9.Juni: Brutaler Polizeiangriff auf Mieter_innen-Protest

PM des Mieter_innenbündnis

Am Samstag den 9.Juni wollte die Initiative „Kotti & Co.“ eine Lärmdemo durch den Kreuzberger Kiez rund ums Kottbusser Tor veranstalten. Gegen 16:30 machten sich etwa 300 Leute vom seit 26.5. bestehenden Camp der Initiative auf den Weg, ausgestattet mit Topfdeckeln, Trillerpfeifen, Trommeln und allem, was Krach macht. Weit kam die – völlig friedliche – Demonstration allerdings nicht: Die Berliner Polizei griff nach 15 Minuten die völlig friedliche Demonstration an und verhaftete 2 Menschen weil sie sich mit einem Regenschirm gegen die massive anlassunbezogene Kameraüberwachung protestierten. Als sich ein großer Teil der Demonstrant_innen mit den Festgenommen solidarisierten und versuchten den Abtransport der Gefangenen durch die gewaltfreie Blockade der Polizeiwanne zu verhindern, setzten die Pfefferspray und massive körperliche Gewalt gegen Demonstrierende und Unbeteiligte ein. Mindestens 4 Personen wurden verhaftet, zahlreiche weitere durch Pfefferspray, Faustschläge und Tritte verletzt.

Video von prügelnden Polizisten „Hans ( F 1120)“

Fotos:

Videos: 1, 2, 3, 4, 5

Die Initiative „Kotti & Co.“ hat vor zwei Wochen, am 26.5., aus Protest gegen die immer stärker steigenden Mieten im Wohnblock Kottbusser Tor/Admiralstraße ein öffentliches Camp vor einem der Hochhäuser errichtet. Die Mieten in den, in den 1980er Jahren erbauten, Sozialwohnungen steigt seit dem Auslaufen der Anschlussförderung durch den Berliner Senat exorbitant. Mittlerweile verlangen die Wohnungsbaugesellschaft GSW und die Hermes Hausverwaltung Nettokaltmieten von 12-18 Euro pro Quadratmeter. Viele Rentner_innen, migrantische Familien und Bezieher_innen von Hartz IV können sich diese Preise nicht mehr leisten; sie werden an den Stadtrand verdrängt. Obwohl die Kosten zum Bau der Wohnungen längst abbezahlt sind, obwohl die Hausverwaltungen wenig bis gar nichts unternehmen, um die Bausubstanz zu erhalten, treiben die vom Senat vor Jahrzehnten abgegebenen Renditeversprechungen die Mieten in die Höhe.

Den Protest gegen diese Entwicklung hat die Mieter_inneninitiative schon vor einer Woche auf die Straße getragen (Fotos). Heute sollte die zweite, größere Lärmdemo durch den Kiez stattfinden. Die Demo war bunt, lautstark, und absolut friedlich. Was natürlich für die Berliner Bullen keinen Grund darstellt, nicht zu provozieren und selber gewalttätig zu werden.

Nach einer kurzen Runde durch die Admiral- und Kohlfurter Straße wurde an der Kottbusser Brücke eine Person festgenommen. Zu den Gründen können wir an dieser Stelle nichts sagen. Hinzueilende Demonstrant_innen wurden von den Bullen mit Schlägen, Tritten und schließlich Pfefferspray zurückgedrängt, ein Mannschaftswagen fuhr auf und die festgenommene Person wurde hineingeschleift. Ein Großteil der Demonstration, die mittlerweile gestoppt hatte, umringte die Wanne, trommelte mit den Händen dagegen und forderte immer wieder „Lasst die Leute frei!“. Zunächst gab es kein Durchkommen für die Bullen, doch die bald eintreffende Verstärkung machte sich daran, das zu ändern. Meter für Meter mussten sie der Wanne den Weg bahnen – dabei ging von den Demonstrant_innen keinerlei Gewalt aus, sie versuchten lediglich durch ihre physische Anwesenheit, den Abtransport des Gefangenen zu verhindern. Die Polizei reagierte darauf erneut mit Faustschlägen, Tritten und Pfefferspray. Ein Beamter, der von seinen Kollegen mit „Hans“ (Rückennummer: F 1120, mit zwei Punkten) angesprochen wurde und sich mit einem schwarzen Schal vermummte (der einzige Vermummte weit und breit…) tat sich dabei besonders hervor. Mindestens zwei weitere Personen wurden aus nicht ersichtlichen Gründen festgenommen. An der Kreuzung Kohlfurter-/Admiralstraße gelang es den Bullen schließlich, ihren Gefangenentransporter soweit aus der Menge zu lösen, dass dieser mit Blaulicht und Sirene davonrasen konnte.

Der rot-schwarze Senat und die Polizei des CDU-Innensenators Frank Henkel haben ganz deutlich gezeigt, was sie von friedlichem Protest gegen die Umstrukturierung ganzer Stadtteile halten. Statt politische Antworten zu geben, auf die Sorgen der teilweise seit Generationen am Kotti lebenden Mieter_innen einzugehen, setzt es Prügel und Pfefferspray. Dadurch wurden auch heute wieder mehrere Menschen verletzt.

Die Demonstration setzte schließlich, nach einer fast einstündigen Verzögerung, ihren Weg fort.
http://kottiundco.wordpress.com/aktuelles/


1 Antwort auf „9.Juni: Brutaler Polizeiangriff auf Mieter_innen-Protest“


  1. 1 Franzi 10. Juni 2012 um 15:40 Uhr
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