Ab 27.Dezember: Kinofilm über den Widerstand gegen die Isolationshaft in der Türkei


Ab dem 27.Dezember läuft in den Kinos der Film „Typ-F“ an, der von dem Widerstand der revolutionären politischen Gefangenen in der Türkei gegen die Isolationshaft erzählt. Die auch als „weisse Folter“ bezeichnete Isolationshaft führt über einen längeren Zeitraum zur „senorischen Deprivation“ und zielt – im Gegensatz zur blutigen Folter – darauf ab nicht den Körper sondern den Willen und die Identität des Gefangenen zu brechen. In Deutschland wurde die Isolationshaft vor allem gegen Gefangenen aus der RAF, dem bewaffneten Widerstand und linken Migrant_innenorganisationen eingesetzt. Die RAF-Aktivistin Ulrike Meinhof schrieb im Toten Trakt der Vollzugsanstalt Köln – Ossendorf einen Brief über die Auswirkungen der Isolationshaft. In der Türkei wurden die Isolationsgefängnisse auf Druck der EU und der NATO im Jahr 2000 eingeführt, vorher waren die Gefangenen zu dutzenden in Gemeinschaftsräumen untergebraucht. Die politischen Gefangenen wehrten sich mit einem Hungerstreik gegen die Einführung der Isolationszellen, an dem sich tausende Gefangene beteiligten. Am 19.Dezember 2000 stürmten über 8000 Polizisten und Soldaten 20 Gefängnisse um den Widerstand der Gefangenen zu beenden. Bei der militärischen Operation die unter dem zynischen Namen „Rückkehr zum Leben“ stand und die bis zum 20.Dezember andauerte, setzten die türkischen Sicherheitskräfte scharfe Munition, Flammenwerfer und Handgranaten ein. Über 20 000 Tränengasgranaten wurden in den Knästen verschossen. 28 revolutionäre Gefangenen wurden erschossen, erschlagen und verbrannt. Die Gefangenenkollektive wurden zerschlagen und die Gefangenen mit Gewalt in die neuen „F-Typ“-Gefängnisse nach europäischen Vorbild verschleppt. Dort setzten die Gefangenen der DHKP-C den Hungerstreik gegen die Isolationshaft fort. Der Kampf zog sich über Jahre hin bis im Jahr 2007 erkämpft werden konnte, das die Zellen zumindest zeitweise aufgeschlossen werden und eine Kontakt mit anderen Gefangenen möglich ist. Bis dahin verloren 122 Mitglieder und Sympathisannt_innen der DHKP/C in diesem Todesfasten ihr Leben. Ihnen ist der Film gewidmet. Produziert wurde der Film von der linksradikalen Band „Grup Yorum“, die in Istanbul schonmal in der Lage ist 350 000 Menschen zu einem Konzert zu mobilisieren.

Ab Donnerstag täglich um 19:30 im Cineplex Neukölln