Brandanschlag auf das Georg-von-Rauch-Haus


Am frühen Morgen des 25.11.2011 verübten bisher Unbekannte einen schweren Brandanschlag auf das Wohn- und Kulturprojekt Georg-von-Rauch-Haus. Bei dem Anschlag wurden 14 Menschen, darunter 2 Kinder verletzt. Der Großteil erlitt Rauchgasvergiftungen, zwei Bewohner_innen konnten sich nur durch Sprünge aus dem Fenster retten und liegen nun mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus. Allen Verletzten, Bewohnern und Gästen des Rauchhauses gilt unsere Solidarität! Wer direkt helfen möchte, schaut einfach im Rauchhaus vorbei. Das Haus ist schwer beschädigt. Auch in der kommenden Zeit wird dort Hilfe benötigt.

Aktionstag: Mittwoch | 28. 12. | ab 10 Uhr | Rauchhaus
öffentliches Plenum: Donnerstag | 29. 12. | 19 Uhr | Rauchhaus

Erklärung des Georg von Rauch Haus: [hier]

Das Georg-von-Rauch-Haus wurde nach einem von der Polizei erschossenen Militanten der Stadtguerilla „Umherrschweifenden Haschrebellen“ benannt und ist mit über 40 jahren eines der ältesten Besetzten Häuser der BRD. Die linksradikale Band „Ton, Steine, Scherben“ widmete dem Haus den „Rauch-Haus-Song“, eine der Hymmnen der Hausbesetzer_innenbewegung. Seit 40 Jahren ist das Rauch-Haus ein Treffpunkt der rebellischen Jugend und der radikalen Linken. Als unkommerzieller Freiraum für Kultur und Politik diente es Generation linksradikaler und subkultureller Aktivist_innen als Ort für Ideen, Utopien und Solipartys. ARAB, ALB und DKM haben im September 2011 am Rauch-Haus ein Gedenkwandbild für die Münchner Internationalistin Andrea Wolf gemalt und den Innenhof des Georg-von-Rauch-Hauses symbolisch in Ronahi-Platz umbenannt.

Das Rauch-Haus ist einer der Orte in Berlin, der für die Geschichte der revolutionären Linken in der BRD seit 1968 steht. Wir rufen dazu auf das Rauch-haus mit Geld und Sachspenden zu unterstützen.Lasst die Freunde nicht allein. Abgebrannt ist das Rauch-Haus, gemeint sind wir alle!

Der Anschlag weist Parallelen zu einer Brandanschlagsserie im Juni 2011 auf. Das Rauchhaus steht, wie die damals angegriffenen Projekte, auf der Internetseite des „Nationalen Widerstands Berlin“, eine der zentralen Webseiten der gewalttätigen Berliner Neonazi-Szene. Bereits im Juni ging eine E-Mail über einen internen Neonaziverteiler in der es heißt „Brecht den Terror der Roten! Linke Lokalitäten sind auf der Berliner Widerstandsseite zu finden“, kurz darauf wurde an insgesamt fünf Gebäuden versucht Feuer zu legen. Im November 2011 wurde eines der im Juni angegriffenen Objekt, das Jugendzentrum Anton-Schmaus-Haus in Neukölln, erneut angezündet. Die Polizei war in allen Fällen bisher nicht in der Lage Täter zu ermitteln.

Nach dem handfesten Skandal um die mordenden Neonazis des NSU wird einmal mehr deutlich: Antifa muss praktisch werden! Keine Untersuchungsausschüsse, keine neuen Überwachungsdateien und erst recht kein Verfassungsschutz wird mordende Neonazis aufhalten. Werdet aktiv und zeigt Solidarität!

Erklärung des Rauchhauses

Am Morgen des 25. Dezember wurde im Georg von Rauch Haus an zwei verschiedenen Stellen im Eingangsbereich Feuer gelegt. Durch das sich ausbreitende Feuer kam es zu einer immensen Rauch- und Hitzeentwicklung im Haus. Gleichzeitig fielen Strom und Wasser aus, was eigene Löschversuche unmöglich machte.
In dem Haus, in dem über 35 Personen leben, wurden schlafende Bewohner_Innen durch den Rauch bzw. Schreie wach, wobei es ihnen zum Teil unmöglich war durch die Treppenhäuser zu fliehen. Zu stark waren Rauch und Hitze. Einige sind von ihren Fenstern aufs Dach geklettert, bis sie von der Feuerwehr heruntergeholt wurden. Andere haben versucht aus ihren Fenstern auf die Straße zu gelangen. Durch Stürze sind zwei Hausbewohner mit (teilweise komplizierten) Knochenbrüchen immer noch im Krankenhaus und müssen operiert werden. Ein Bewohner hat sich beim Greifen ans glühende Treppengeländer schwere Verletzungen an den Händen zugezogen. Weitere Personen wurden mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Die Bausubstanz des Hauses ist durch den Brand weitestgehend unbeschädigt geblieben.
Nach dem Ende der Löscharbeiten war die Polizei/Kripo ca. zwei Stunden im Haus und durchsuchte dabei auch mehrere Zimmer.

Spekulationen über Täter wollen wir zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich nicht unterstützen, da es bisher weder Zeugen, noch Bekennerschreiben jeglicher Art gibt. Jedoch sehen wir in dieser Tat einen Angriff auf das Haus, deren Bewohner und das wofür das Rauchhaus steht. DIESER BRANDANSCHLAG WAR EIN VERSUCH MENSCHEN ZU TÖTEN!!! Nur durch das bedachte Handeln der Bewohner und dem schnellen Eintreffen der Feuerwehr können wir von Glück sagen, dass es dazu nicht gekommen ist.

Auch wenn es uns im Moment schwer fällt, wollen wir nicht in Schock-starre verfallen. Wir planen zusammen mit den vielen solidarischen Unterstützer_Innen, die in den letzten Tagen ihre Hilfe angeboten haben UND BEI DENEN WIR UNS AN DIESER STELLE GANZ HERZLICH BEDANKEN WOLLEN, einen Aktionstag durchzuführen an dem wir gemeinsam und selbst organisiert die Brandschäden reparieren. Der Anschlag auf die Struktur/Kultur/Szene für die das Rauchhaus steht soll genau diese mobilisieren und zusammenbringen. Ein Angriff aufs Rauchhaus ist ein Angriff auf uns alle!

Wir laden euch ein an unserem Aktionstag am Mittwoch, 28. 12. ab 10 Uhr und an unserem öffentlichem Plenum am darauf folgenden Donnerstag, 19 Uhr, teilzunehmen. Auch wenn die Lage für uns zur Zeit noch sehr unübersichtlich ist – es gibt viel zu tun und wir wollen einen ersten Schritt machen.

Mit solidarischen Grüßen, G.v.Rauch Haus, 1971-2011