22.Oktober: Zwangsräumung in Kreuzberg verhindert! 200 demonstrieren spontan gegen Verdrängung

Am Abend des 22.10.2012 demonstrierten in Berlin-Kreuzberg rund 200 Menschen gegen steigende Mieten, Verdrängung und die Wohnungspolitik des Berliner Senats. Anlass hierfür war eine Zwangsräumung einer ganzen Familie am frühen Morgen, die von über 150 Menschen verhindert wurde. Die Räumung wurde daraufhin abgesagt und vorerst verschoben. Die abendliche Demonstration verlief friedlich und ohne besondere Zwischenfälle. Fotos: 1

Wichtig! Um den Druck auf den Eigentümer zu erhöhen gibt es morgen eine Kundgebung vor seinem Büro. Jetzt weitermachen die er die Räumung zurücknimmt:

Kundgebung gegen Zwangsräumung | Emser Straße 9 | 10719 Berlin-Charlottenburg | Mittwoch | 24.10.2012 | 16 Uhr

Pressemitteilung vom 22.10.2012: Verhinderung einer Zwangsräumung in Kreuzberg

Gerade in diesem Moment (22.10., 9 Uhr) wird in der Lausitzer Straße 8 in Berlin-Kreuzberg die Zwangsräumung einer 5-köpfigen Familie aktiv verhindert. Mehr als 150 Nachbar*innen, Freund*innen der Familie und (Miet-)Aktivist*innen verwehren mit Sitzblockaden der Gerichtsvollzieherin (sowie der Polizei) den Zutritt zur Wohnung. Die Familie, seit nunmehr 16 Jahren wohnhaft in dieser Wohnung, hatte sich juristisch gegen die Zwangsräumung gewehrt. Sie ist fest entschlossen zu bleiben und rechnet auch weiterhin mit Unterstützung aus der Nachbarschaft. Familienvater Ali: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass sich Betroffene von Räumungen wehren, damit die Leute nicht mehr unbemerkt aus ihren Wohnungen geschoben werden. Wir lassen das nicht mehr mit uns machen!“

Die heutige Verhinderung der Räumung ist ein Zeichen praktischer Solidarität mit von Verdrängung bedrohten MieterInnen in Berlin. Seit Jahren steigen in der Stadt die Mieten immer rasanter. Die Wohnungsnot spielt Vermietern wie Andre Franell in die Hände: Er lässt die Bewohner*innen seiner Häuser räumen, weil er auf höhere Mieten bei
Neuvermietung spekuliert. Franell gibt sich das Image des sozialen Wohltäters und betreibt eine gemeinnützige Stiftung, die zwangsumgesiedelten Menschen in Thailand hilft. Als Immobilienbesitzer zeigt er seine andere Seite und verlangt von seinen MieterInnen Mieterhöhungen und droht mit Räumungsklagen.

Die drohende Zwangsräumung steht in einer Reihe mit vielen ähnlichen Fällen, die unbekannt bleiben. Inzwischen gibt es aber auch organisierten Widerstand: Am Kottbusser Tor protestieren seit Monaten Mieter*innen gegen ihre drohende Vertreibung an den Stadtrand. Am Maybachufer in Neukölln wehrt sich die schwerbehinderte Mieterin Nuriye Cengiz gegen ihre Entmietung und Zwangsräumung. Immer mehr Menschen sind von Zwangsräumungen betroffen, auch wenn sie sich an den legalen rechtlichen Weg halten, wie die betroffene Familie.

Journalist*innen sind eingeladen, sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Weitere Informationen über den Pressekontakt

Hintergrund

Grund für die Zwangsräumung ist ein Streit um eine Mieterhöhung. Die Familie hatte eine vom Gericht verfügte Nachzahlung über die erhöhte Miete zwei Monate zu spät beglichen. Obwohl der Vermieter bereits im Januar 2011 die volle Summe erhalten hat, hält er weiter an der Kündigung fest. Nun hat der Bundesgerichtshof dem Vermieter Recht gegeben

http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de

DEMO | HEUTE | 22. OKTOBER | 19 UHR | SPREEWALDPLATZ