Archiv der Kategorie 'Antifaschismus'

12.Juni: Wut und Trauer zu Widerstand – im Gedenken an Clément Méric und all die anderen


*Wut und Trauer zu Widerstand – im Gedenken an Clément Méric und all die anderen*

Gedenkkundgebung | Mittwoch 12. Juni | 15 Uhr | Französischen Botschaft | Pariser Platz

In Paris, nahe des Bahnhofs Saint Lazare, wurde am frühen Abend des 5.Juni der Antifaschist Clément Méric von mehreren Nazis angegriffen und umgebracht. Er verließ gerade in einer kleineren Gruppe ein Geschäft, als eine Gruppe Skinheads sie gezielt attackierte. Ein Faustschlag, vermutlich verstärkt durch einen Schlagring, traf Clément so heftig,
dass er nach hinten kippte und mit dem Kopf auf einen Poller aufschlug. Einige Stunden später ist er im Krankenhaus an diesen Verletzungen gestorben.

Fünf Angeklagte sind bisher von der Polizei gefasst worden, darunter der vermeintliche Haupttäter. Der Vorwurf lautet Mord. In der Presse gab es Bekenntnisse des Entsetzens über die Grausamkeit der Tat, von Politiker_innen aller Couleur bis hinein in die rechtskonservative UMP. Es wurde die Aufklärung des Falls gefordert. Zehntausende gingen jedoch in den folgenden Tagen in größeren StädtenFrankreichs auf die Straße, um ihre Solidarität mit Clément alsanarchistischen Antifaschisten in teils ergreifender Weise zu äußern,denn es geht um mehr als diesen einen Fall. Schuld ist nicht nur der Hauptangeklagte, schuld ist die Politik, die solche Taten ermöglicht, schuld ist eine Gesellschaft, in der Hunderttausende gegen Homosexualität demonstrieren und die Teile der Bevölkerung rassistischer Gewalt aussetzt. Der Mord an Clément ist nur ein Beispiel für Gewalt
gegen Menschen, die von der Mehrheitsgesellschaft nicht akzeptiert werden und durch Polizei, Staat und wütende Bürger_innen verfolgt, diskriminiert, angegriffen und umgebracht werden, jeden Tag.

Wir wollen daher an Clément gedenken, dessen Leben und Kämpfen durch brutale Gewalt plötzlich beendet wurde. Unsere Solidarität gilt seinen Nächsten und denen, die gemeinsam mit ihm für eine befreite Gesellschaft kämpfen.

Wir wollen all derer gedenken, die vor den Mauern der Festung Europa gestorben sind, all der Opfer rassistischer und ausgrenzender Gewalt, die keine große Aufmerksamkeit bekommen. Kein Vergeben, kein Vergessen.

Erinnern heißt kämpfen!

Bringt Blumen mit, bringt Wut mit, zeigt Solidarität mit den Verfolgten
und Diskriminierten!*

Clément ? à jamais un des nôtres!*

Solidarische grüße, RASH und Siempre Antifascista.**

20.05.2013: Veranstaltung // Pankow-Buch – Neuer Hotspot der Neonaziszene?


Plakat / Print-Version, A3, schwarz-weiss, jpeg

ReferentInnen: Bündnis “Niemand ist vergessen” und North East Antifa [NEA]

Eine gemeinsame Mobi-Veranstaltung u.a. mit North East Antifa [NEA]

Beginn: 20:30 Uhr | Ort: Stadtteilladen Zielona Góra – Grünberger Str. 73, am Boxi, Berlin-F’Hain

mit veganer Volxküche ab 20:00 Uhr, nach der Veranstaltung Solitresen, free Kicker & Polit-Mucke
Seit mehr als einem Jahr hat sich der Pankower Ortsteil Buch zu einem Schwerpunkt rechter Aktivitäten entwickelt. Das Viertel, das gerade mal ein Drittel so groß ist wie Friedrichshain, wird mit Nazi-Propaganda überzogen und schon mehrmals wurden die wenigen Linken, die es in Buch gibt, bedroht und verfolgt. Die Fascho-Gruppe, die u.a. unter dem Namen “A.G. Buch” agiert erhält bei ihren Aktionen Unterstützung von NPD und dem sog. “Nationalen Widerstand Berlin”. Um dagegen Öffentlichkeit zu schaffen veranstalten antifaschistische Initiativen eine Vortragsreihe zum Thema und rufen zu einer Antifa-Demonstration am 24. Mai auf.

Am 24. Mai ist auch der 13. Todestag von Dieter Eich, der im Jahr 2000 von Bucher Neonazis auf Grund seiner Erwerbslosigkeit ermordet wurde. Die Demo soll die direkte Intervention gegen die lokalen Nazibestrebungen mit dem Gedenken an Dieter Eich und der Forderung nach einem Gedenkstein verbinden.

8.Juni: Konzert gegen Rassismus in Oberhausen

Am 08. Juni 2013 findet in Oberhausen ein Konzert der linken türkischen Musikgruppe Grup Yorum statt. Die bekannte linke tuerkische Band spielte in der Tuerkei im vergangenen Monat vor ueber 400 000 Menschen und ist wegen ihrer kompromisslosen Haltung gegenueber Ausbeutung und Unterdrueckung immer wieder Angriffen des tuerkischen Staates ausgesetzt. Unter dem dem Motto „Ein Herz, eine Stimme gegen Rassismus“, setzt das Konzert ein gemeinsames antifaschistisches Zeichen gegen staatlichen Rassismus und Neo-Nazis in Deutschland und Gerechtigkeit für die Opfer des NSU gefordert.

Aus Berlin fahren Busse zu dem Konzert. Busfahrkarten inkl. Konzertticket können für 10€ (+ 10€ Pfand) im Red Stuff, Yorum Kültür Evi, Gökkuşağı Kitapevi und Fırat Kitabevi erworben werden.

Konzert von Grup Yorum: Vereint gegen Rassismus
8. Juni 2013 | 17 Uhr | Pilsener Arena | Oberhausen

1.Mai: Bis zu 20 000 Menschen tragen den Protest gegen Krise, Krieg und Kapitalismus „ins Herz der Bestie“

Trotz massiver Polizeischikanen und Übergriffen trugen am 1.Mai in Berlin 16 000 bis 20 000 Menschen ihre Protest gegen Krise, Krieg und Kapitalismus ins „Herz der Bestie“. Unter dem Jubel tausender und unter den Klängen der griechischen Version der „Internationale“ und des Partisanenliedes „Bella Ciao“ zogen die Demonstrant_innen auf den Boulevard „Unter den Linden“ in Sichtweite des Berliner Büros der europäischen Kommission und den Brandenburger Tors. Eine Delegation von Gewerkschaftlern und linken Aktivist_innen aus Griechenland, die als Zeichen der internationalen Solidarität an der Spitze der Demonstration gelaufen waren, bedankten sich auf der Abschlusskundgebung für die erfahrene Unterstützung und riefen zu einem gemeinsam Kampf jenseit nationaler Grenzen gegen die Auswirkungen der vor allem von der Merkel-Regierung vorangetriebene Krisenpolitik. Sie forderten dazu auf den Protest im nächsten Jahr bis vor das Kanzleramt zu tragen, von wo aus sich eine „Spur der sozialen Verwüstung“ durch Europa ziehe. „Und in übernächsten Jahr ins Kanzleramt“ ergänzte ein Sprecher des revolutionären 1.Mai-Bündnis. Zuvor war der bunte und kämpferische Demonstrationszug, der in diesem Jahr unter dem Motto „Einzige Lösung: Revolution – Tek Yol Devrim – One Solution Revolution“ stand, eine Kilometerlange Route durch Kreuzberg und Mitte langgezogen. Vom Lausitzer Platz in Herzen von Kreuzberg vorbei am alternativen Kulturzentrum und Wagenplatz Köpi 137, dem Alex-Springer-Hochaus und dem Bundesministerium für Finanzen. Die von Bündnis angemeldte Route durch die Rudi-Dutschke-Strasse vorbei an den Springerpassagen, dem Job-Center und der Wohnungsbaugenossenschaft GSW war im Vorfeld von Berliner Verwaltungsgericht verboten worden und war mit Wasserwerfern und Räumpanzern grossflächig abgesperrt.

Die Demonstration gliederte sich in viele verschiedene Blöcke, die konkrete Bewegungen und Kämpfen thematisierten die hier in BRD aktuell gegen die Auswirkungen des kapitalistischen Verwertungswahns geführt werden. Neben dem Bündnisblock, wo Aktivist_innen aus Griechenland, vermummte Autonome und Sympathisant_innen türkischer und kurdischer revolutionäre Organisationen solidarisch Schulter an Schulter liefen, gab es den Klassenkämpferischen Block linker Gewerschaftler und kommunistischer Gruppen, einen Jugendblock linker Jugendorganisationen und Gewerkschaftsjugenden, den Block der Kampagne „Fight Racism Now“ zur Unterstützung der selbstorganisierten Kämpfe der Flüchtlinge, einen Mieter_innenblock und einen der Berliner Bloccupy Plattform.

An der Heinrich-Heine-Strasse artikulierten Anarchistische Aktivist_innen ihre Ablehnung des Kapitalismus ganz handfest an einer Filiale der Sparkasse. Im Anschluss kam es auf der Heinrich-Heine-Strasse und der Oranienstrasse immer wieder zu militanten Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt. Kurzzeitig sah es so aus als ob die Polizei wie im Vorjahr die Demonstration stoppen und auseinanderprügeln würde. Durch das besonnene und solidarische handeln der Demonstrationsteilnehmer_innen konnte eine ungeplante Eskalation und ein Auseinanderbrechen des Demonstrationszuges jedoch verhindert werden.

Zuvor waren die tausenden Demonstrant_innen immer wieder von Dächern an der Wegsstrecke von vermummten Aktivist_innen mit Pyrotechnik, Fahnen und Transparenten wie „Kampf dem Kapital“ und „Crisis. Racism. Fight Capitalism!“ gegrüsst worden.

Begonnen hatte die Demonstration kurz nach 18 Uhr am Lausitzer Platz in Berlin mit der Begrüssungsrede des revolutionären 1.Mai-Bündnis und einem Konzert des HipHop-Kollektiv „La Gale“ aus Beirut/Lausanne. Anschliessenden sprachen Gewerkschaftsaktivist_innen aus Griechenland zu den katastrophalen sozialen Auswirkungen des neuen deutschen Sendungsbewusstseins in ihrem Land und ein Aktivist der Mieter_innenbewegung zu dem Widerstand gegen Mieterhöhung, Zwangsräumungen und dem tragischen Tod von Rosemarie F. Anschliessenden wurde über die Antifa-Proteste gegen den Naziaufmarsch in Schöneweide am Vormittag und den revolutionären 1.Mai in Istanbul berichtet, wo es nach einem Demoverbot für den symbolträchtigen „Taksim Platz“ zu schweren Strassenschlachten zwischen linken Demonstranten und der Polizei gekommen war. Anschliessend setzte sich der Demonstrationszug um 19 Uhr, weit früher als üblich, in Richtung Köpenicker Strasse in Bewegung, während auf dem Lautsprecherwagen des Bündnisses ein Mitglied der linken HipHop-Urgesteine von Anarchist Academy ein paar ihrer Tracks Live performte. In deutsch, türkisch und englisch wurde immer wieder auf das Anliegen der Demonstration hingewiesen und dazu aufgerufen geschlossen zu laufen um der Polizei keine Möglichkeit zu bieten die Demonstration auseinanderzuprügeln. Neben Redebeiträgen zur NSU, der Geschichte des 1.Mai und einem Redebeitrag der Köpi und des Räumungsbedrohten Wagenplatzes zur ihrer aktuellen Situation gab es auch Grussbotschaften von politischen Gefangenen aus aller Welt. Neben einer Audio-Grussbotschaft des afroamerikanischen politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal an die Demonstrant_innen wurde ein Grusswort des inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan verlesen. Anschliessend übermittelte die Frau des in Frankfreich inhaftierten türkischen Revolutionär Nezif Eski per Telefon ihre Grüsse und die ihres Mannes an die Demonstrant_innen. Nezis Eski befindet sich seit 51 Tagen im Hungerstreik um gegen seine menschenunwürdige Behandlung im Knast wiederstand zu leisten. Seine Gesundheitliche Situation wird immer kritischer.

Im Anschluss an die Demonstration griff die Berliner Polizei mehrfach Menschen auf dem Weg zurück nach Kreuzberg an, mehre Festnahmen und Verletzte wurden beobachtet. Auch am Kottbusser Tor am Rande des Myfestes kam es in den Abendstunden immer wieder zu den üblichen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dem Berliner Ermittlungsausschuss sind während und nach der Demo 25 Festnahmen gemeldet worden, 4 sitzen unter Umständen noch in Haft.

Einige Neuköllner Anwohner_innen nutzen den Trubel und die Polizeifestspiele in Kreuzberg um beim Neuköllner H&M seelenruhig „proletarisch einzukaufen“ und ihren Ärger an einer spanischen Pleitebank auszulassen.

Vormittags prügelte die Berliner Polizei ein Haufen von 300 Nazis gegen 3000 Gegendemonstrant_innen durch. In der Walpurgisnacht protestierten mehrere tausend Menschen in Wedding gegen steigende Mieten, Rassismus und Polizeigewalt. Zeitgleich wurde auch in Schöneweide gegen Nazistrukturen wie den Henker demonstriert. Dort kam es am Ende zu Polizeiübergriffen, während es im Wedding überwiegend friedlich blieb. Vielen Dank für alle die dabei waren und wir sehen uns hoffentlich am 31.Mai und 1.Juni in Frankfurt/Main bei den antikapitalistischen „Blocupy“ Aktionstagen auf den Barrikaden. Artikel, Foto und Videostrecken werden regelmässig aktualisiert…

Um einen Rückblick auf die Ereignisse des ersten Mai 2013 in Berlin und weltweit zu werfen und über die anstehenden „Blockupy“ Aktionstage in Frankfurt zu informieren laden wir euch am 1o.Mai um 19 Uhr (PÜNKTLICH!) ins Zielona Gora in die Grünberger Str 72 in Berlin – Friedrichshain zum ARAB-Tresen ein. Es wird Videos und Fotos vom 1.Mai weltweit geben, kühle Getränke und revolutionäre Kultur geben.

1.Mai-Video-Rückschau | 10.Mai | 19 Uhr | Zielona Gora | Grünberger Str.72

Fotos:1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10

Videos: 1, 2, 3, 4

Fotos weltweit: 1, 2

Videos weltweit: 1, 2, 3, 4

Der 1.Mai in Hamburg, Nürnberg, Duisburg, Bonn, Stuttgart, Heilbronn, Frankfurt, Freiburg, Rostock, Karlsruhe

weltweit: Istanbul, Athen, Madrid, London, Rotterdam, Dublin, Tunis, Kairo, Bagdad, Chicago Seattle, Los Angeles, Washington, Montreal, Tapei, Jakarta, Dhaka

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13.April: Nazis morden, der Staat lädt nach…

Am 17 April beginnt in München der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere Neonazis wegen der Verbrechen der Nazi-Zelle NSU. Dreizehn Jahre konnte diese rassistische Mörderbande ungehindert durch Deutschland ziehen, zehn Menschen erschießen und weitere durch Bombenanschläge verletzen – aus Hass, weil die Opfer (bis auf eine Polizistin) nicht deutsch, sondern türkischer, kurdischer, griechischer Herkunft waren. Die beispiellose Mordserie war möglich, weil Teile von Polizei und Geheimdienst die Nazi-MörderInnen direkt unterstützten oder bewusst wegschauten! Mit einer Demonstration am Samstag vor Beginn des NSU-Prozesses wollen wir der Ermordeten gedenken und die Verantwortung des Staates für den Nazi-Terror aufzeigen. Wir rufen auf zum Aufbau wirksamer Gegenwehr gegen faschistische Gewalt und rassistische Angriffe – Mit allen Mitteln, die notwendig sind!

Bundesweite Demo | 13. April | München

Mobi-Video
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20.Februar: Generalstreik in Griechenland. Ein Erlebnisbericht


Dutzende Generalstreiks hat Griechenland seit dem Beginn der Krise erlebt. Einige mit Streikdemonstrationen, an denen sich Hunderttausende beteiligten, mit Massenmilitanz und der wirklich in der Bevölkerung vorhandenen Hoffnung, nun beginne der Anfang vom Ende der ganzen Scheiße. Auch für heute, den 20.2.2013, haben die Gewerkschaftsdachverbände GSEE und ADEDY, die kommunistische Gewerkschaftsfront PAME sowie eine Reihe von Basisgewerkschaften, anarchistischen, kommunistischen und linken Gruppen zum Generalstreik aufgerufen. Im Mittelpunkt stand – wie könnte es anders sein – der Protest gegen die brutale Verarmungspolitik, mit der die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras inspiriert von der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF das Land überzieht. Deren Eckpunkte: Massenarbeitslosigkeit (27 Prozent bei der Gesamtbevölkerung, 62 Prozent bei Jugendlichen unter 24), Deindustrialisierung, Privatisierungen, rasantes Lohndumping (durchschnittlicher Rückgang um 40 Prozent), die Abschaffung von Kollektivverträgen, die Zerstörung des Sozial-, Renten- und Gesundheitssystems, die Aushebelung des Streikrechts mittels „Notstandsverordnung“ – die Liste ist lang. Während sich vor dem Griechischen Konsulat am Wittenbergplatz in Berlin ca 30 Menschen traffen um ihre Solidarität mit den Generalstreik in Griechenland zu bekunden, gingen in Athen wiedereinmal zehntausende auf die Strasse.

Im folgenden wollen wir einige Eindrücke des langen Tags der Apergia, des Streiks, mit euch teilen. (mehr…)

10.Februar: Gedenkstein in Ziegenhals eingeweiht


Am 10. Februar 2013 wurde vor dem Gelände des ehemaligen Sporthauses Ziegenhals ein Gedenkstein eingeweiht. Er erinnert an die unter illegalen Bedingungen stattfindende letzte Zusammenkunft führender Mitglieder der KPD am 7. Februar 1933. Viele der damaligen Teilnehmer wurden von den Faschisten ermordet.

Etwa 200 Menschen waren gekommen um an die antifaschistischen Widerstandskämpfer zu erinnern und auf die Gefahren faschistischer Tendenzen in der kapitalistischen Gesellschaft aufmerksam zu machen. Leo Kuntz, Sohn von Albert Kuntz, einem Teilnehmer der KPD-Tagung in Ziegenhals, betonte dies in seiner Einweihungsrede mit den Worten Brechts:
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“
Er machte auch deutlich, dass eine Triebkraft der Faschismus der Antikommunismus ist. In eine eindeutig antikommunistische Stoßrichtung ist auch der Abriss der Gedenkstätte und des Sporthauses Ziegenhals im Jahr 2010 einzuordnen. Wir, die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin begrüßen es daher, dass an diesem historischen Ort nun wieder ein Gedenkstein steht.

Antikommunistischen und faschistischen Ideologien und Bewegungen treten wir entschlossen entgegen. ¡No pasarán! (mehr…)

12-13. Januar: Tausende Gedenken Rosa, Karl, Sakine, Leyla, Fidan und allen von der Reaktion ermordeten Revolutionär_innen


Tausende Linke aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland trafen sich am vergangenen Wochenende in Berlin um den am 15. Januar durch die SPD und ihre rechtsextremen Helfershelfer_innen ermordeten Revolutionär_innen und Gründer_innen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu Gedenken. Das Gedenken an die beiden ermordeten Kommunist_innen gilt als eines der größten regelmäßig stattfindenden Treffen der radikalen Linken in der BRD.

Überschattet wurde das Gedenken in diesem Jahr von dem Mord an drei Genossinnen aus der kurdischen Frauenbewegung am Mittwoch in der Pariser Innenstadt. Bei diesem, vermutlich von türkischen Rechtsextremist_innen oder paramilitärischen Kräften innerhalb des türkischen Staatsapparates durchgeführten, Mordanschlag ist auch Sakine Cansiz erschossen worden, eine der Mitbegründer_innen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und wichtige Symbolfigur innerhalb der kurdischen Frauenbewegung, die auch als kurdische Rosa Luxemburg bezeichnet wird [Infos]. Schon am Freitag gab es in Gedenken an die drei ermordeten kurdischen Genossinnen spontane Protestaktionen in Berlin. Nachdem sich schon am Vormittag bis zu 100 Menschen vor der französischen Botschaft am Pariser Platz versammelt hatten um dem französischen Botschafter eine Protestresolution zu überreichen und einen Kranz im Andenken an die Ermordeten niederzulegen, zogen am Nachmittag über 1000 Menschen mit einer beeindruckenden Gedenkdemonstration durch die Bezirke Neukölln und Kreuzberg. Dabei wurde immer wieder dazu aufgerufen sich am Sonntag an der Liebknecht-Luxemburg-Demo zu beteiligen und auch dort einen Block zum Gedenken an die kurdischen Freund_innen zu bilden.

Am Samstag öffnete dann die „XVIII. internationale Rosa Luxemburg-Konferenz“ ihre Pforten in der Westberliner Urania. Bis zu 2000 Menschen besuchten im Laufe des Tages die Konferenz und diskutierten über Alternativen zum kapitalistischen Irrsinn und lauschten den Vorträgen internationaler Gäste aus verschiedenen Spektren der Linken. Auch hier war das Gedenken an die ermordeten kurdischen Genoss_innen präsent. Kurdische Jugendliche, internationalistische Feminist_innen und Antifaschist_innen verlasen spontan einen Beitrag zu den Hintergründen des Mordanschlages und zeigten einen Film über die ersten Proteste am Donnerstagmorgen in der Pariser Innenstadt. In einer Resolution verurteilten die Teilnehmer der Konferenz anschließend die Morde an Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Söylemez als brutalen Anschlag auf den Friedensprozeß. Sprechchöre aus dem Publikum forderten eine Aufhebung des Verbots der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zeitgleich gingen in Paris zehntausende Kurd_innen aus ganz Europa auf die Strasse um eine Aufklärung der Morde zu fordern, im Baskenland demonstrierten über 100 000 Menschen für die Freiheit der politischen Gefangenen und in Magdeburg protestierten 15 000 gegen Nazis und immerhin einige hundert stellten sich entschlossen den Nazis und der Polizei entgegen. Dabei kam es wie zu erwarten zu massiven Polizeiübergriffen gegen Antifaschist_innen.

Abends ab 23 Uhr versammelten sich mehre hundert Menschen auf Einladung der ARAB und der SDAJ im Berliner Club Bi – Nuu in Kreuzberg und feierten bis in die frühen Morgenstunden auf der mittlerweile auch schon traditionellen „Liebkencht – Luxemburg – Party“ die Revolution und den „Marxism-Leninism-Discoism“.

Am Sonntag fand dann der traditionelle Gedenkzug linker Gruppen unterschiedlicher Strömung zur Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde, zu den Gräber von Rosa und Karl statt. Unbeeindruckt von den Spaltungsversuchen der Jugendverbände von SPD, Grüne und Linkspartei sowie einige selbsternannten „emanzipatorischer Linker“ versammelten sich wie in die Vorjahren tausende linker unterschiedlichster Couleur am Frankfurter Tor um gemeinsam zu Rosa und Karl zu ziehen und ihr Andenken wach zu halten. Die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) hatten in diesem Jahr gemeinsam mit den Genoss_innen des „revolutionären Bündnis 3A“ zu einem revolutionären Block unter dem Motto „Dem deutschen Imperialismus in den Rücken fallen – Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ aufgerufen. Kurdische, türkische, baskische und palästinensische Genoss_innen schlossen sich dem Block an und sorgten für einen starken und solidarischen internationalistischen Ausdruck. Neben dem Andenken an die ermordeten kurdischen Genoss_innen gab es auch Beiträge von den baskischen Solidaritätsnetzwerk „Lagunak“ und einen Auftritt des palästinänsischen Rappers Guevarah. In der Begrüßungsrede sagte sagte ein Vertreter der ARAB :“Grade heute, in einer Zeit in der der deutsche Imperialismus sich wieder einmal aufmacht zu einer Weltmacht zu werden. Eine Zeit die geprägt ist von wachsender Armut, Vereinzelung, Rassismus und einer schwachen – oft ohnmächtig wirkenden – Widerstandsbewegung –  könnte die Rückbesinnung auf verschüttetes, gebrochenes und verlorengegangenes Wissen  der revolutionären Arbeiterbewegung wichtige Impulse für die Reorganisierung einer revolutionären Linken bieten, die sich selbst ernst nimmt und mehr sein will als ein folkloristisch anmutender Traditionspflegeverein oder eine kleine subkulturelle Nische von selbstgerechten Besserwissern.“ Im Anschluss ging das „3A-Bündnis“ in einem Redebeitrag auf die Aktualität der Analysen Rosas und Karls angesichts des wiederstarken des deutschen Imperialismus, Nationalismus und Chauvinismus ein und betonte die Notwendigkeit eines revolutionären Bruchs mit den herrschenden System als wichtigste Lehre Liebknecht und Luxemburgs.Daraufhin zogen die Teilnehmer_innen unter Sprechchören wie „Sehid Namirin “, „Hoch die internationale Solidarität“ und „Ich bin – Ich war – Ich werde sein – Die Revolution wird die Menscheit befreien“ und – aus akuellen Anlass – vor allem Lieder aus der kurdischen und türkischen revolutionären Bewegung zur Grabstätte der Sozialist_innen.  

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12 & 19.Januar: Naziaufmarsch in Magdeburg verhindern!


Für den 12. Januar 2013 mobilisiert das Bündnis Magdeburg Nazifrei bundesweit zu Blockaden gegen einen geplanten Naziaufmarsch. Die Rechten nutzen den Jahrestag der alliierten Bombardierung Magdeburgs für ihre Veranstaltung. Der Aufmarsch in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts gilt inzwischen als Alternativtermin für die verhinderten Naziaktivitäten in Dresden [siehe: AK Antifa]. Für den 19.1. ist sogar ein zweiter Aufmarsch angekündigt, Magdeburg Nazifrei mobilisiert auch da zu Gegenaktivitäten. Am Freitag, den 11.Januar findet eine linksradikale Vorabenddemo gegen Staat, Nazis und Kapital statt.

Fr. 11.1.2013: Antifaschistische Vorabendemo – 18 Uhr | Magdeburg-Hbf
Sa.12.1.2013: Naziaufmarsch blockieren!
Sa.19.1.2013: Naziaufmarsch blockieren!

5.Januar: 150 Menschen gedenken an Celalettin Kesim


Ungefähr 150 Menschen beteiligten sich am Samstag den 5.Januar 2013 an einer Gedenkdemonstration- und Kundgebung für den am 5.Januar am Kottbusser Tor von türkischen Faschisten und Fanatikern der islamistischen Milli Görüs ermordeten Kommunisten Celalettin Kesim. Die Demonstration, zu der neben der Türkischen Kommunistischer Partei (TKP/1920) auch die Plattform für Demokratie und Arbeit in Berlin (BEDEP), die DKP und die ARAB aufgerufen hatten, zog vom Hermannplatz zur Kottbusser Tor. Dort wurde eine Gedenkkundgebung abgehalten und dieser Teil des Kottbusser Tors symbolisch in „Celalettin Kesim – Platz“ umbenannt. Im Aufruf hiess es „Am 5. Januar 1980 wurde unser Genosse Celalettin Kesim durch die Anhänger der faschistischen Türkischen Föderation und den Fanatikern der islamistischen Milli Görüs, die vom Geheimdienst der Türkei (MIT) sowie dem deutschen Verfassungsschutz logistisch unterstützt wurden, ermordet. […]
10 bis 15 unserer GenossInnen, unter denen sich auch Celalletin Kesim befand, verteilten am 5. Januar 1980 am Kottbusser Tor im Stadteil Kreuzberg Flugblätter gegen die „Militärische Note“, die die Türkischen Streitkräfte am 27. Dezember 1979 dem türkischen Parlament übergaben. Zur gleichen Zeit versammelten sich die Anhänger der faschistischen Türkischen Föderation sowie die Fanatiker der islamistischen Milli Görüs am Kottbusser Tor, um gegen den militärischen Eingriff der Sowjetunion in Afghanistan zu protestieren. [Sie kamen aus der nahegelegenen Mevlana-Moschee.]

Die Faschisten und Reaktionäre waren nicht nur gekommen, um zu demonstrieren, sondern es wurde ein detailliert geplanter Angriff vorbereitet; das lässt sich daran erkennen, dass sie unter ihrer Kommandokleidung Bücher befestigten, um sich gegen Schläge zu wehren, und an ihren Stöcken Messer anbrachten. In den Aufsätzen und Büchern zum türkischen „tiefen Staat“, der nach langen Jahren und vielen Morden, deren Tatverdächtige bekannt sind, einigermaßen aufgedeckt wurde, wird festgestellt, dass diese „Operation“ die erste „ernste“ Operation des türkischen Geheimdienstes (MIT) im Ausland war.

Wenn dieser Mord im Zusammenhang mit dem in den letzten Monaten aufgedeckten „deutschen tiefen Staat“, also dem Verfassungsschutz, betrachtet wird, dann ist es klar, dass diese Zweierkoalition die Tat organisiert hat. Außerdem erleben wir in den letzten Jahren in Deutschland ähnliche Morde wie den an Celalettin Kesim. Wenn auch der türkische Geheimdienst nicht an der faschistischen Mordserie an neun Arbeitern mit Migrationshintergrund und einer Polizistin des vom Verfassungsschutz benutzten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ beteiligt war, bestehen dennoch zwischen den zwei Phänomenen große Ähnlichkeiten.

Alle politischen Morde – auch der an Celalletin Kesim, der seit 33 Jahren nicht aufgeklärt wird –, in denen der Staat verwickelt ist, müssen aufgeklärt werden sowie alle verantwortlichen Institutionen und Personen benannt werden.“



Kesim lag schwer blutend lange Zeit am Kottbusser Tor, ohne dass sich anwesende Zivis um ihn gekümmert hätten. Die Presse berichtete danach auf drastisch rassistische Weise:
„Schwarze Schleier und Hammelduft über Kreuzberg, Zockerstuben mit dunkelhäutigen Männern beim Brettspiel in Neukölln, der Anblick schwersteißiger Kurdinnen auf dem Türkenmarkt am Maybachufer, Gebet gen Mekka bei Siemens — das Pittoreske ist geblieben, gewiß. Aber hinzugekommen ist, daß sich viele Berliner Türken aus gescheiterter Hoffnung in nationale Subkultur flüchten oder sich in radikalen Islamgruppen („Großer Ideal-Verein“) organisieren. Immer öfter stoßen Anhänger rivalisierender Gruppierungen gewaltsam aufeinander.“ wie der Spiegel 5/1980 beispielsweise schrieb.

Celalettin Kesim war 1973 nach West-Berlin gekommen. Er arbeitete bei Borsig als Dreher und war IG-Metall-Vertrauensmann. Später arbeitete er als Berufsschullehrer. Kesim war aktiv im Berliner Türkenzentrum. Es existiert seit langem eine Gedenktafel zu ihm am Kottbusser Damm 28. Auf der Tafel steht auf türkisch und deutsch: „An diesem Ort wurde der Lehrer und Gewerkschafter Celalettin Kesim von Anhängern rechtsextremistischer türkischer Organisationen erstochen.“ Es befindet sich dort auch eine Gedenkstele, die der bekannte türkische Künstler Hanefi Yeter Anfang der 90-er Jahre anfertigte. Auf der Kundgebung heute sprachen türkische und deutsche Antifaschisten. Am Ende brachten Aktivist_innen an einem Pfahl ein Straßenschild an und benannten damit den bislang namenslosen Platz nach Celalettin Kesim.

Fotos: 1,2,3 (mehr…)