10.November: Über 1000 Menschen gegen hohe Mieten


Über 1000 Menschen demonstrierten heute trotz strömenden Regens in Berlin gegen hohe Mieten und Verdrängung. Gleichzeitig gingen in Hamburg 4000 Menschen auf die Straße und in Freiburg 500. In Hamburg wurde sogar ein Haus besetzt.Die Demonstration in Berlin drückte ihre Unterstützung des Kampfes von Kotti und Co aus. Kotti und Co veranstaltet am 13. November zusammen mit anderen Initiativen eine Konferenz zum Sozialen Wohnungsbau. Die Demonstration verband diesen partikularen Kampf mit anderen Kämpfen gegen die kapitalistische Verwertung der Stadt. So berichtete Ali Gülbol von der erfolgreichen Blockade der Zwangsräumung seiner Familie.

Regen am Kottbuser Tor

Kurz vor dem Beginn der Demonstration setzte langanhaltender Regen ein. Trotzdem ließen es sich über 1000 Berlinerinnen und Berlin nicht nehmen ihrer Wut über steigende Mieten und ihre Solidarität mit Kotti und Co auszudrücken. Viele verschiedenen Initiative und bedrohte Projekte waren auf der Demonstration präsent. Die Mieter*innen der Palisadenstraße berichteten von ihrem erfolgreich abgeschlossenen Kampf gegen enorme Mieterhöhungen, das Yaam und die Kirche von unten machten auf ihre akut räumungsbedrohte Situation aufmerksam. An der Lausitzer Straße versammelten sich Unterstützer*innen der Familie Gülbol und riefen der Demonstration „Hohe Mieten, Zwangsumzug; davon haben wir genug“ entgegen. Mit einem zweiten Räumungstermin bei der Familie ist zu rechnen und dann ist massive Solidarität notwendig.
Sozialer Wohnungsbau

Die Demonstration startete und endete am Camp, welches seit Juli besteht. Hier treffen sich Nachbarinnen und Nachbarn und organisieren ihren Widerstand. Viele Anwohner*innen leben im sogenannten sozialen Wohnungsbau, welcher von privaten Investor*innen errichtet und massiv staatlich subventioniert wurde. Diese Subvention läuft aus, was zu massiv steigenden Mieten führt. Die Mieten im Sozialen Wohnungsbau sind häufig deutlich höher als in normalen Wohnungen, gleichzeitig wohnen dort viele Menschen mit geringen Einkommen. Um konkret jetzt etwas gegen die massiv steigenden Mieten zu tun, hat Kotti und Co eine Konferenz im Abgeordnetenhaus organisiert. Die Demonstration wollte darüber hinausgehen und deutlich machen, dass die steigenden Mieten ein Problem in ganz Berlin sind. Der Widerstand gegen die kapitalistische Zurichtung der Stadt muss deswegen auch in seiner ganzen Breite geführt werden.

Die Mieten steigen überall – der Widerstand ist überall

Die gleichzeitigen Demonstrationen in Berlin, Hamburg und Freiburg sind ein hoffnungsvolles Zeichen. Es könnte im kommenden Jahr gelingen die lokalen Aktivitäten in den Kiezen mit einer bundesweiten Bewegung und Aktivität in Beziehung zu setzen. Es geht hier nicht um die Aufwertung von einigen wenigen Szenekiezen, sondern um eine massive Verteuerung der Lebenshaltungskosten von vielen Mieter*innen in ganz Deutschland. Gegen diesen Angriff der kapitalistischen Stadt auf die Lebenssituation der Menschen ist eine breite und entschlossene Mieter*innenbewegung notwendig. Die Demonstrationen und Hausbesetzungen heute sind dabei hoffentlich nur der Anfang.

Fotos: 1, 2


Die Initiative Kotti & Co kämpft seit Mai im Dauerprotest gegen die unbezahlbaren Mieten im sozialen Wohnungsbau. Eine ihrer Forderungen wurde schon erfüllt: Am 13. November findet eine Konferenz statt, auf der die VertreterInnen aus Politik, Verwaltung und Immobiliengesellschaften gemeinsam mit den MieterInnen und ExpertInnen über die Zukunft des sozialen Wohnungsbaus diskutieren.Dabei geht es nicht „nur“ um ein paar Tausend MieterInnen am südlichen Kottbusser Tor. Der Protest stellt insgesamt die Frage, wie die „Stadt von morgen“ aussehen soll und baut Brücken zu all jenen, die an dieser Diskussion teilhaben möchten. Wir wollen Kotti & Co in ihrem Kampf unterstützen und gemeinsam mit ihnen ein Zeichen setzen, gegen Verdrängung und hohe Mieten. Darum demonstrieren wir am 10. November für eine Stadt für alle und für eine grundlegende Veränderung der Stadtpolitik.

Lärmdemo XL | 10.November | 16 Uhr | Kottbusser Tor

Aus der Konferenzeinladung von Kotti & Co:

Kotti & Co hat diese Konferenz mit unserem monatelangen Dauerprotest erkämpft. Es ist die einzige von unseren Forderungen, in die der Senat bisher eingewilligt hat. Wir Nachbarinnen und Nachbarn vom „Kotti“ sitzen seit Monaten auf der Straße und protestieren. Wir sind eine „stabile Nachbarschaft“, die ein „gutes Miteinander“ permanent lebt – etwas wofür der Senat sonst erst Programme auflegt, haben wir längst erreicht. Wir haben in Kreuzberg, am Kotti in unserem gemeinsamen Engagement für den Erhalt dieses Miteinander die Trennungslinien überwunden, die z.B. durch Herkunft, Religion oder Einkommen gezogen werden. Denn wir schätzen unser nachbarschaftliches Zusammenleben und sehen seine Schönheit und Produktivität für unseren Alltag und unsere Zukunft.

Wir grüßen alle Mitstreiter*innen, die um ein soziales Berlin von morgen ringen, die ideenreich und kreativ die mannigfaltigen Parallelgesellschaften unserer Stadt durchbrechen, die Öffentlichkeiten und Schnittstellen erarbeiten, denen es nicht nur um ihr eigenes Wohl geht – sondern denen es um das Zusammenleben in unserer wunderbaren Stadt Berlin geht.