9.Juni: Demo wegen Massaker in Lice


Eine völlig friedliche Demonstration von mehreren hundert Menschen gegen die Ermordung von 2 kurdischen Aktivist_innen durch das türkische Militär am Samstag in Lice wurde am 9.Juni von der Berliner Polizei ohne erkennbaren Grund am Kreuzberger Oranienplatz angegriffen. Mit Pfefferspray und Faustschlägen ging sie gegen die Demonstrationteilnehmer_innen vor, es gab mehrere Verletzte und Festnahmen. Für eine ältere kurdische Frau musste ein Rettungswagen gerufen werden. Die Übergriffe waren eindeutig im vorhinein von der Polizei geplant, schon zu Beginn schien sich abzuzeichen das die Berliner Polizei an diesem Tage darauf aus war den überwiegend kurdischen und türkischen Demonstrant_innen „auf die Schnauze zu geben“, wie es eine Polizeibeamtin schon zu Beginn der Demonstration zurückhaltend formulierte. Hier ein Bericht vom Lower Class Magazine der die Ereignisse heute Nachmittag in Kreuzberg sehr treffend beschreibt:

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Fotos: 1, 2


9. Juni: Demonstration gegen die Morde der türkischen Armee an Friedensaktivisten in Lice

Über­all ist Lice – über­all ist Wi­der­stand!
Tür­ki­sche Armee er­mor­det Frie­dens­de­mons­tran­ten in Kur­dis­tan

Am 07.06. er­öff­ne­te das tür­ki­sche Mi­li­tär das Feuer auf eine Frie­dens­de­mons­tra­ti­on der Dorf­be­völ­ke­rung in der Re­gi­on Piran (Lice) in der nord­kur­di­schen Pro­vinz Amed (Diy­arba­k­ir). Dabei wur­den die bei­den Ak­ti­vis­ten Ra­ma­zan Baran und Baki Ak­de­mir gegen 16:30 Uhr durch Schüs­se ge­tö­tet. Viele wei­te­re Men­schen wur­den ver­letzt.

Seit mehr als zwei Wo­chen leis­tet die Dorf­be­völ­ke­rung führt in der Re­gi­on Piran Wi­der­stand gegen den Auf­bau neuer Fes­tun­gen des tür­ki­schen Mi­li­tärs. Das tür­ki­sche Mi­li­tär nutzt den Waf­fen­still­stand der kur­di­schen Gue­ril­la aus, um hun­der­te neue mi­li­tä­ri­sche Stel­lun­gen, sowie Stau­däm­me zu mi­li­tä­ri­schen Zwe­cken zu er­rich­ten. Die Be­völ­ke­rung sieht darin einen Bruch des Waf­fen­still­stands und be­gann vor etwa einem Monat vie­ler­orts da­ge­gen zu pro­tes­tie­ren, Stra­ßen zu blo­ckie­ren, Bau­stel­len zu be­set­zen und Pro­test- sowie Wi­der­stands­ak­tio­nen durch­zu­füh­ren. Diese Mi­li­tär­stütz­punk­te sind von der Be­völ­ke­rung immer wie­der als Aus­gangs­punk­te von Re­pres­si­on, Un­ter­drü­ckung und Ver­schwin­den­las­sen er­lebt wor­den. So wurde eben­falls in Piran 28.9.2009 das kur­di­sche Mäd­chen Cey­lan Onköl ge­zielt mit einer Mör­ser­gra­na­te aus einer sol­chen Mi­li­tär­sta­ti­on her­aus ge­tö­tet. Am 28.06. 2013 wurde der Ju­gend­li­che Me­deni Yil­di­rim vom tür­ki­schen Mi­li­tär bei einem Pro­test gegen eine Mi­li­tär­ba­sis er­schos­sen, zehn wei­te­re De­mons­tran­tIn­nen wur­den durch Schüs­se teil­wei­se schwer ver­letzt. Am 07.06.eröff­ne­te nun das tür­ki­sche Mi­li­tär er­neut das Feuer aus einer Stel­lung her­aus das auf eine Pro­test­kund­ge­bung und er­mor­de­te un­se­re bei­den Ge­nos­sen.

De­mons­tra­ti­on | Mon­tag 17 Uhr | Kott­bus­ser Tor | Ber­lin-Kreuz­berg

Tür­ki­scher Staat zielt auf Ein­schüch­te­rung des zi­vi­len Wi­der­stands ab

Die­ser töd­li­che An­griff wurde vom tür­ki­schen Mi­li­tär an­ge­kün­digt. Durch die Dif­fa­mie­rung der Dorf­be­völ­ke­rung als Ter­ro­ris­ten soll­te so ein Klima ge­schaf­fen wer­den, in dem sol­che Über­grif­fe mög­lich sind. Nach­dem der Mi­nis­ter­prä­si­den der Tür­kei die zi­vi­len De­mons­tran­tIn­nen öf­fent­lich als „Ban­di­ten und Ter­ro­ris­ten“ be­schimpft hatte, be­gann das Mi­li­tär die Be­völ­ke­rung mit Ver­nich­tung zu be­dro­hen. Auf einem Video ist deut­lich zu sehen wie ein tür­ki­scher Mi­li­tär am 04.06. über Laut­spre­cher zu den De­mons­tran­tIn­nen er­klärt: „Wir wer­den euch ver­nich­ten wo wir Euch fin­den kön­nen. Wir wer­den Euch gleich um­zin­geln. Ihr wer­det sehen, wir wer­den diese Ter­ro­ris­ten ver­nich­ten. (…).“ Dar­auf­hin be­gann schon zu die­sem Zeit­punkt das tür­ki­schen Mi­li­tär einen mas­si­ven An­griff mit Gas­gra­na­ten und schar­fen Waf­fen. Der tür­ki­sche Staat scheint den Frie­dens­pro­zess nur als eine Mög­lich­keit zu be­trach­ten, seine mi­li­tä­ri­sche Be­sat­zung in Kur­dis­tan aus­zu­bau­en. Die An­grif­fe auf die Zi­vil­be­völ­ke­rung sind Teil einer Ein­schüch­te­rungs­stra­te­gie. Zi­vi­le Pro­tes­te wurde nicht nur in Piran mit mi­li­tä­ri­scher Ge­walt an­ge­grif­fen, am sel­ben Tag grif­fen Spe­zi­al­ein­hei­ten der Jan­dar­ma in Bed­lis (Bit­lis) Ju­gend­li­che an, die eine Ge­denk­ze­re­mo­nie auf einem Fried­hof durch­führ­ten. Auch hier wurde aus schwe­ren Waf­fen das Feuer er­öff­net und die Ju­gend­li­chen konn­ten sich gegen den halb­stün­di­gen Dau­er­be­schuss nur ret­ten, indem sie in ein nahe ge­le­ge­nes Wald­stück flo­hen.

So­li­da­ri­tät zei­gen – den Wi­der­stand ver­ei­nen

Die kur­di­sche Ju­gend­be­we­gung er­klär­te zu den Mor­den: „Wir wer­den den Fun­ken des Frei­heits­kamp­fes, der von Lice aus­geht in ein gro­ßes Feuer des Wi­der­stands ver­wan­deln. Wir rufen die Be­völ­ke­rung von Amed und alle auf, gegen die Mas­sa­ker­po­li­tik der AKP auf­zu­ste­hen. Lasst uns die Stra­ßen und Plät­ze Kur­dis­tans und an jedem Platz an dem wir uns be­fin­den neh­men und die fa­schis­ti­sche Po­li­zei der AKP Re­gie­rung nach Re­chen­schaft fra­gen und diese mör­de­ri­sche Po­li­zei aus Kur­dis­tan drän­gen. Lasst uns gegen den Ko­lo­nia­lis­mus der Tür­kei für ein wür­di­ges Leben auf­ste­hen,heute ist der Tag jeden Ort in Lice zu ver­wan­deln. Lasst uns von den Stadt­vier­teln bis zu den Stra­ßen über­all Wi­der­stands­fron­ten auf­bau­en und die Mör­der Re­chen­schaft ab­le­gen las­sen!“ Bei den ge­walt­sam nie­der­ge­schla­ge­nen Pro­tes­ten zum Jah­res­tag des Ge­zi-Park-Auf­stan­des rie­fen auch in Istan­bul die De­mons­tran­ten „Über­all ist Lice – über­all ist Wi­der­stand.“ Diese Men­schen haben be­grif­fen, dass der Kampf der kur­di­schen Frei­heits­be­we­gung und der kur­di­schen Be­völ­ke­rung ein Kampf für die De­mo­kra­ti­sie­rung und Be­frei­ung der gan­zen Re­gi­on ist. In die­sem Sinne wol­len auch wir hier gegen diese Morde und die Kriegs­po­li­tik der Tür­kei pro­tes­tie­ren.

Trotz der der­zei­ti­gen Que­re­len zwi­schen der Tür­kei und BRD ist die Tür­kei einer der wich­tigs­ten Ab­neh­mer deut­scher Waf­fen und enger mi­li­tä­ri­scher Al­li­ier­ter, ins­be­son­de­re wenn es gegen die kur­di­sche Frei­heits­be­we­gung geht. Diese Be­we­gung ist eine der stärks­ten eman­zi­pa­to­ri­schen Be­we­gun­gen welt­weit, die gegen Na­tio­na­lis­mus und Ko­lo­nia­lis­mus, für Frau­en­be­frei­ung und Ba­sis­de­mo­kra­tie kämpft.

Lasst und ge­mein­sam pro­tes­tie­ren – ob am Gezi Park, in Lice oder in Ber­lin – tragt Eure Wut und Trau­er auf die Stra­ßen.

Schluss mit der Waf­fen­hil­fe für die Tür­kei – die Er­mor­de­ten von Lice leben in un­se­rem ge­mein­sa­men Kampf wei­ter

Hoch die in­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät!

Kur­dis­tan So­li­da­ri­täts­ko­mi­tee Ber­lin