Newroz pîroz be!

Trotz verbot beteiligten hundertausende Menschen an den Newroz-Feiern in der Türkei/Nordkurdistan und forderten eine Ende der jahrzehntelangen Unterdrückung, demokratische Autonomie und die Freiheit von Abdullah Öcalan. In Amed, Istanbul, Gever, Cizre und dutzende anderen Städten kam es dabei zu schweren Auseinandersetungen mit den türkischen Sicherheitskräften. In Istanbul wurde ein Kreispolitiker der legalen kurdischen Partei BDP von der Polizei ermordet. Bei Vergeltungaktionen der kurdischen Guerilla kamen in den darauffolgenden Tagen 5 Polizisten ums leben. Auch international wurde das Newroz-Fest in vielen Ländern gefeiert. In Berlin zogen am 20.März einige hundert Kurd_innen und Linke vom Hermannplatz in Neukölln zum Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg und forderten ein Ende des Krieges gegen die kurdische Bevölkerung, am 24.März versammelten sich dann zehntausenden Kurd_innen aus ganz Europa in Bonn und protestierten bei der größten europäischen Newroz-Kundgebung seit 10 Jahren gegen die Unterdrückungspolitik der türkischen Regierung und ihre Unterstützer in Europa. Eine Delegation von Genoss_innen von ATESH aus Hamburg war in den kurdischen Gebieten unterwegs.Berichte von der Delegation findet ihr auf deren Blog

Newroz-Fest in Berlin:
01.04.2012 | Sonntag | 13 Uhr | Waterloo-Ufer 10961 Berlin

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Bonn
Gever
Van und weitere

rmzn_yo : BDP cizre ilçe merkezine polis… von rmzn_yo
Polizei beschießt und stürmt BDP-Zentrale in Cizre

Newrozbilanz vom 20.03.: Mindestens 375 Festnahmen, Dutzende Verletzte

Cizîr: Die Polizei von Cizîr, die ebenfalls die Feierlichkeiten vor Ort nicht zugelassen hat, hat am 20.03. minutenlang mit scharfer Munition auf das BDP-Gebäude der Stadt geschossen. Ein Zivilist wurde dabei schwer verletzt. Viele Bürger schmissen sich während des Dauerbeschusses durch die Polizei, um sich zu schützen, zu Boden. Anschließend wurden mindestens 50 Menschen, darunter zahlreiche Kinder, festgenommen.

„Die Angriffe des Staates zu Newroz sind Teil des neuen Kriegskonzepts“

Das „Friedensparlament“ der Türkei (TBM) gab eine Erklärung zu Newroz und erklärte, dass man sich gegen das neue Kriegskonzept der Regierung zur Wehr setzen muss: „Das blutigste Newroz seit über 20 Jahren fand in diesem Jahr statt. Ein Newroz, an dem Abgeordnete mit Fäusten und Gasgranaten empfangen wurden und die Schlagstöcke der Polizei das Wort hatten. Dieses Newroz erinnerte uns an das von 1992. Die Politik der AKP, alles zu verbieten, führte zur Gewalt. Allein der AKP ist der Tod und die Verletzungen von ZivilistInnen, Abgeordneten und Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes zu verdanken. Das, was wir an Newroz erlebt haben, sollte im Rahmen des neuen Kriegskonzepts betrachtet werden, das die Regierung nach den Wahlen im Sommer in Gang setzte. Der Staat hat gesehen, dass er nicht tun und lassen kann was er will. Er hat gesehen, dass die Menschen sich nicht mit dem zufrieden geben werden, was ihnen geboten wird. Weiterhin hat die Bevölkerung gezeigt, dass es entschlossen auf der Straße Newroz feiern wird und keine Angst zeigt.

Die AKP muss sehen, dass ihre Politik ins Chaos führt und davon ablassen. Die Lynchversuche an Newroz gegen die Kurden und das hassgefüllte Vokabular von Staatsangestellten bringt uns an den Endpunkt. Es sollte klar sein, dass wir uns am Anfang eines Weges befinden, bei dem es kein Zurück gibt.“

Die TBM verlangte weiterhin, dass dieses Newroz-Fest einen Wendepunkt der Politik einleiten muss: „Die Türkei muss so schnell wie möglich von diesem Weg abweichen. Militärische- und politische Operationen müssen ein Ende haben. Es muss gesehen werden, dass diese Mittel in der kurdischen Frage kein Ergebnis liefern. Der Weg zur Lösung geht über Dialog mit den jeweiligen Parteien.“
Am 21.März feiern die Menschen im mittleren und nahen Osten das Frühlings- und Neujahresfest „Newroz“. In den kurdischen Gebieten der Türkei entwickelte sich „Newroz“ seit den großen „Serhildans“ (Volksaufständen) Anfang der 1990er Jahre von einem kulturellen Frühlingsfest zu einem politischen Symbol der kurdischen Befreiungsbewegung gegen Kolonialismus, Krieg, Besatzung und Fremdbestimmung. Auch in der BRD findet am 24.März in Bonn eine zentrale und bundesweite Newroz-Demonstration statt, zu der mehrere zehntausend Kurd_innen aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet werden. Als Zeichen des Protestes gegen Waffenexporte, PKK-Verbot und politische Repression gegen fortschrittliche Migrant_innen rufen wir alle Antifaschist_innen dazu auf, zur zentralen Newroz-Demo nach Bonn anzureisen und sich mit einem internationalistischen und antifaschistischen Ausdruck am Block der Kampagne „Tatort Kurdistan“ zu beteiligen. In der Woche darauf werden auch in Berlin verschiedene Aktivitäten im Rahmen der „kurdischen Woche“ stattfinden
Antifa Genclik Enternasyonal!

Berliner Newroz-Demo
Dienstag | 20.März | 17 Uhr | Hermannplatz

Bundesweite Newroz-Demo:
24. März | 9 Uhr | Fritz-​Schrö­der-​Ufer / Be­t­ho­ve­n­al­lee | Bonn


Auf­ruf als [PDF]

Tat­ort Kur­dis­tan – Ver­fol­gung und Ver­nich­tung
Seit Mo­na­ten bom­bar­die­ren die tür­ki­schen Streit­kräf­te fast täg­lich die kur­di­schen Ge­birgs­re­gio­nen mit tau­sen­den von Bom­ben. Immer wie­der wer­den dabei auch in­ter­na­tio­nal ge­äch­te­te che­mi­sche Kampf­stof­fe ein­ge­setzt. Diese Bom­ben wer­den je­doch nicht nur auf an­geb­li­che Gue­ril­la-​Stel­lun­gen, son­dern auch auf In­fra­struk­tur und die zi­vi­le Be­völ­ke­rung ge­wor­fen. Par­al­lel dazu kommt es im Rah­men der so ge­nann­ten „KCK-​Ope­ra­tio­nen“ zu Mas­sen­ver­haf­tun­gen kur­di­scher und tür­ki­scher Ju­ris­tIn­nen, Bür­ger­meis­te­rIn­nen, Jour­na­lis­tIn­nen, Ge­werk­schaf­te­rIn­nen und Men­schen­rechts-​ und Frie­dens­ak­ti­vis­tIn­nen. Der­zeit sit­zen al­lein über 8190 kur­di­sche Ak­ti­vis­tIn­nen in tür­ki­schen Ge­fäng­nis­sen, damit hat sich die Zahl der kur­di­schen Ge­fan­ge­ne seit 2005 ver­drei­facht und die Zahl der ver­ur­teil­ten Kin­der ist sogar von 17 auf 1023 ge­stie­gen! Eben­so nimmt die Ge­walt an Frau­en dras­tisch zu, so stieg die An­zahl der er­mor­de­ten Frau­en von 66 im Jahr 2002 auf 953 Morde im Jahr 2009.

War starts here! – Deut­sche Waf­fen, deut­sches Geld
Die Tür­kei ist einer der wich­tigs­ten Han­dels­part­ner Deutsch­lands beim Kriegs­waf­fen­han­del. Al­lein im Jahr 2010 kauf­te die Tür­kei für rund 200 Mil­lio­nen Euro Rüs­tungs­gü­ter von deut­schen Un­ter­neh­men wie der Rhein­me­tall AG aus Düs­sel­dorf oder der Krauss-​Maf­f­ei-​Weg­mann GmbH & Co. KG aus Mün­chen. Dar­un­ter neben Hand­feu­er­waf­fen, vor allem Pan­zer und Flug­ab­wehr­sys­te­me. Hinzu kom­men deut­sche Waf­fen, wel­che mit Li­zenz in der Tür­kei pro­du­ziert wer­den. Doch nicht nur in der Tür­kei, son­dern auch im Irak und Iran haben deut­sche Waf­fen wie das G3 Sturm­ge­wehr, wel­ches heute in fast jedem Kriegs­ge­biet der Welt ein­ge­setzt wird, Kon­junk­tur. Durch das Leid und den Tod der kur­di­schen Be­völ­ke­rung und der Un­ter­drück­ten Be­völ­ke­run­gen in an­de­ren Tei­len der Welt, hat Deutsch­land es ge­schafft auf Platz drei der welt­wei­ten Waf­fen­ex­port­län­der zu kom­men, di­rekt hin­ter den USA und Russ­land. Mitt­ler­wei­le haben über 4.​000 deut­sche Fir­men Zweig­stel­len in der Tür­kei auf­ge­baut. Zudem ist die Tür­kei für Deutsch­land, die EU und die NATO aus geo­stra­te­gi­scher Sicht ex­trem wich­tig. Neben dem Stand­ort für das neue Ra­ke­ten­ab­wehr­schild der NATO, ist die Tür­kei auch ein wich­ti­ges Tor in den Nahen Osten.

Un­se­re So­li­da­ri­tät gegen ihre Re­pres­si­on!
Par­al­lel zur an­hal­ten­den Re­pres­si­ons­wel­le der Tür­kei, neh­men auch in Eu­ro­pa die Re­pres­sio­nen gegen kur­di­sche Struk­tu­ren und Ak­ti­vis­tIn­nen zu. So wurde der kur­di­sche Fern­seh­sen­der Roj TV in Dä­ne­mark wegen der Un­ter­stüt­zung einer „Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on“ ver­ur­teilt und die Über­tra­gung vom fran­zö­si­schen Sa­tel­li­ten­be­trei­ber ein­ge­stellt. Kur­di­sche und tür­ki­sche Ak­ti­vis­tIn­nen wer­den in Deutsch­land wegen der „Un­ter­stüt­zung aus­län­di­scher Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen nach § 129b“ an­ge­klagt und kur­di­sche De­mons­tra­tio­nen ver­bo­ten und De­mons­tran­tIn­nen zu­sam­men­ge­prü­gelt, wie im ver­gan­ge­nen No­vem­ber in Ber­lin. Dem kur­di­schen Jour­na­lis­ten Muz­af­fer Ayata wurde vor kur­zem gar die Teil­nah­me an allen öf­fent­li­chen Ver­samm­lun­gen, die Über­nah­me und Aus­übung von Äm­tern sowie das Hal­ten von po­li­ti­schen Reden, das Ver­öf­fent­li­chen von Tex­ten und das Spre­chen auf Pres­se­kon­fe­ren­zen ver­bo­ten.

Somit leis­tet Deutsch­land tat­kräf­ti­ge Un­ter­stüt­zung in der Be­kämp­fung der kur­di­schen Be­we­gung – so­wohl hier als auch in Kur­dis­tan. Es liegt des­halb in un­se­rer Ver­ant­wor­tung als Linke in der BRD, diese Un­ter­stüt­zung zu sa­bo­tie­ren und un­se­rer So­li­da­ri­tät einen prak­ti­schen Aus­druck zu ver­lei­hen.

Ge­mein­sam gegen Re­pres­si­on – Blei­be­recht für alle, PKK-​Ver­bot auf­he­ben!
Krieg dem Krieg – Rüs­tungs­pro­duk­ti­on und Waf­fen­lie­fe­run­gen stop­pen, Bun­des­wehr auf­lö­sen!
Hoch die in­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät – Für Frie­den und Frei­heit in Kur­dis­tan!


24. März | 9 Uhr | Fritz-​Schrö­der-​Ufer / Be­t­ho­ve­n­al­lee | Bonn

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen auch unter:
http://​tatortkurdistan.​blogsport.​de
http://​demokratiehintergittern.​blogsport.​de


1 Antwort auf „Newroz pîroz be!“


  1. 1 Aktuell: AKP-Regierung verbietet Newroz-Feiern | Pingback am 18. März 2012 um 14:25 Uhr
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