Tag-Archiv für 'kurdistan'

16. November: 20 000 gegen PKK-Verbot

Heute, den 16.​11.​13 ver­sam­mel­ten sich bis zu 20.​000 Men­schen zur De­mons­tra­ti­on gegen das Ver­bot der Ar­bei­ter­par­tei Kur­dis­tans PKK. Es wurde eine ent­schlos­se­ne aber fried­li­che De­mons­tra­ti­on unter den Fah­nen vie­ler Lin­ker Or­ga­ni­sa­tio­nen aus Deutsch­land der Tür­kei und allen Tei­len Kur­dis­tans. Dabei fie­len be­son­ders auch die vie­len Fah­nen der PKK, KCK und Bil­der Ab­dul­lah Öcal­ans auf, wel­che die Teil­neh­me­rIn­nen der De­mons­tra­ti­on, trotz Straf­an­dro­hung zeig­ten und so ihre So­li­da­ri­tät mit der kur­di­schen Frei­heits­be­we­gung zeig­ten. Ob­wohl die Po­li­zei hun­der­te Bil­der des Vor­sit­zen­der PKK Ab­dul­lah Öca­lan und Fah­nen von PKK und KCK im Vor­feld „fest­nahm“, konn­te das Ver­bot die­ser Sym­bo­le von der Po­li­zei nicht durch­ge­setzt wer­den.

Im An­schluss fand eine Kund­ge­bung mit Kon­zert und Reden von Ver­tre­te­rIn­nen von Grup­pen aus der Frie­dens­be­we­gung, dem Bünd­nis Tat­ort Kur­dis­tan und Po­li­ti­ke­rIn­nen aus Kur­dis­tan statt. Einen Hö­he­punkt der Kund­ge­bung bil­de­te der Re­de­bei­trag des Co­vor­sit­zen­den der BDP Sela­hat­tin De­mir­tas. Er be­ton­te, dass das deut­sche PKK Ver­bot und die Auf­nah­me der PKK in die EU Ter­ror­lis­te ein ernst­haf­tes Hin­der­nis für den Frie­dens­pro­zess in der Tür­kei und Kur­dis­tan dar­stel­len. Heute mit der Ver­bots­po­li­tik wei­ter­zu­ma­chen be­deu­tet kei­nen Frie­dens­pro­zess zu wol­len. Ins­be­son­de­re be­tont er, dass es ein ju­ris­ti­scher Skan­dal sei, zu ver­su­chen die Bil­der von Ab­dul­lah Öca­lan zu ver­bie­ten und gegen die uni­ver­sel­len Rech­te ver­sto­ße. In Kur­dis­tan habe die Be­völ­ke­rung die Bil­der zu zei­gen auf allen Ebe­nen durch­ge­setzt und auch hier pas­siert das, denn jeder hier trägt Öca­lan in sei­nem Her­zen. Er mach­te deut­lich, dass über eine Mil­li­on Kur­din­nen und Kur­den in Deutsch­land leben und dass es un­mög­lich sei diese als Ter­ro­ris­ten zu kri­mi­na­li­sie­ren.

Elmar Mil­lich als An­mel­der der De­mons­tra­ti­on er­klär­te „Wir als Tat­ort Kur­dis­tan freu­en uns, dass es heute in Ber­lin ge­lun­gen ist eine kraft­vol­le De­mons­tra­ti­on zur Auf­he­bung des PKK-​Ver­bots durch­zu­füh­ren. Nach 20-​jäh­ri­ger Po­li­tik der Un­ter­drü­ckung der kur­di­schen Be­frei­ungs­be­we­gung in Deutsch­land ist es Zeit einen ra­di­ka­len Po­li­tik­wech­sel durch­zu­füh­ren, eine Auf­recht­er­hal­tung des Ver­bo­tes wäre le­dig­lich ein Si­gnal an die tür­ki­sche AKP-​Re­gie­rung den be­gon­ne­nen Frie­dens­pro­zess zu sa­bo­tie­ren und so auch den tür­kisch kur­di­schen Kon­flikt in der Tür­kei auf­recht­zu­er­hal­ten. Wir hof­fen, dass die heu­ti­ge De­mons­tra­ti­on der ein wei­te­rer Schritt ist, zu­sam­men mit de­mo­kra­ti­schen und lin­ken Ver­ei­nen und In­itia­ti­ven die Auf­he­bung des PKK Ver­bots end­lich durch­zu­set­zen.“

Nun liegt es bei den po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­gre­mi­en der Bun­des­re­gie­rung die In­itia­ti­ve auf­zu­neh­men und end­lich von der Ver­bots­po­li­tik Ab­stand zu neh­men und so eine po­si­ti­ve Rolle im Frie­dens­pro­zess zu spie­len.

Fotos: 1, 2, 3, 4, 5
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14. Oktober | Arab – Tresen

Kurdistan Tresen
Infoveranstaltung – Der Krieg in Kurdistan und die deutsche Internationalistin Andrea „Ronahi“ Wolf

Aktueller Bericht aus Kurdistan – Claudia Wangerin (Journalistin, Junge Welt) berichtet von der Reise einer Solidaritätsdelegation in die kurdischen Gebiete

Anschließend: Gibt es einen Film über die vom türkischen Militär ermordete deutsche Internationalistin Andrea Wolf

20:30 | Zielona Gora, Grünberger Straße 73, Berlin-Friedrichshain

20.-25. September: 2000 Menschen beim 2.Mesopotanischen Sozialforum in Amed


2000 Menschen versammelten sich vom 21 – 25. September in der kurdischen Metropole Diyarbakir/Amed zum 2. Mesopotamisches Sozialforum. In Zeiten der eskalierenden türkischen Militäroperationen versammelten sich die Aktivist_innen im Sümerpark um über gesellschaftliche Alternativen zu Kapitalismus, Krieg und Patriarchat zu diskutieren. Ein besondere Schwerpunkt war neben der aktuellen Situation in Kurdistan vor allem die Aufstände im Mittleren Osten und Nordafrika die als „arabischer Frühling“ bekannt wurden. Aktivist_innen aus Ägypten, Tunesien und Marokko berichteten über die Rolle der Gewerkschaften und der Arbeiter_innenbewegung bei den Aufständen. Desweiteren waren auch die Selbstorganisationsprozesse der kurdischen Frauenbewegung, die Ökologie und die Situation der palästinensischen Bevölkerung wichtige Themen. Aufgrund der aktuellen militärischen Angriffe und der laufenden Verhaftungswellen gegen kurdische Aktivist_innen (4015 Festnahmen in den letzten 6 Monaten) war die Stimmung diesmal deutlich angespannter als beim letzten Forum im Jahr 2009. Über den Köpfen der Aktivist_innen düsten türkische Militärflugzeuge hınweg, die Bombenangriffe auf angebliche Stellungen der kurdischen Arbeiterpartei PKK flogen. Demonstrationen und Protestaktionen wurden von der Polizeı massiv behindert. Eine Demonstration gegen Frauenunterdrückung am Samstag wurde von Panzerfahrzeugen und Wasserwerfern der türkischen Polizei gestoppt. (mehr…)

Wandbild für Andrea „Ronahi“ Wolf


Am 23. Oktober 1998 wurde Andrea Wolf von türkischen Soldaten nahe Çatak in Nordwestkurdistan ermordet. Sie wurde während eines Gefechtes zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Guerilla lebend gefangengenommen, nachdem sie eine Kooperation mit dem Militär abgelehnt hatte, brutal ermordet und ihre Leiche anschließend geschändet. Andrea politisierte sich Anfang der 1980er Jahre in der radikalen Linken der BRD und schloss sich anfangs autonomen Zusammenhängen und der Hausbesetzer_innenbewegung an. Später engagierte sie sich in antiimperialistischen Zusammenhängen und war Gründungsmitglied der Initiative „Libertad!“. Der Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung durch die herrschende kapitalistische Ordnung brachte sie dazu, sich als militante Internationalistin dem bewaffneten Arm der kurdischen Befreiungsbewegung anzuschließen. Sie war Mitglied der Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) und einer Fraueneinheit des freien Frauenverbands Kurdistans (YAJK).

Die imperialistische Kumpanei zwischen der Türkei und der BRD, die auf eine lange Kontinuität zurückblicken kann und ihren Höhepunkt im gemeinsamen Kampf gegen die kurdische Befreiungsbewegung hat, führt zu einer Verschleppung der Aufkärung. Die aktuelle Arbeit türkischer und deutscher Menschenrechtsgruppen bringt indes neue Einzelheiten hervor. So hat sich jetzt erstmals ein ehemaliger Dorfschützer, der bei dem Massaker an Andrea und ihren Genoss_innen beteiligt war, zu Wort gemeldet und neben grauenhaften Einzelheiten des Massakers auch den Ort sowie den Namen des Mörders benannt.

Eine Delegation von Angehörigen, Menschenrechtsaktivist_innen und Politiker_innen ist daraufhin nach Kurdistan gereist, um das Massengrab zu besuchen, in dem Andreas Gebeine vermutet werden und Strafanzeige gegen den Mörder zu stellen. Während die Delegation vom türkischen Militär und Geheimdienst auf dem Weg zum Massengrab aufgehalten wurde (Info), haben in Berlin einige künstlerisch interessierte Internationalist_innen auf dem Hof des Georg-von-Rauch-Hauses ein Wandbild in Gedenken an Andrea „Ronahi“ Wolf gesprüht. Außerdem verklebten sie mehrere Plakate mit Informationen über das Leben von Andrea und die Kriegsverbrechen der türkischen Armee und benannten den Innenhof des „Georg-von-Rauch-Hauses“ auf dem Kreuzberger Mariannenplatz symbolisch in „Ronahi-Platz“ um. Wir wollten damit unseren Beitrag leisten um die Erinnerung an Andreas Leben und ihren Kampf wachzuhalten und um ein Zeichen gegen den auch mit deutscher Unterstützung geführten Krieg der Türkei gegen die kurdische Befreiungsbewegung zu setzen. Andrea hatte den internationalen Charakter von Herrschaft und Ausbeutung erkannt und daraus ihre Konsequenzen gezogen. Sie wusste, dass eine Befreiung von Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg nur im internationalen Kontext denkbar ist und hat danach ihr Handeln ausgerichtet. Für uns, die wir heute versuchen für eine Überwindung des globalen Kapitalismus zu kämpfen, ist Andreas Leben ein Beispiel für praktische Solidarität und kollektiv geführten Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Andrea presente!
Sehit namirin!

Zum Ort:
Das Georg-von-Rauch-Haus wurde nach einem von der Polizei erschossenen Militanten der Stadtguerilla „Bewegung 2.Juni“ benannt und ist eines der ältesten Besetzten Häuser der BRD. Die linksradikale Band „Ton, Steine, Scherben“ widmete dem Haus den „Rauch-Haus-Song“, eine der Hymmnen der Hausbesetzer_innenbewegung. Wir haben das Rauch-Haus für unser Bild ausgewählt, weil es einer der Orte ist, der für die Geschichte der revolutionären Linken in der BRD seit 1968 steht. Wir finden es wichtig und richtig sich diese Geschichte anzueignen und die verschütteten Kontinuitäten des Widerstandes aufzuzeigen.

Andrea Wolf – Crew

Fotos