und Berlin in den vergangenen Wochen aufmerksam gemacht und daraufhin gewiesen das der Führer der berüchtigten Prügelhundertschaft „23“ für die tödlichen Schüsse auf eine 53-jährige Frau Ende August im Märkischen Viertel verantwortlich sein soll. Auch die militärische Flüchtlingsbekämpfung im Rahmen der Grenzschutzagentur „Frontex“ wurde in Redebeiträgen thematisiert. Die Demonstration endete gegen 15 Uhr am Alexanderplatz mit einem Kulturfestival. Die Polizei zeigte derweil ihre famosen „Antiterrormaßnahmen“ vor Ort und sperrte große Teile des Alex wegen „verdächtiger Gepäckstücke“ die von einem Sprengstoffroboter spektakulär gesprengt wurden um den 10. Jahrestag der Anschläge vom 11.September würdig zu begehen. Im Anschluss fand noch eine Stadtrally statt in dessen Rahmen verschiedene „Orte der Überwachung und Kontrolle“ besucht worden sind.

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