Heraus zum internationalen Frauenkampftag


Auch im Jahr 2012 stellt der 8. März als internationaler Frauenkampftag für uns als revolutionäre Linke einen wichtigen Bezugspunkt dar. Frauen sind immer noch besonders unterdrückt, hier in den imperialistischen Metropolen und in den unterdrückten Ländern.

Sie verdienen weniger Lohn, werden in Schule und Ausbildung benachteiligt, ihr Körper wird durch Medien und Werbung zu einer Ware herabgewürdigt. Gewalt gegen Frauen ist Alltag. „Gleichberechtigung“ gibt es, wenn überhaupt, nur auf dem Papier. Diese Unterdrückung der Frau resultiert aus den Eigentumsverhältnissen und den patriarchalen Strukturen der Gesellschaft.

Der gemeinsame Kampf von emanzipierten Frauen und Männern für Gleichberechtigung muss sich gegen diese Verhältnisse richten. Die Befreiung der Frauen kann nur durch die grundlegende Veränderung dieser Gesellschaft erfolgen. Kollektive Organisation der Reproduktionsarbeit und Vergesellschaftung der Produktionsmittel sind die Grundvorraussetzungen, die von uns im Kampf gegen die alte Ordnung geschaffen werden müssen.

Kampf um die Befreiung der Frauen!
Auf die Straße in der Tradition des 8. März!

3a- Revolutionäres Bündnis | Berliner Bündnis 8.März | Veranstaltungen zum 8.März in Berlin Diskussionspapier der kurdischen FrauenbewegungPDF

Aufruf des Berliner Bündnisses:
Heraus zum internationalen Frauenkampftag 2012!

Am 19. März 1911 wurde, auf Beschluss der 2. internationalen Frauenkonferenz, zum ersten Mal der internationale Frauentag begangen. Im Mittelpunkt standen damals die Forderung nach dem Frauenwahlrecht, Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt und der Kampf gegen den imperialistischen Krieg. Das war eng mit dem Streben verknüpft, die bestehenden kapitalistischen Verhältnisse zu überwinden, denn, so Clara Zetkin, „die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein“.

Die von der herrschenden Klasse forcierte Loslösung der Geschlechterfrage von den kapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnissen lässt den internationalen Frauenkampftag im bürgerlichen Mainstream zu einem zweiten Valentinstag verkommen. Trotz formaler Gleichsetzung bestehen patriarchale Herrschaftsverhältnisse weiter und die Frau muss sich noch immer der doppelten Ausbeutung und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und in der Familie unterziehen. Alle Versuche die Ungleichheiten durch Reformen zu beseitigen, sind zum Scheitern verurteilt, da sie nicht an deren Wurzel, der kapitalistischen Gesellschaft, ansetzen.

Die vor 100 Jahren erhobene Forderung nach „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ beweist auch heute ihre Aktualität, denn Frauen verdienen im Durchschnitt 23% weniger als Männer. Enter raus
Durch fehlende Kinderbetreuung und der traditionellen Zuschreibung der Kindererziehung zur Frau müssen sie sich häufig in prekäre Beschäftigungsformen, wie Leiharbeit und Minijobs, einfügen und stellen den Großteil der im Niedriglohnsektor Beschäftigten.

Von dieser Arbeit können die wenigsten Leben, wodurch ihnen ein selbstbestimmtes Leben verwehrt bleibt. Der, seit Beginn der Wirtschaftskrise, vermehrte Stellenabbau im öffentlichen und sozialen Bereich, also den Bereichen der „typischen Frauenberufe“, führt dazu, dass Frauen wieder zurück in den Haushalt gedrängt werden.

Schon im frühesten Kindesalter werden Mädchen in „typische Frauenrollen“ gedrängt, indem sie Puppen statt Autos geschenkt bekommen und in der Schule meist nur in „Mädchenfächern“ wie Musik und Sprachen gefördert werden. Mit der ersten Barbie wird ihnen gezeigt, wie Frauenkörper idealer Weise auszusehen haben. Das Schönheitsbild, das unter anderem durch Medien und Industrie produziert wird und mit realen Körpern nicht viel gemein hat, führt dazu, dass Mädchen und Frauen nach vermeintlicher Perfektion streben und nicht selten an z.B. Essstörungen erkranken. Verantwortlich dafür ist die kapitalistische, patriarchale und profitorientierte Gesellschaft, insbesondere die Modeindustrie, welche vor allem durch Vermarktung des weiblichen, möglichst mageren und nackten, Körpers funktioniert.

Die Vermarktung des weiblichen Körpers geht bis zu dessen Verkauf durch Prostitution. In der BRD arbeiten ca. 400.000 Frauen als Prostituierte. Satz doch nicht streichen!!!
Von der männlich dominierten Mehrheitsgesellschaft ist keine Kritik zu erwarten, denn tagtäglich nehmen 1,2 Millionen Männer diese „Dienstleistung“ in Anspruch. Der deutsche Staat toleriert diesen Verkauf und legitimiert die damit verbundene Ausbeutung und Erniedrigung der Frau. Somit wird auch hier das Profitinteresse der herrschenden Klasse vertreten.

Ein weiterer Eingriff in die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist der §218 StGB. Ein Schwangerschaftsabbruch wird zwar nicht mehr strafrechtlich verfolgt, aber die Möglichkeit des staatlichen Eingreifens bleibt durch die 3-Monatsfrist und die Verpflichtung eines Beratungsgespräches bestehen. Dazu kommt, dass Beratungsstellen teils kirchliche Träger haben. Abtreibung wird dort oft geächtet und als Mord dargestellt und es wird versucht der Frau den Abbruch auszureden.

Zu den psychischen Zwängen, denen Frauen im Alltag ausgesetzt sind, kommen oft körperliche Erfahrungen von Gewalt und Unterdrückung. So ist jede siebte Frau über 16 in der BRD bereits betroffen von sexualisierter Gewalt gewesen, weltweit jede dritte. Die Spanne erstreckt sich von bereits beschriebenen „alltäglichen“ Sexismen der Gesellschaft über Belästigung, z.B. am Arbeitsplatz oder der Schule, bis hin zu sexuellem Missbrauch, Vergewaltigungen und Menschenhandel. So gab es allein in der BRD im Jahr 2010 knapp 8.000 Anzeigen wegen Vergewaltigung, wobei die Dunkelziffer bis zu 10 mal höher geschätzt wird. All dies macht deutlich, dass die Frage der Emanzipation keineswegs gelöst ist und lediglich am Rande noch „Ausrutscher“ vorkommen, sondern dass die kapitalistische Gesellschaft auf der Unterdrückung der Frau basiert.

Um die internationale Dimension unserer Kämpfe nicht aus dem Blick zu verlieren, muss man auch auf aktuelle Kämpfe eingehen, die tagtäglich jenseits der kapitalistischen Metropolen von Frauen geführt werden. Als positives Beispiel kann uns die kurdische Frauenbewegung vorangehen. Sie setzen sich für eine demokratisch-ökologische und geschlechterbefreite Gesellschaft, Selbstbestimmung und die Überwindung patriarchaler und kapitalistischer Strukturen ein. Organisiert sind sie meist in basisdemokratischen Frauenräten.

Die Frauenfrage muss wieder stärker in den Fokus rücken, damit eine klassenkämpferische Frauenbewegung entstehen kann und die Emanzipation der Frau und der gesamten Menschheit vom Kapitalismus verwirklicht werden kann. Um den Umsturz der Verhältnisse zu erwirken müssen wir an vergangene und aktuelle Kämpfe anknüpfen, „alle Verhältnisse umwerfen in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist!“ (Karl Marx) und uns mit allen fortschrittlichen Bewegungen weltweit solidarisieren. Unser Ziel muss die Überwindung der Geschlechtergegensätze sein, womit die Überwindung der Klassengegensätze und letztendlich des Kapitalismus zwingend notwendig wird.

Nieder mit dem Patriarchat! Nieder mit dem Kapitalismus!
Für eine solidarische und emanzipierte Gesellschaft!

3. März:
Großdemonstration „NEIN zu Feminizid und Genozid!“
11 Uhr Hauptbahnhof/Dom Köln

8. März:
Internationaler Frauentag – ein historisches Tagebuch
Kampf gegen Krieg, Faschismus, Ausbeutung und für Solidarität
19 Uhr Café Commune

9. März:
Die Freiheitsbewegung der Frauen Kurdistans
20.30 Uhr Zielona Góra | Grünberger Str.72

10. März. – 11.März:
Seminar für Frauen:
Neue Utopien für einen internationalistischen Feminismus
Schritte auf dem Weg in eine geschlechterbefreite Gesellschaft
Samstag, den 10.3.2012 12-18 Uhr und Sonntag, den 11.3.2012 15-18 Uhr
Migrationsrat Berlin – Brandenburg, Oranienstraße 34

11. März:
DKP-Matinee zum Internationalen Frauentag
„Her mit dem ganzen Leben“ Kultur und Politik, u.a. mit dem Hans-Beimler-Chor
11.00 Uhr, ND-Gebäude, Seminarraum 1, Franz-Mehringplatz 1

14.März:
Feminismus aus anarchistischer Perspektive am Beispiel Emma Goldmanns
20:00 Uhr | Bunte Kuh | Bernkasteler Str. 78, 13088 Berlin

15.März: „Queer Theory gegengelesen: Judith Butler und ihre Positionierung zu sozialen Problematiken“
20:00 Uhr | Bandito Rosso | Lottumstr. 10a, 10119 Berlin

19.März:
Traditionsbrüche und Widersprüche: Rotarmistinnen und sowjetische Frauen im II. Weltkrieg
19:00 Uhr | BAIZ | Christinenstr. 1 (Ecke Torstr.), 10119 Berlin

28.März:
Stencil-Workshop und Vortrag zum Buch „Revolutionäre Frauen“ sowie Geschlechtlichkeit und Sprache
18:30 Uhr | Bunte Kuh | Bernkasteler Str. 78, 13088 Berlin