Für ein revolutionäres Jahr 2012


Das Jahr 2011 ist vorbei, der Protestler ist vom Time-Magazin zur Person des Jahres gewählt worden und in immer mehr Staaten, nicht nur in Nordafrika und dem Nahen Osten, wird aus der ökonomischen Krise eine politische. „Es herrscht ein großes Chaos unter dem Himmel, aber die Bedingungen sind exzellent“ (Mao). Das Rad der Geschichte scheint sicht im Moment, angetrieben von den mörderischen Triebkräften des freien Marktes, schneller zu drehen als sonst. Die Verhältnisse spitzen sich dramatisch zu. Das Jahr 2011 hat Regime in Nordafrika stürzen sehen, 6 Generalstreiks in Griechenland und tausende lokale Streiks und Klassenauseinandersetzungen rund um den Erdball, einen NATO-Krieg gegen Libyen, eine militärische Eskalation des Konfliktes zwischen der kurdischen Befreiungsbewegung und dem türkischen Staat, einen Super-GAU in Japan, einen vermehrten Absatz von Zelten und Guy Faulkes-Masken in der bestimmten Protestmilieus von New York bis Madrid und die totale Kapitulation des deutschen Imperialismus beim Euro-Vision-Songcontest. Doch während der deutsche Imperialismus Kulturell durch Aserbaidschan vernichtend geschlagen wurde, konnte er seine politische und ökonomische Dominanz sowohl innerhalb Europas wie auch weltweit weiter ausbauen. Es ist also viel passiert. Und 2012 verspricht keineswegs ein ruhigeres Jahr für das ambitionierte revolutionäre Subjekt zu werden. Wir wollen die Gelegenheit des Jahresumbruches nutzen um auf das Jahr 2011 aus Sicht der ARAB zurückzublicken und ein kurzen Blick auf die anstehenden Kämpfe und Aktionen des Jahres 2012 zu werfen.

Januar
Begonnen hat das politische Jahr 2011 für uns wie in der vorangegangenen mit der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration inklusive grandioser Party und Konferenz Mitte Januar. Guttenberg galt als politische Hoffnungsträger der Nation und Mubarak noch als verlässlicher Stadthalter des Kapitals in Kairo. Schon einen Tag später musste Präsident Ben Ali wegen einer Revolte der Bevölkerung „sein“ Land Tunesien fluchtartig verlassen. Der Bundestag verlängerte am 28.Januar mit überwältigender Mehrheit das Mandat für „unsere Jungs“ in Afghanistan, wir protestierten hingegen gemeinsam mit 450 anderen Antimilitaristen schonmal präventiv am 22.Januar in Neukölln unter dem Motto „No War! No Nato! No Capitalism!“ gegen den Scheiss. Die Demo stand im Rahmen eines Aktionstages des revolutionären „3a„Bündnis, mit dem wir anfang des Jahres auch eine Broschüre zu dem Thema rausgegeben hatten. Gegen die staatlichen Besatzungsarmee in unseren eigenen Kiezen ging es hingegen eine Woche später unter dem Motto „Still not loving Police!“, einer Demonstration gegen den EU-Polizeikongress, der Februar 2011 in Berlin tagte (und 2012 tagt). Diese Besatzungsarmee in den Kiezen war auch einen Tag später Thema auf der Grossdemonstration gegen die drohende Räumung des linkes Hausprojektes „Liebig 14″. Dort äusserte sich die Kritik an Staatsgewalt und Überwachung vorübergehend auch mal ganz praktisch.

Februar

Geräumt wurde die Liebig 14 dann am 2.Februar von 2500 Polizisten und eine Welle von Protesten und militanten Aktionen wie sie Berlin bei einer Hausräumung lange nicht erlebt hatte überzog die Stadt. Die Wut über die hohen Mieten und die Verdrängung ganzer Bevölkerungsgruppen aus der Innenstadt hatte den Aktivisten der Liebig14 auch über die radikale Linke hinaus einige Sympathisanten beschehrt. Währendessen hatten die Revolten in Tunesien in anderen Teilen Nordafrikas und der arabischen Welt ihre Nachahmer gefunden und in Ägypten begannen Teile der Kapitalfraktion sich ernsthaft Gedanken zu machen ob es nicht an der Zeit wäre das Pferd zu wechseln. „Gestern Tunesien, Heute Ägypten, Morgen Kurdistan“ hatte ein Gruppe kurdischer Studierender auf ein Transparent gemalt, das sie auf einer Demonstration von zehntausenden Kurd_innen aus ganz Europa für die Freiheit von Abdullah Öcalan am 12.Februar im französischen Strassbourg trugen. Die Hoffnung, das die Ereignisse des „arabischen Frühlings“ auch eine positive Auswirkung aus die Lebensbedingungen der kurdischen Bevölkerung in der Türkei haben, hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil konnten der türkische Imperialismus und die AKP-Regierung die Ereignisse nutzen um ihren Einfluss in der Region auszubauen. Auf der gleichen Demonstration gab es auch Block kurdischer und nicht-kurdischer Antifas, die unter dem Motto „Ob Dresden oder Kurdistan – Antifa Genclik International – Schulter an Schulter gegen Faschismus“ für eine kurdische Beteiligung an den Massenblockaden gegen den Naziaufmarsch in Dresden am 19.Februar mobilisierten. 20 000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet reisten an diesem Tag mit Bussen nach Dresden um mit vielfältigen Aktionen den grössten Naziaufmarsch Europas zu verhindern. Es kam zu heftigen Auseinandersetungen mit Nazis und der Polizei, die im Nachhinein gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft eine Hetzjagdt auf Antifas veranstaltete. Empörung gibt es kurzzeitig auch aus dem bürgerlichen Spektrum als rauskommt das die Polizei an diesem Tag hundertausende Handys überwacht hat.

März

Am 5. März erinnern 450 Menschen in Schöneberg an den einen Jahr zuvor von Polizisten ermordeten Slieman Hamade und protestieren mit einem Demonstrationzug zur Bullenwache gegen rassistische Polizeigewalt. Am 8.März wird der „internationale Frauenkampftag“ zum 100sten Mal begangen, die ARAB veröffentlichte gemeinsam mit einem Bündnis Gleichgesinnter_innen eine Broschüre und führte eine Demonstration unter dem Motto „Zusammen Kämpfen gegen Patrichart und Ausbeutung“ sowie eine Veranstaltung zur Perspektive antipatrichaler Kämpfe durch. Japan wird von einem starken Erdbeeben erschüttert was zu einem Super-GAU in einem Kernkraftwerk führt. Statt teurer Roboter setz die Betreiberfirmer preiswertes Menschenmaterial ein um die Schäden zu minimieren. Zum Tag des politischen Gefangenen am 18.März unterstützt die ARAB den Kongress des „Netzwerkes für die Freiheit der politischen Gefangenen im Mehringhof“. Am gleichen Tag feiern bis zu 50 000 Kurd_innen auf den Rheinwiesen in Düsseldorf das kurdische Neujahresfest Newroz und fordern ein Ende der Unterdrückung in der Türkei und der Repression gegen die PKK in Europa. Auch ein Block nicht-kurdischer Internationalist_innen der Kampagne „Tatort Kurdistan“ beteiligt sich an der Demo und fordert eine Ende der Waffenlieferungen an die Türkei. Noch während der Demonstration verbreitet sich die Nachricht das NATO-Streikräfte mit dem Angriff auf Libyen begonnen haben, die radikale Linke in der BRD versagt komplett dabei diesen Angriffskrieg irgendwie zu thematisieren und verfällt in ohnmächtiges Schweigen.

April

6000 Lehrer_innen und einige dutzend Aktivist_innen der SchülerInneninitiative „Bildungsblockaden einreißen!“ streiken in Berlin am 5.April für „Arbeitsentlastung für Ältere“. Es soll nicht die letze, jedoch langweiligste bildungspolitische Protestaktion des Jahres bleiben. 5 Tage später gehen 2000 Kurd_innen in Berlin gegen die Massenverhaftungen gegen kurdische Politiker und Journalisten in der Türkei auf die Strasse. Ein Thema was uns den Rest des Jahres nicht mehr loslassen wird. Der Rest des Monates April ist die ARAB damit beschäftigt die revolutionäre 1.Mai-Demo vorzubereiten. Ingesamt 7 Aufrufe werden von der ARAB verfasst oder Mitunterstützt: Vom bundesweiten „3a“-Bündnis, vom Berliner Demo-Bündnis, vom Kurdistan-Solidaritätskomitee, vom 8.März-Bündnis, vom Jugendblock, von der Vorabend-Demo am 30.4 und von der neugegründeten antikapitalistischen Jugendplattform „Kinder des Zorns“. Deren Aufruf unter dem logischen Titel „Tag des Zorns“ schafft es sogar in die BILD-Zeitung. Aufgrund der fülle von politischen Joint-Ventures verzichtet die ARAB anders als in der Vorjahren jedoch auf einen eigenen Aufruf.

Mai

An der 1.Mai-Demo selbst nehmen 15 000 Menschen teil und fordern eine „soziale Revolution weltweit“. Daneben geht es um die Aufstände in der arabischen Welt, den NATO-Krieg gegen Libyen, Explodierendes Atomkapital, Mietenpreise, Polizeigewalt und immer wieder „ums ganze“. Es werden Banken, ein Polizeirevier und Ausbeuter wie Schlecker attackiert. Im Anschluss an die Demonstration kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am 14.Mai versuchte die Berliner Polizei den Nazis ihren Wunsch eines Marsches durch Kreuzberg zu ermöglichen und verheimlichte der Öffentlichkeit einen geplanten Aufmarsch. Die Nazis bedanken sich bei der Polizei für soviel Unterstützung und zogen vor Begeisterung johlend durch den U-BHF Mehringhof und verprügelten Migrant_innen. Ihren geplanten Marsch mussten sie jedoch absagen, da sich trotz der Polizeistrategie mehrere hundert Menschen eingefunden hatten. Trotzdem werden die Berliner Nazis noch den Rest des Jahres ausgebieg versuchen ihre aktuelle politische Bedeutungslosigkeit durch Aktionismus zu übertünchen. Aus Protest gegen die Strategie der Polizei gab es eine Woche später eine Antifa-Demo in Kreuzberg, die sich mit einer kurdischen Demonstration gegen ein Massaker an Guerillakämpfern der PKK vereinigte und gemeinsam mit über 2000 Menschen zum Mehringdamm zog. Desweiteren kannte der Mai in Berlin noch Proteste gegen Mieterhöhungen und den G8-Gipfel im französischen Deuville

Juni

Der Juni begann mal wieder mit einem Schulstreik, dem 9ten seit sich die Schülerinneninitiative „Bildungsblockaden einreißen“ im Sommer 2006 gegründet hatte. Unter dem Motto “ Zusammen Kämpfen – Gemeinsam streiken“ wurde diesmal besonders die Bedeutung eines gemeinsamen Kampfes mit Angestellten und Arbeiter_innen betont. Danach geht es am 17.Juni mal wieder darum sich einer Provo der Faschos entgegenzustellen, diesmal vor der jungen Welt. Die Polizei weiß auf welcher Seite sie zu stehen hat und nimmt den Geschäftsfüher der linken Tageszeitung fest. Wieder von sich Reden machen die Nazis 10 Tage später mit einer Serie von Brandanschlägen und Angriffen auf linke Projekte. 2000 Menschen beteiligen sich an einer spontanten Protestdemo zum ebenfalls betroffenen Thommy Weissbecker Haus. Ende Juni bestätigt der Bundesgerichtshof des Urteil von 3 Jahre Haftstrafe gegen die 3 Krieggegner und vermeintlichen Mitglieder der „militanten Gruppe“ Olli, Florian und Axel. Ihnen wurde vorgeworfen im August 2007 aus Protest gegen den Krieg in Afghanisten versucht zu haben Bundeswehrfahrzeuge in Brand zu stecken.

Juli

Nachdem die kurdische BDP zusammem mit einem Bündnis kleinerer türkischer sozialistischer Gruppen trotz Manipulation, Hetze und Repression bei den türkischen Wahlen am 12.Juni einen bedeutender Wahlsieg in den kurdischen Gebieten erungen hat, verweigert die AKP-Regierung und ihr gleichgeschalteten Gerichte den Einzug von gewählten Kandidaten ins Parlament und lässt sie stattdessen ins Gefängnis werfen. In den kurdischen Gebieten kommt es zu Aufständen und heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die BDP entscheidet wegen der Repression vorerst das Parlament zu boykottieren. Eine militärische Eskalation des Konfliktes kündigt sich an. Zum 10sten Jahrestages der Ermordung von Carlo Guiliani am Rande des G8-Gipfels in Genua 2001 kommt es in ganz Europa zu Gedenkaktionen und Demonstration. In Berlin versammeln sich mehrere tausend Menschen um unter dem Motto „Rache für Carlo“ unangemeldet durch Kreuzberg zu ziehen. Es kommt zu Angriffen auf die Polizei.
Am 23. Juli zieht ein norwegischer „Wutbürger“ in den Krieg gegen Kulturmarxismus und Islamismus und richtet ein Massaker auf einem Jugendcamp der norwegischen Sozialdemokraten an und zündet Bomben in der Innenstadt von Oslo. Über 90 Menschen sterben. Ein Häuflein von 200 Menschen erinnert eine Woche später in Berlin an die Tat und warnt vor Islamophobie und Rechtspopulismus als „gesellschaftliches Dynamit in der Krise“.

August

Sommerloch? Von Wegen! In England entwickelt sich der Protest gegen einen tödlichen Polizeiübergriff dank schicker „Blackberry“ Handys binnen Stunden zu einem landesweiten Jugendaufstand. In Berlin zeigen 25 Jugendliche vor der britischen Botschaft ihre Solidarität mit den „Plünderern“ und „Gangkidz“. Der Berliner Wahlkampf ist im vollen Gang und den Nazis wird auf die Pelle gerückt, wofür sich nach den Brandanschlägen und Demonstrationsversuchen der Nazis in letzter Zeit sogar ein eigenes Bündnis bildet. In Kurdistan schreitet derweil die militärische Eskalation weiter voran. Alle Angebote der kurdischen Bewegung und der PKK werden von der türkischen Regierung ausgeschlagen. Es wird die Parole „Friedensvertrag oder revolutionärer Volkskrieg“ ausgegeben. Statt Friedensverträge hagelt es jedoch aus Ankara Napalmbomben und Verhaftungen. Die PKK kündigt den Waffenstillstand und führt mehrere spektakuläre Aktionen gegen das türkische Militär durch. Das greift ab dem 17.August die Gebirgszüge des Nordiraks mit seiner Luftwaffe an, trifft aber statt PKK-Stellungen vor allem die Infrastruktur der dortigen Dorfbevölkerung. Protestiert wird gegen die Politik der Türkei in Berlin am 23.August und am 27.August. Was deutsche Polizeiwertarbeit heisst können wir am 24.August erfahren. Da erschiesst der Führer der berüchtigten 23sten Hundertschaft eine Reinickendorferin in ihrer Wohnung, die Proteste dagegen bleiben leider marginal.

September

Der 1.September wird in vielen Ländern der Welt als „Weltfriedenstag“ begangen und an den Überfall Deutschlands auf Polen und den damit verbundenen Beginn der 2.Weltkrieges erinnert. Die Kampagne „Tatort Kurdistan“ nutzte den Tag für einen bundesweiten Aktiontag gegen die deutsche Unterstützung für das Morden in Kurdistan. Aktivist_innen verschütteten Literweise Blut vor dem Berliner Büro des Rüstungsproduzenten „Krauss-Maffei“. Wer mit dem Krieg angefangen hat ist eine Sache welche die Nazis traditionell nicht so genau nehmen, deshalb mobilisierten sie mal wieder nach Dortmund zum „nationalen Antikriegstag“. Tausende Antifaschisten versuchten sich ihnen in den Weg zu stellen, gerieten dabei jedoch recht rabiat mit der Polizei aneinander. Gegen Überwachung im Computer und im Leben macht seit 2007 das Bündnis „Freiheit statt Angst“ mobil. Antikapitalistische Gruppe gesellten sich auch dieses Jahr mit einem eigenen Block und einer etwas – ähh – handfesteren Überwachungskritik zu der Bündnisdemo, die ARAB war wie immer mit „purem Haß“ für den Überwachungsstaat dabei. Am 14.September werden die seit 1978 untergetauchten GenossInnen Sonja und Christian von Frankreich an Deutschland ausgeliefert, ihnen wird vorgeworfen für die „Revolutionären Zellen“ Anschläge durchgeführt zu haben. Eine Delegation von Freunden und Angehörigen der 1998 vom türkischen Militär ermordeten Münchener Internationalistin Guerillakämpferin, die die Umstände ihres Todes aufklären will, wird vom türkischen Geheimdienst nahe Van gestoppt. Zeitgleich malen Aktivist_innen der ARAB gemeinsam mit Freunden ein Wandbild im Innenhof des Georg-von-Rauch-Hauses um das Gedenken an Andrea Wach zu halten. Am 18.September wird in Berlin gewählt und in China fällt ein Sack Reis um. Die Linkspartei ist endlich erlöst und wir mit Henkel als Innenminister gestraft. Am 22.September besucht der Papst „Ratze“ persönlich die sündige Hauptstadt. 15 000 Menschen nehmen an der Grossdemo gegen das Menschenbild des Sacks teil, über 1000 davon im Block des linksradikalen „Not Welcome“-Bündnis. Vom 20- 25. September treffen sich in Amed/Diyarbakir (Kurdistan) 2000 Aktivist_innen zum 2ten Mesopotanischen Sozialforum um in Zeiten der eskalierenden türkischen Militäroperationen über gesellschaftliche Alternativen zu Kapitalismus, Krieg und Patriarchat zu diskutieren. Die ARAB trifft sich mit revolutionären Jugendorganisationen und gibt mit ihnen gemeinsam eine „Erklärung der revolutionären Jugend der Welt“ heraus. Währenddessen ist die New Yorker Polizei damit Beschäftigt ein von allen belächeltes kleines Häufchen von Spinnern und Hippies namens „Occupy Wallstreet“ zu vermöbeln, was dieser kleinen Gruppe erstmals zu weltweiter Beachtung verhilft.

Oktober

Der von dieser kleinen Bewegun gehypte Termin für weltweite Aktionstag gegen die kapitalistische Krise am 15.Oktober macht Dank deren durch die Polizei herbeigeprügelte Medienresonanz die Runde und trifft vielerorts den Nerv der Zeit. Nachdem sich im Mai schon die Jugendproteste in Spanien an den Zeltplatz des Tahir-Platz in Ägypten orientiert hatten wird nun das Protestcampen im Rahmen der „Occupy“-Bewegung weltweit en vogue. In Berlin beteiligen sich an dem Aktionstag überraschender Weise 15 000 Menschen, obwohl (oder weil?) keine schlagkräftiger Gewerkschaften oder Parteien an der Vorbereitung beteiligt waren. Die von antikapitalistischen und linksradikalen Gruppen (Pfeif) geführte Demospitze ändert im Regierungsviertel spontan die Route und stürmt vor den Bundestag. Dort wird an den Ballustraden gerüttelt, aber das Symbol der repräsentiven Herrschaft wird von der Polizei mit Pfefferspray vorm gemeinen Pöbel geschützt. Die Errichtung eines Camps wird brutal verhindert. Trotzdem treffen sich ab diesem Tag bis tief in den Winter hinein Assamblea vor dem Bundestag. Die „Occupy“ – Bewegung mit allen ihren Schrägen Seiten, aber auch positiven Seiten ist geboren. Das die Polizei noch brutaler kann als vor dem Reichstag darf erleben wer sich eine Woche später zu einer kurdischen Demo gegen den Einmarsch türkischer Bodentruppen in den Nordirak traut, die von der Polizei brutal verdroschen wird. Auch am 22. und 29.Oktober nehmen tausende Menschen an den Occupy-Protesten in Berlin teil.

November:

Das Spiel wiederholt sich in den folgenden Woche mit abnehmender Intensität, bis ein komplett unmotivierte „symbolische“ Umzinglung des Regierungsviertels durch Attac und Campact am 12.November auch noch die letzte Dynamik abwürgt. Die ARAB begleitet die „Occupy“-Proteste von Anfang an mit ihrer Kampagne „Great Crisis Riseup 2 – The Word is ours!“ und beteiligte sich aktiv an den Protesten. Zum Höhepunkt (der eher ein Tiefpunkt war) am 12.November veröffentlichte die Gruppe ein Positionpapier zur Bewegung. Höhepunkt des durch „Occupy“ entfachten heißen Herbstes sollten die Bildungsstreiks am 17.November sein, für die wir seit Anfang September mit unserer „Great Crisis Riseup 2″ Kampagne mobil machten. Das sollte eher ein Wunschtraum unserseits bleiben, mit 6000 Menschen war es am 17.November zwar eine laute und überdurschnittlich antikapitalistische Schülerdemo, die Proteste um die zentrale Demonstration herum (Ihr wisst schon: Blockaden, Besetzungen etc) blieben aber leider faktisch aus. Zu diesem Zeitpunkt kam langsam aber sicher heraus das der Staat über Jahre eine Nazi-Terror-Zelle finanziell unterstützt hatte, die mindestens 8 Menschen ermordet hatte. Die Traditionelle Silvio-Meier-Demo wurde deshalb um das Motto „Verfassungsschutz Verbot jetzt“ bereichert und in den Kontext der Enthüllungen über den Nazi-Terror mit staatlicher Unterstützung gestellt. Im Kontext der NSU-Morde stand auch eine Demonstration unter dem Motto „Staat und Nazis Hand in Hand – Gegen Faschismus und Polizeistaat“ die eine Woche später am 26.Dezember stattfand. Eine bundesweite Grossdemonstration kurdische Vereine gegen das PKK-Verbot die am selben Tag stattfinden sollte wurde hingegen vom Gericht verboten, dutzende Busse auf der Autobahn gestoppt und zurückgeschickt. Die Kurden die es geschafft hatten an den Polizeikontrollen vorbei zu kommen schlossen sich dann der Antifa-Demo an, die ihrerseits nun auch gegen das Verbot der PKK zu Felde zug. Gemeinsam zogen dann ca 5000 Antifaschisten kurdische und nicht-kurdischer Herkunft unter dem Motto „Antifa Genclik International“ in einem schönen Akt internationaler Solidarität durch Kreuzberg. Die Polizei griff die Demo mehrfach mit brutaler Gewalt an, fast 100 Personen wurden verhaftet.

Dezember:

Gegen die Bonner Afghanistan 2-Konferenz protestierten am 3.Dezember mehrere tausend Menschen die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Die Kriegsprofiteur Hochtief wurde mit Farbe angegriffen. Für den am 14.November verstorbenen Kommunisten und Liedermacher Franz-Josef Degenhardt führten wir am 14.Dezember im Zielona Gora einen Gedenkabend durch. Am Morgen des 25.Dezembers wird das Georg-von-Rauch-Haus Opfer eines Brandanschlages. Am 28.Dezember werden der türkisch-irakischen Grenzregion 36 Menschen bei einem türkischen Luftangriff getötet. Statt einer Trupp Guerillakämpfer handelt es sich um ein Gruppe jugendlicher Benzin-Schmuggler. Die BDP spricht von einem Massaker. Die PKK ruft zum Aufstand. In Kurdistan kommt es daraufhin zu Massenprotesten und Ausschreitungen. Auch in Berlin wird protestiert.

2012

Für 2012 wird erwartet das sich die Euro-Krise weiter zuspitzt, die sozialen Schweinereien und die Klassenkämpfe zunehmen. Wen wir Pech haben bekommt die CDU und die FDP Konkurrenz durch eine neue Rechtspopulistische „Pro DM“-Partei, wenn wir Glück haben bekommt Berlin eine soziale Protestbewegung gegen den Rot-Schwarzen-Senat und die kapitalistische Zurrichtung der Stadt. Die Occupy-Bewegung und ihre Nachfolger werden noch von sich hören lassen und wenn alles richtig Scheiße läuft steht ein Krieg gegen den Iran auf den Programm. Auf dem ARAB-Terminkalender stehen neben dem LL-Wochenende und dem großartigen 5jährigen ARAB-Jubiläum im RAW-Tempel am 14.Januar, die Proteste gegen Polizeikongress und Urban Operations Conference Ende Januar, die Antifa-Aktionen in Dresden und die Grossdemo für die Freiheit von Öcalan Mitte Februar, der Tag des politischen Gefangenen und das kurdische Neujahresfest im März, der 25ste Jahrestag des „Kreuzberger Aufstandes“ von 1987 am 1.Mai, die Blockade des Bankensektors in Frankfurt im Mai und die Aktionen im Gedenken an 20 Jahre „Rostock-Lichtenhagen“ und faschistische Progrome im August. Auf dem 1-Jahres Plan stehen als dringend Punkte für die radikale Linke in der BRD „in der Arbeiterklasse verankern“ und „Spaltung überwinden“. Ohne Witz. Wir meinens ernst. Es ist also viel zu tun. Packen wir´s an Denn wie sagt Brecht so schön: So wie es ist bleibt es nicht!