9.Februar: Filmpremiere von „Simurg“ in Kreuzberg

Nach „F-Typ“ feiert nun ein weitere Film über den Todesfastenwiderstand der politischen Gefangenen in der Türkei Deutschlandpremiere. In „Simurg“ begleitet der Regissieur 6 ehemalige politische Gefangene die sich am erfolgreichen Todesfastenwiderstand gegen die Einführung der F-Typ Isolationszellen im Jahr 1996 beteiligt hatten und dabei bleibende Gesundheitliche Schäden bekamen, das sogenannte Wernicke-Korsakoff-Syndrom, über 14 Jahre lang. Der Film zeigt eindrucksvoll den Widerstand gegen den zweiten (und letzendlich erfolgreichen) Versuch der türkischen Regierung die Isolationsgefängnisse einzuführen im Jahr 2000, das Massaker von 19.Dezember und die daraufolgende Jahre des Todesfastenwiderstandes der über 122 Menschenleben kostete und die persönlichen Opfer die dieser Widerstand kostete. Der Film schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem gewährt er einen Einblick auf den Hintergrund des Widerstandes und der politischen Ereignisse. Er enthält unveröffentlichte Aufnahmen. Darunter befinden sich Aufnahmen aus dem Istanbuler Gefängnis aus den Jahren 1996 bis 2000, aufgenommen von den Gefangenen selbst. Diese Aufnahmen zeigen Szenen der Phasen des Widerstands in den „Todesasten- Stationen“. Außerdem kommen mit Simurg zum ersten Mal Szenen während der Operation „zurück ins Leben“, aufgenommen durch Sicherheitskräfte, ans Tageslicht. Der Film zeigt die letzten Lebenstage von Senay Hanoglu, Zehra Kulaksiz und Gülsüman Dönmez sowie die Verwandlung des Hauses in Istanbul/Kücükarmutlu in ein sogenanntes „Todesfasten-Haus“, nach dem die Operation durchgeführt worden War. Das Berliner Bündnis BEDEP lädt am 9.Februar zu 2. Vorstellungen des Films in Eiszeit-Kino in Berlin-Kreuzberg, während der Film erst im April reguläre in den deutschen Kinos anläuft. Danach gibt es noch eine Diskussionsveranstaltung mit dem Regisseur. Die Karten kosten 12 Euro.

9.Februar | 12 – 18 Uhr | Eiszeitkino | Zeughofstrasse 20 | Kreuzberg
1.Vorführung 12:15 – 14:00 | 2.Vorführung: 14:15 – 16:00 | Podiumsdiskussion: 16:15 – 18:00

Refik, Jafar, Cigdem, Hussein, Ali Akber und Delil hatten sich im Jahre 1996 am Widerstand, Todesfasten, gegen die Einführung der F-Typ-Zellen in der Türkei beteiligt. Nach 69 Tagen Hungerstreik bekamen sie das Wernicke-Korsakoff-Syndrom. Nun leiden sie unter Sprachschwierigkeiten, unwillkürlichen Kontraktionen, Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnisverlust und Vergesslichkeit. Diese Aktivisten kommen beim erneuten Beginn des Todesfastens im Jahre 2000 erneut zusammen.

Sie kommen.
Sechs Freunde treffen sich am Grab Idil Ermens, dem ersten weiblichen Insassen, der aufgrund desTodesfastens sein Leben ließ. Hinterher verbringen die alten     Freunde die darauf folgende Woche zusammen mitsamt ihren Familien. Sie denken an die vergangenen Ereignisse und unterstützen den aktuellen Widerstand – Todesfasten.

Auf der anderen Seite sind die Hungerstreiks in eine kritische Phase eingetreten. Die sechs Freunde besuchen am 18. Dezember die Todesfastenden in Küçükarmutlu. Sie unterhalten sich mit Zehra Kulaksiz, Gülsüman Dönmez, Senay Hanoglu und anderen, die in den folgenden Monaten ihr Leben verlieren werden. Die Ereignisse und  die Menschen erzeugen das Gefühl, als befände man sich einem Zeittunnel; einerseits die ehemaligen Widerstandskämpfer mit ihren schweren Folgeerkrankungen und -behinderungen, andererseits entschlossen vorpreschende Hungernde wohl wissend, dass sie sterben werden bzw. mindestens Folgeschäden davontragen werden.

Am Tag nach diesem Besuch wird in den Gefängnissen die Operation „Zurück zum Leben“ durchgeführt.

Die Helden im Film verfolgen die Operation am Fernseher und kommentieren sie. Total demoralisiert und geknickt begeben sie sich auf die Straßen von Istanbul.

Es vergehen 10 Jahre … Cafer, Ali Ekber und Cigdem leben jetzt  im Ausland.
Hüseyin, Refik, und Delil führen ihr Leben in Istanbul fort. Istanbuls verändertes Gesicht zeugt von Veränderungen im Laufe der Jahre. Doch für die Protagonisten des Films hat sich nicht viel verändert, die noch offenen Wunden der Vergangenheit warten darauf, behandelt zu werden.

Simurg umfasst einen Zeitabschnitt von 14 Jahren.

Während in Simurg die jüngst in den Gefängnissen stattgefundene Serie von Ereignissen behandelt werden, finden die Handlungen mit originalen Menschen in Echtzeit statt.
Der Film schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem gewährt er einen  Einblick auf den Hintergrund des Widerstandes und der politischen Ereignisse.

In dem Film begründen die Aktivisten des Widerstandes ihre Reaktion auf die Einführung der Einzelhaft in den Zellen, indem sie das Vorhaben als eine Methode enttarnen, die „mit menschlicher Würde nicht vereinbar“ ist. Eine Unterbringung in solchen Zellen kann bei den Gefangenen psychische Störungen hervorrufen und sogar zur Suizid führen. Zur Durchsetzung ihres Projektes, F-Typ-Gefängnisse einzuführen und den Widerstand gegen die Wand zu fahren, greift die Regierung am Ende zur Gewalt.

Regisseur Ruhi Karadag thematisiert in Simurg Menschenrechte in den Gefängnissen. Er versucht Licht ins dunkle der letzten 14 Jahre zu bringen.