Archiv für Dezember 2013

Sylvester zum Knast! Free Adel!


500 Menschen zogen in der Sylvesternacht zur JVA Moabit, 200 zuvor am Nachmittag zum Frauengefängnis Lichtenberg. Es gab ein Grusswort von Adel und eine Menge Böller auf den Knast Indymedia-Bericht

In Berlin gibt es nunmehr seit über 20 Jahren die Tradition in der Sylvesternacht zum Knast Moabit zu ziehen um gemeinsam mit den dort Inhaftierten das Neujahr zu begehen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind, aber auch um ein deutliches Zeichen gegen Knast und staatliche Repression zu setzen. In diesem Jahr möchten wir die alljährliche Knastdemo auch nutzen, um unseren Freund und Genossen Adel einen kämpferischen Neujahrsgruß zu übermitteln und um auf seinen Fall aufmerksam zu machen.

Adel ist ein Genosse aus antifaschistischen Zusammenhängen, der im Laufe einer größeren Razzia am 12. Oktober gegen antifaschistische Strukturen verhaftet und in Untersuchungshaft genommen wurde. Seitdem sitzt er seine Zeit zwangsweise in den Gemäuern der JVA Moabit ab, wo vor ihm schon so viele andere linke und antifaschistische Aktivist_innen von diesem Staat und seinen Vorläufern eingeknastet waren. Vorgeworfen wird ihm in 2 Fällen Faschist_innen beleidigt und bedroht zu haben. Erschwerend zu seiner antifaschistischen Gesinnung kommt bei Adel ein sogenannter „Migrationshintergrund“ dazu, der deutschen Ermittlungsbehörden seit jeher als Beweis für gesteigerte „Gewaltbereitschaft“ gilt.

Der Kampf um die Freiheit für Adel und der Kampf gegen staatliche Repression werden im kommenden Jahr wichtige Aufgabenfelder für uns sein.Mit der Demo an Sylvester wollen wir nur einen Anfang setzen. Weitere Aktionen – wie eine größere und bundesweite Antirepressionsdemo – im März werden folgen. Wir würden uns freuen, wenn auch ihr das Neujahr 2014 im Zeichen der Solidarität mit Adel und allen politischen Gefangenen begeht.
Seid solidarisch! Macht Aktionen! Schickt uns ein Foto!

Stay Rebel – Stay Criminal – Free Adel!

Demo | 31.12 | 22.45 | S-BHF Bellevue
Party | 11.Januar | 22:00 | Bi – Nuu

21. Dezember: Soliparty für politische Gefangene

STAY REBEL AND DANCE

Aufgrund der Repressionsschläge in den letzten Monaten gegen die linksradikale Szene in Berlin, veranstalten wir am 21. Dezember eine Soliparty im Zielona Gora. Lasst euch die ganze Nacht hindurch von DJ DISCOISM (90er, all times, charts) und anderen einheizen und feiert bis zum Morgengrauen für die gute Sache. Auch wird die Party dazu dienen, zur alljährlichen „Silvester zum Knast“ Demo zu mobilisieren. Kommt zahlreich und unterstützt unsere gefangenen GenossInnen!

Soliparty | 21. Dezember 2013 | 22 UHR | Zielona Gora
Demo | 31. Dezember 2013 | 22:45 UHR | S-BHF Bellevue

15.Dezember: Oranienplatz bleibt – Henkel muss gehen!

Aufruf zur Demonstration am So 15.12. wir starten um 15 Uhr am Oranienplatz und ziehen gemeinsam zur Senatsverwaltung für Inneres, Grunerstraße/Stralauerstraße am Alex, den Sitz von Henkel. Und wir werden bleiben, zu einer Nachtkundgebung bis das Ultimatum zurückgezogen wird.

Vor 14 Monaten haben wir, Asylsuchende in Deutschland, uns dazu entschlossen, unsere Situation nicht länger hinzunehmen. Wir entschieden uns gegen die Unterbringung in isolierenden Lagern und die alltäglichen Diskriminierungen.

Wir organisierten uns, verließen die Lager, setzten uns über die Residenzpflicht hinweg, welche europaweit nur in Deutschland existiert und begaben uns auf einen Protestmarsch von Würzburg bis nach Berlin. Dort angekommen besetzten wir den Oranienplatz und später die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule, um unseren Protest gegen die deutsche und europäische Asylpolitik auszuweiten.

Diese Aktionen haben unserem Protest die erforderliche Aufmerksamkeit verschafft: Erst dadurch wurde er für die Öffentlichkeit sichtbar und konnte darüber hinaus auch andere Geflüchtete ermutigen, ihre Isolation zu brechen und für ihre Rechte zu kämpfen.

Unsere Bewegung besteht nicht nur aus Asylsuchenden, die in Deutschland unter der Residenzpflicht und den Lagerbedingungen leiden, sondern auch aus Geflüchteten, die über Lampedusa nach Deutschland gekommen sind und infolgedessen nicht einmal das Recht haben, Asylanträge zu stellen.

Wir haben keine Möglichkeiten, ein würdevolles Leben in Europa zu führen. Die Asylpolitik hindert uns daran, in Wohnungen zu leben und unseren eigenen Lebensunterhalt zu erarbeiten. Die Bedrohung durch Deportation lässt uns in ständiger Angst leben. Was ist das für ein Leben, wenn stets die Gefahr besteht, vielleicht schon morgen von der Polizei abgeholt zu werden?

Unsere Forderungen sind und bleiben die Abschaffung der Lager- und Residenzpflicht, der Stopp aller Abschiebungen, ein dauerhaftes Bleiberecht, das Recht auf Arbeit, Bildung und selbstbestimmtes Wohnen, sowie das Recht auf Bewegungsfreiheit. Wir verlangen, dass man uns als Menschen respektiert, wir wollen unsere Menschenrechte!

Wir waren gezwungen, unser bisheriges Leben aufzugeben, weil Kriege um Ressourcen, wirtschaftliche Ausbeutung und politische Verfolgung uns keine andere Wahl ließen, als unsere Familien zu verlassen und nach Europa zu fliehen.

Westliche Regierungen stützen Diktatoren mit Waffenlieferungen und verwüsten mit Militäreinsätzen unsere Städte. Ob in Libyen, in Tunesien, in Afghanistan oder im Kongo: Europa geht es nicht um den Schutz der Bevölkerungen, sondern um den Zugang zu Ressourcen. Diese Tatsachen erinnern an koloniale Zustände und die Leidtragenden sind wir, doch wird unsere Geschichte nicht gerne erzählt.

Wir haben es satt, Spielball der europäischen Außen- und Asylpolitik zu sein. Wir sind für diese Kriege nicht verantwortlich und nicht länger bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen. Wir sind nicht das Problem!

Warum können deutsche Staatsbürger_innen problemlos um die Welt reisen, Urlaub machen oder sich niederlassen, während wir, die wir gezwungen sind unsere Heimat zu verlassen, auf der Flucht unser Leben riskieren, um auf so entwürdigende Weise in Lagern und Abschiebegefängnissen festgehalten zu werden?

Noch vor kurzem wurde vom Sterben hunderter Menschen vor Lampedusa berichtet.

Doch diese Katastrophen führen nicht zu einem Umdenken.

Im Gegenteil werden mit Frontex und Eurosur die Grenzen Europas weiter aufgerüstet. Es wird sichtbar, dass europäische Interessen uns nicht nur in unseren Herkunftsländern bedrohen, sondern uns auch den Zugang zu einem Leben in Sicherheit verwehren. Viele Politikerinnen und Politiker zeigten sich öffentlich entsetzt, aber an unseren Lebensbedingungen in Europa hat sich nichts geändert.

Die offiziell Verantwortlichen suchen weder humane, noch politische Lösungen für dieses Problem, weil sie selbst Teil der Ursache sind.

Anstatt sich ernsthaft mit unserer Situation und den Forderungen auseinanderzusetzen, droht Innensenator Frank Henkel nun damit, unser Protest-Camp mit Gewalt zu räumen, um uns in die Unsichtbarkeit der Lagerisolation zurückzudrängen oder abschieben zu lassen.

Deshalb rufen wir nun alle Menschen sowie politische und gesellschaftliche Akteure wie Gewerkschaften, Schulen, Universitäten, Kirchen und Vereine dazu auf, sich aktiv mit unseren Forderungen zu solidarisieren, unseren Aufruf zu unterstützen und mit uns gemeinsam die Räumung des Oranienplatzes zu verhindern. Der Oranienplatz steht für Partizipation, Solidarität und Austausch und wird mittlerweile europaweit als Symbol des selbstorganisierten Protests Geflüchteter angesehen.

Ja, es ist kalt und das Leben dort ist nicht einfach. Aber wir haben uns dazu entschlossen, diese Bedingungen in Kauf zu nehmen, weil wir keinen anderen Weg sehen, das Eis zu brechen. Wenn unsere Forderungen erfüllt sind, räumen wir das Camp selbst.

Nimmt uns der Senat den Oranienplatz, nimmt er uns die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben. Wir haben keine Zeit mehr. Während wir diese Zeilen schreiben, bekommen immer mehr von uns hohe Strafen für die Missachtung der Residenzpflicht oder werden abgeschoben.


Die Bewegung wächst, werdet Teil der Bewegung!
Bringt Decken, Schlafsäcke, Essen, Musik, heißen Tee und jede Menge Entschlossenheit mit!

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