Dont belive the hype! Religionskritische Inforeihe


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Um einen inhaltlichen Input zu den bevorstehenden Protesten gegen den Papst-Besuch zu ermöglichen präsentiert euch die NEA und das „not welcome„-Bündnis die religionskritische Inforeihe „Dont belive the Hype“. Hier die folgenden Termine:

2.September | Christlicher Fundamenatlismus | 19:00 Uhr | K9 (Referent: Georg Klauda)

8.September | Der klerikale Panzergeneral und sein Trupp | 19:00 Uhr | Bunte Kuh (NEA & LAG Antifa Die.Linke)

14.September | Kirche und Staat – eine unheilige Allianz | 19:00 Uhr | Junge Welt-Ladengalerie (Carsten Frerk)

15.September | Zwischen Verantwortung und Anpassung: der „Sündenfall“ der katholischen Kirche und christliche Widerstandskultur | 20:30 Uhr | Bandito Rosso (AIS)

18.September |Bastelworkshop für die Anti-Papst-Demo |13:00 Uhr | Bunte Kuh


Christlicher Fundamentalismus
Sexuelle Normalisierung und christliche Wiedererweckung in den USA
02.09.2011 | 19:00 Uhr | K9 | Kinzigstraße 9
Referent: Georg Klauda
Publikationen: “Die Vertreibung aus dem Serail”

Anfang des 21.Jahrhunderts: Der amerikanische Fernsehprediger Pat Robertson, dessen Christian Broadcasting Network in 180 Ländern und 71 Sprachen sendet, macht für den Wirbelsturm Katrina die Legalisierung von Abtreibung und für das schwere Erdbeben in Haiti einen Pakt der haitianischen Bevölkerung mit dem Teufel verantwortlich. 130 Jahre nach dem Tod von Charles Darwin glauben Umfragen zufolge noch immer mehr Amerikaner an Satan als an die Evolution. Und 50 Jahre nach der sexuellen Revolution scheint niemand etwas dabei zu finden, wenn unter US-Soldaten im Kriegseinsatz 20.000 Anti-Onanie-Päckchen mitsamt Bibeln und aufdringlichen Keuschheitswarnungen verteilt werden – inmitten des sog. wissenschaftlich-technologischen Zeitalters, in einem der „entwickeltsten“ Länder der Erde, feiert dumpfer Glaubensirrsinn wieder fröhliche Urstände.

Auf den Schwingen staatlicher Abstinenzprogramme unternimmt er es, seine reaktionäre und virulent homophobe Sexualmoral einmal mehr in den globalen Süden zu exportieren. Anhand von Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung sowie aktueller religionssoziologischer Befunde wird der Referent der Frage nachgehen, wie sich die seltsame Renaissance von Fundamentalismus und sexueller Bigotterie im Herzen der westlichen Gesellschaft erklären lässt. Und warum die amerikanische Lesben- und Schwulenbewegung mit ihrer „Biorhetorik“ (R. A. Brookey) auf diese Herausforderung eine ebenso ungeeignete Antwort liefert wie der neoliberale Weltanschauungsdarwinismus von Dawkins‘ „Neuen Atheisten“.

Georg Klauda ist Soziologe aus Berlin und Autor des 2008 im Hamburger Männerschwarm-Verlag erschienenen Buches „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von North-East Antifascists [NEA] und VOSIFA

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Der klerikale Panzergeneral und sein Trupp
Die braunen Seilschaften Joseph Ratzingers und der katholischen Kirche
08.09.2011 | 19:00 Uhr | Bunte Kuh | Bernkasteler Straße 78
Referent_innen: North-East Antifascists [NEA] & LAG Antifa Die.LINKE

Die HJ-Mitgliedschaft Joseph Ratzingers war im Rahmen seiner Ernennung zum Papst immer wieder Gegenstand der öffentlichen Debatte. Das sich das Kirchenoberhaupt seit Jahren Antisemitisch und Geschichtsrevisionistisch äußert wurde hingegen kaum thematisiert. Selbst glühende Franco-Anhänger wie Erzbischof Marcel Lefebvre oder Holocaustleugner wie der Pius-Bruder Williamson konnten sich in der Vergangenheit Ratzingers Schutz gewiss sein.
Sei es das Verhalten von Benedikt XVI, die offizielle Anerkennung des Vatikans als eigener Staat durch Benito Mussolini 1929 oder die Fluchthilfe für hochrangige Nazi-Kriegsverbrecher, die braunen Seilschaften der katholischen Kirche haben eine lange Tradition.

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Kirche und Staat – eine unheilige Allianz
14.09.2011 | 19:00 Uhr | Junge Welt-Ladengalerie | Torstraße 6
Referent: Carsten Frerk

Bereits der erste Marketing-Direktor des Christentums, der es auch als solches geschaffen hat, ermahnte in seinen Briefen die Gläubigen, gefälligst das Geld zu spenden, das die Priester brauchten, damit sie nicht anderweitig arbeiten gehen müssten. Und so ist es kein Zufall, dass einige Fachbegriffe der Ökonomie christliche Wurzeln haben. Das „Credo“ wird zum „Credit“, die „Offenbarung“ zum „Offenbarungseid“, etc. Auch grundlegende Marketingprinzipien hat die katholische Kirche der Wirtschaft schon früh vorexerziert: Vom „corporate identity“ der identischen Firmenbekleidung bis zu der Tatsache, dass die christliche Kirchengebäude aus der römischen Markthalle entwickelt wurden. Dass diese Prinzipien Erfolg haben, zeigt sich insbesondere in Deutschland in der Verbindung von Staat und Kirche, den kirchlichen Einnahmen und dem kirchlichen Vermögen.

Hintergrundinformation:
Im Jahr 2010 erhielten katholische und evangelische Kirche von den Ländern etwa 460 Millionen Euro an Dotationen. Der Klerus begründet diese jährlich vorgenommenen Zahlungen mit den Enteignungen der Kirche während der Napoleon-Ära. Diese liegen zwar rund 200 Jahre zurück und die Reparationen sind längst bezahlt, dennoch pocht die Kirche auf Zahlungen. Ein Blick auf das Land Bayern, das sich in dieser Frage besonders linientreu gibt, offenbart folgende Dimensionen: Im Jahr 2010 erhielten die Kirchen 87,2 Millionen Euro – beruhend auf dem, im Reichsdeputationshauptschluss von 1803, der zwar Entschädigungszahlungen festlegt, jedoch keine Ewigkeitszahlungen. Hinzu kam die obligatorische Kirchensteuer in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Carsten Frerk ist Autor des vor kurzem erschienenen „Violettbuches“ über die Finanzierung und das Vermögen der Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Frerk wird in seinem Referat anhand von statistischem Material, aber auch einer Reihe selbst vorgenommener Schätzungen belegen, wie der Klerus über ihre Kirchensteuereinnahmen hinaus jeweils von staatlicher Unterstützung profitiert.

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Zwischen Verantwortung und Anpassung: der „Sündenfall“ der katholischen Kirche und christliche Widerstandskultur
15.09.2011 | 20:30 Uhr | Bandito Rosso | Lottumstraße 10a
Referent_innen: Antifa Initiative Schöneberg [AIS]

„Es gibt unter Umständen eine nicht nur erlaubte, sondern göttlich geforderte Resistenz gegen die politische Macht, eine Resistenz, bei der es dann unter Umständen auch darum gehen kann, Gewalt gegen Gewalt zu setzen. Anders kann ja der Widerstand gegen die Tyrannei, die Verhinderung des Vergießens unschuldigen Blutes vielleicht nicht durchgeführt werden.“
(Karl Barth 1938, Theologe, Kirchenkritiker und Mitbegründer der Bekennenden Kirche)

Die Kollaboration des Vatikans mit dem Nationalsozialismus ist kein skandalöser Vorfall, kein spezifisches Phänomen des deutschen Nationalsozialismus. Der Bund zwischen einem aggressiv expandierenden Tyrannen und einem korrumpierten Klerus wurzelt nicht nur in der Verschmelzung von Staat und Kirche während des 4. Jahrhunderts durch Kaiser Konstantin, er markiert auch die Entstehungsstunde der Großkirche. Die Geschichte der katholischen Kirche ist die Geschichte der radikalen Preisgabe einer streng pazifistischen Religiösität zugunsten einer Transformation zur Kriegsideologie, heute von Theologen als „Sündenfall“ euphemisiert. Gab es Zielsetzungen der Kirchenideologie, die sich mit denen der staatlichen Gewalt überschnitten? Wo sind die moralischen Verstrickungen zwischen kirchlicher und staatlicher Macht zu suchen?

In dem Vortrag werden die ideologischen Weichenstellungen des Christentums vom Alten Testament bis zur Spätantike analysiert, der Bund mit der weltlichen Obrigkeit, das wechselseitige Nutzverhältnis und die historisch-politischen Konsequenzen daraus untersucht. Die Verfolgung durch die verschränkte kirchliche Staatsmacht traf durch die Jahrhunderte neben dem „konkurrierenden“ Judentum stets solche auflehnenden christlichen Kollektive, die die räsonierende Hegemonie der Großkirche nicht anerkannten. Von diesen Kollektiven werden exemplarisch die Bewegung der Donatisten und Agonostiker im 4. Jahrhundert und die Bewegung der Katharer im 13. Jahrhundert herausgegriffen und ihr philosophischer Hintergrund beleuchtet. Gerade anhand der Kreuzzüge gegen die Katharer 1208 – 1251 wird eindrücklich gezeigt, dass sich der unbarmherzige Eliminierungswunsch gegen Andersdenkende und Andersgläubige als religiöse Seitenflanke territorialer Krieg eignet. Aber die Opfer der Katholiken, die sich während der Kämpfe auf die Seite der Katharer stellten, zeigen genauso eindrücklich, dass auch die Solidarität schon immer eine Waffe war.

Mit diesem Rückblick wird das konforme Verhalten des Papstes gegenüber dem NS-Regime in einen historischen Kontext gerückt und mit der Zustimmung der christlichen Parteien für das Ermächtigungsgesetz in Zusammenhang gebracht – aber nicht beurteilt, da auch die deutsche katholische Kirche von der Verfolgung bedroht wurde. So war auch der von den Amerikanern sogenannte „antifaschistische Kirchenkampf“ der Bekennenden Kirche eine evangelische Protestbewegung gegen die staatliche Einmischung. Er erfolgte nicht homogen aus einem antifaschistischen Selbstverständnis, sondern wurde von einer Splitterorganisation bekennender Geistlicher praktiziert. Diese Aktivist_innen waren es, die Karl Barths Postulat der „göttlich geforderten“ Resistenzpflicht erfüllten und dafür in die Konzentrationslager verschleppt wurden.

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Meine Transpis – meine Schilder – mein Block.
Bastelworkshop für die Anti-Papst-Demo.
18.09.2011 | 13:00 Uhr | Bunte Kuh | Bernkasteler Straße 78

Bringt Sprühdosen, Klebeband (Gaffa? Wie immer Mangelware!), Nägel, Hämmer, Messer, Cutter, Scheren, Marker und vor allem eigene Ideen mit. Wir basteln Schilder, Verkleidungen, Transparente und anderen Kram für die Anti-Papst-Demo am 22. September. Ab 13.00 Uhr gibt’s Brunch und Lagebesprechung, 14.00 Uhr maximalen kalvinistischen Arbeitsethos!


1 Antwort auf „Dont belive the hype! Religionskritische Inforeihe“


  1. 1 Veranstaltungshinweis Berlin II « rhizom Pingback am 28. August 2011 um 15:52 Uhr
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