5.Januar: 150 Menschen gedenken an Celalettin Kesim


Ungefähr 150 Menschen beteiligten sich am Samstag den 5.Januar 2013 an einer Gedenkdemonstration- und Kundgebung für den am 5.Januar am Kottbusser Tor von türkischen Faschisten und Fanatikern der islamistischen Milli Görüs ermordeten Kommunisten Celalettin Kesim. Die Demonstration, zu der neben der Türkischen Kommunistischer Partei (TKP/1920) auch die Plattform für Demokratie und Arbeit in Berlin (BEDEP), die DKP und die ARAB aufgerufen hatten, zog vom Hermannplatz zur Kottbusser Tor. Dort wurde eine Gedenkkundgebung abgehalten und dieser Teil des Kottbusser Tors symbolisch in „Celalettin Kesim – Platz“ umbenannt. Im Aufruf hiess es „Am 5. Januar 1980 wurde unser Genosse Celalettin Kesim durch die Anhänger der faschistischen Türkischen Föderation und den Fanatikern der islamistischen Milli Görüs, die vom Geheimdienst der Türkei (MIT) sowie dem deutschen Verfassungsschutz logistisch unterstützt wurden, ermordet. […]
10 bis 15 unserer GenossInnen, unter denen sich auch Celalletin Kesim befand, verteilten am 5. Januar 1980 am Kottbusser Tor im Stadteil Kreuzberg Flugblätter gegen die „Militärische Note“, die die Türkischen Streitkräfte am 27. Dezember 1979 dem türkischen Parlament übergaben. Zur gleichen Zeit versammelten sich die Anhänger der faschistischen Türkischen Föderation sowie die Fanatiker der islamistischen Milli Görüs am Kottbusser Tor, um gegen den militärischen Eingriff der Sowjetunion in Afghanistan zu protestieren. [Sie kamen aus der nahegelegenen Mevlana-Moschee.]

Die Faschisten und Reaktionäre waren nicht nur gekommen, um zu demonstrieren, sondern es wurde ein detailliert geplanter Angriff vorbereitet; das lässt sich daran erkennen, dass sie unter ihrer Kommandokleidung Bücher befestigten, um sich gegen Schläge zu wehren, und an ihren Stöcken Messer anbrachten. In den Aufsätzen und Büchern zum türkischen „tiefen Staat“, der nach langen Jahren und vielen Morden, deren Tatverdächtige bekannt sind, einigermaßen aufgedeckt wurde, wird festgestellt, dass diese „Operation“ die erste „ernste“ Operation des türkischen Geheimdienstes (MIT) im Ausland war.

Wenn dieser Mord im Zusammenhang mit dem in den letzten Monaten aufgedeckten „deutschen tiefen Staat“, also dem Verfassungsschutz, betrachtet wird, dann ist es klar, dass diese Zweierkoalition die Tat organisiert hat. Außerdem erleben wir in den letzten Jahren in Deutschland ähnliche Morde wie den an Celalettin Kesim. Wenn auch der türkische Geheimdienst nicht an der faschistischen Mordserie an neun Arbeitern mit Migrationshintergrund und einer Polizistin des vom Verfassungsschutz benutzten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ beteiligt war, bestehen dennoch zwischen den zwei Phänomenen große Ähnlichkeiten.

Alle politischen Morde – auch der an Celalletin Kesim, der seit 33 Jahren nicht aufgeklärt wird –, in denen der Staat verwickelt ist, müssen aufgeklärt werden sowie alle verantwortlichen Institutionen und Personen benannt werden.“



Kesim lag schwer blutend lange Zeit am Kottbusser Tor, ohne dass sich anwesende Zivis um ihn gekümmert hätten. Die Presse berichtete danach auf drastisch rassistische Weise:
„Schwarze Schleier und Hammelduft über Kreuzberg, Zockerstuben mit dunkelhäutigen Männern beim Brettspiel in Neukölln, der Anblick schwersteißiger Kurdinnen auf dem Türkenmarkt am Maybachufer, Gebet gen Mekka bei Siemens — das Pittoreske ist geblieben, gewiß. Aber hinzugekommen ist, daß sich viele Berliner Türken aus gescheiterter Hoffnung in nationale Subkultur flüchten oder sich in radikalen Islamgruppen („Großer Ideal-Verein“) organisieren. Immer öfter stoßen Anhänger rivalisierender Gruppierungen gewaltsam aufeinander.“ wie der Spiegel 5/1980 beispielsweise schrieb.

Celalettin Kesim war 1973 nach West-Berlin gekommen. Er arbeitete bei Borsig als Dreher und war IG-Metall-Vertrauensmann. Später arbeitete er als Berufsschullehrer. Kesim war aktiv im Berliner Türkenzentrum. Es existiert seit langem eine Gedenktafel zu ihm am Kottbusser Damm 28. Auf der Tafel steht auf türkisch und deutsch: „An diesem Ort wurde der Lehrer und Gewerkschafter Celalettin Kesim von Anhängern rechtsextremistischer türkischer Organisationen erstochen.“ Es befindet sich dort auch eine Gedenkstele, die der bekannte türkische Künstler Hanefi Yeter Anfang der 90-er Jahre anfertigte. Auf der Kundgebung heute sprachen türkische und deutsche Antifaschisten. Am Ende brachten Aktivist_innen an einem Pfahl ein Straßenschild an und benannten damit den bislang namenslosen Platz nach Celalettin Kesim.

Fotos: 1,2,3

Video von der Trauerdemonstration vom Hermannplatz zum Kottbusser Tor im Januar 1980


Aufruf:

Am 5. Januar 1980 wurde unser Genosse Celalettin Kesim durch die Anhänger der faschistischen Türkischen Föderation und den Fanatikern der islamistischen Milli Görüs, die vom Geheimdienst der Türkei (MIT) sowie dem deutschen Verfassungsschutz logistisch unterstützt wurden, ermordet. Um an diesen faschistischen Mord zu erinnern und unserem Genossen Celattin Kesim zu Gedenken rufen wir zu einer Demonstration und Kundgebung am 5. Januar 2013 auf.

10 bis 15 unserer GenossInnen, unter denen sich auch Celalletin Kesim befand, verteilten am 5. Januar 1980 am Kottbusser Tor im Stadteil Kreuzberg Flugblätter gegen die „Militärische Note“, die die Türkischen Streitkräfte am 27. Dezember 1979 dem türkischen Parlament übergaben. Zur gleichen Zeit versammelten sich die Anhänger der faschistischen Türkischen Föderation sowie die Fanatiker der islamistischen Milli Görüs am Kottbusser Tor, um gegen den militärischen Eingriff der Sowjetunion in Afghanistan zu protestieren.

Die Faschisten und Reaktionäre waren nicht nur gekommen, um zu demonstrieren, sondern es wurde ein detailliert geplanter Angriff vorbereitet; das lässt sich daran erkennen, dass sie unter ihrer Kommandokleidung Bücher befestigten, um sich gegen Schläge zu wehren, und an ihren Stöcken Messer anbrachten. In den Aufsätzen und Büchern zum türkischen „tiefen Staat“, der nach langen Jahren und vielen Morden, deren Tatverdächtige bekannt sind, einigermaßen aufgedeckt wurde, wird festgestellt, dass diese „Operation“ die erste „ernste“ Operation des türkischen
Geheimdienstes (MIT) im Ausland war.

Wenn dieser Mord im Zusammenhang mit dem in den letzten Monaten aufgedeckten „deutschen tiefen Staat“, also dem Verfassungsschutz, betrachtet wird, dann ist es klar, dass diese Zweierkoalition die Tat organisiert hat. Außerdem erleben wir in den letzten Jahren in Deutschland ähnliche Morde wie dem an Celalettin Kesim. Wenn auch der türkische Geheimdienst nicht an der faschistischen Mordserie an neun Arbeitern mit Migrationshintergrund und einem Polizisten des vom Verfassungsschutz benutzten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ beteiligt war, bestehen dennoch zwischen den zwei Phänomenen große Ähnlichkeiten.

Alle politischen Morde – auch der an Celalletin Kesim, der seit 33 Jahren nicht aufgeklärt wird – , in denen der Staat verwickelt ist müssen aufgeklärt werden sowie alle verantwortlichen Institutionen und Personen benannt werden.

Gedenkdemonstration | 5. Januar | 16 Uhr | U-BHF Hermannplatz

Aufruf: Kommunistische Partei der Türkei 1920 (TKP 1920)
Unterstützer: Plattform der Arbeit und Demokratie Berlin (BEDEP), Kurdistan
Solidaritätskommittee, ARAB (Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin)