15.Juni: 250 Menschen gedenken Semanur Subay


Ungefähr 250 Menschen beiderlei Geschlechts und mit bunt gemischten Sozialisationshintergründen zogen heute vom Hermannplatz zum Oranienplatz in Kreuzberg um der in der Nacht vom 4.Juni 2012 von ihrem Ehemann bestialisch ermordete Semanur Subay zu Gedenken und gegen alltägliche patriachale Gewalt gegen Frauen zu protestieren. Mit mehsprachigen Transparenten und Parolen wie „Nein zur Gewalt an Frauen“, „Wir Gedenken Semanur Subay“, „Jin – Jîyan – Azadî! “ und „Zusammen Kämpfen gegen Patricharchat, Ausbeutung und Unterdrückung zogen sie den Kottbusser Damm herunten und bekammen dabei viel Zuspruch von Passant_innen und Anwohner_innen. Am Oranienplatz endete die Demonstration mit einer Schweigeminute für Semanur und alle Opfer patrichaler Gewalt. Die „Fraueninitiative Berlin“, die zu der Demo aufgerufen hatte, forderte die Anwesenden auf weiter aktiv zu sein und nicht länger das Schweigen und Wegsehen gegenüber Gewalt gegen Frauen zu aktzeptieren.

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Wut und Trauer über den Mord an Semanur Subay

In der Nacht zum 4. Juni 2012 wurde Semanur Subay in Kreuzberg auf brutalste Weise von ihrem Ehemann ermordet. In Gedenken an Frau Subay und gegen patriachale Gewalt wird es am Freitag um 17:30 am U-BHF Hermannplatz eine Frauendemonstration unter dem Motto „FRAUEN IHR SEID NICHT ALLEIN!“ stattfinden. Ausserdem dokumentieren wir angesichts dieses erneuten Falles tödlicher patriachaler Gewalt gegen eine Frau eine Erklärung des – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V. – CENI und der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. zu den Ereignissen. Im Anschluss findet am Kottbusser Tor um 21 Uhr eine Demo für Deniz und Basak und die Freiheit aller politischen Gefangenen statt.

Gedenkdemo | Freitag | 15. Juni | 17:30 | Hermannplatz


In der Nacht zum 4. Juni 2012 wurde erneut eine Frau auf brutalste Weise von ihrem Ehemann ermordet. Der Täter schlug und stach auf der Dachterrasse ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg auf die 30-jährige Semanur Subay ein, ermordete sie, zerstückelte ihren Körper und warf ihre Leichenteile in den Innenhof des Wohnhauses.

Obwohl Nachbarn die Polizei informiert hatten, blieb jede Hilfe zu spät. Der Mord geschah vor den Augen der Polizei, der Nachbarschaft und der Kinder. Die sechs Kinder von Semanur Subay, im Alter zwischen 2 und 13 Jahren hatten den grausamen Mord an ihrer Mutter durch die Fensterscheibe der Dachterrasse mit ansehen müssen. Laut Angaben von Nachbarinnen und Bekannten hatte der Ehemann schon in der Vergangenheit immer wieder Gewalt gegen Semanur Subay angewandt und sie erniedrigt. Hiergegen hatte Semanur Subay sich gewehrt und wollte sich von dem Gewalttäter trennen.
Für uns ist dies ein deutliches Zeichen, dass wir uns als Frauen und Fraueneinrichtungen noch besser organisieren und vernetzen müssen, um solche Morde und jegliche Form von Gewalt gegen Frauen wirksam verhindern zu können. Als Frauen, Einrichtungen, Freundinnen, Schwestern, Mütter, Nachbarinnen, Kolleginnen, Mitschülerinnen, Bekannte müssen wir den Hilferuf einer Frau ernst nehmen und bereits beim ersten Laut Unterstützung und Solidarität anbieten können.

Wir sind wütend und traurig!

Zugleich wissen wir, dass Morde und Gewalt an Frauen – wie der Mord an Semanur Subay – keine Einzelfälle sind, sondern systematisch verübt werden. Weltweit sterben mehr Frauen im Alter
zwischen 14 und 44 Jahren durch Männergewalt als durch Unfälle, Krankheiten oder Kriege, wobei 70% aller ermordeten Frauen durch ihre Partner, bzw. Ex-Partner ermordet werden. Diese
systematische Gewalt und Morde bezeichnen wir als Feminizid. Feminizid umfasst körperliche, geistige, ökonomische und strukturelle Gewalt, die damit einhergeht, Frauen ihres Lebens, ihrer Selbstbestimmung, ihrer Lebensgrundlage und Entwicklungsmöglichkeiten zu berauben. Feminizid ist in allen Gesellschaften existent und betrifft alle Frauen unberücksichtigt ihres Alters, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, sexuellen oder kulturellen Hintergrundes. Feminizid ist ein globales Phänomen, jedoch im Gegensatz zum Genozid, d.h. dem Völkermord, international immer noch nicht geächtet.

Gleich nach dem Mord haben der Frauenverein Dest Dan e.V., die Kurdische Fraueninitiative und weitere Organisationen zu einer Protestkundgebung und Trauerfeier anlässlich des Mordes an Semanur Subay aufgerufen. Auch Cenî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V. und die Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. unterstützen diese Veranstaltungen. Denn wir dürfen weder zulassen, dass Gewalt und Morde an Frauen verschwiegen und verharmlost wird, noch dass diese voyeuristisch aufbereitet und zur rassistischen Stigmatisierung benutzt werden. Vielmehr müssen wir unsere Trauer und Wut über den grausamen Mordes an Semanur Subay zum Anlass nehmen, noch stärker daran zu arbeiten, die internationale Solidarität unter Frauen in unserem Lebensumfeld und Alltag zu stärken, die Ursachen patriarchaler Gewalt zu benennen und zu bekämpfen.

Schluss mit den Frauenmorden – Schluss mit dem Feminizid!
Unser Leben, unser Körper gehören uns!
Jin – Jîyan – Azadî!
Frauen – Leben – Freiheit!

Cenî – Kurdisches Frauenbüro für
Frieden e.V.
Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.
6.Juni 2012